Rainer Schulz bringt den Schaukelbären wieder zum Schaukeln Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Wackelt der Stuhl, stellen viele Senioren ihn auf den Sperrmüll. An sie richtet sich der Seniorendienst in Feuerbach. Seine Handwerker bringen alte Holz- und Elektrogeräte günstig in Ordnung.

Stuttgart - Mit aufmerksamem Blick beugt sich Reiner Schulz über einen Plüschbären. Eben noch hat er die vier Pranken des Kuscheltiers an die Holzstäbe geleimt, auf denen sie stehen. Nun zieht der 72-Jährige die Schrauben im Holz fest – das Bärchen steht wieder. Mit der schnellen Reparatur hilft Schulz einer Oma aus der Klemme, die das Lieblingsspielzeug ihres Enkels vor dem Sperrmüll retten wollte. So wie sie kommen viele ältere Menschen in die Werkstatt des Seniorendiensts im Burgenlandzentrum in Feuerbach. Hauptsächlich mit Stühlen, aber auch Weihnachtskrippen und Schaukelpferde bringen die Senioren immer wieder.

Diesmal ist es ein Schaukelbär. „So einen habe ich noch nie gesehen“, sagt Schulz. Und das, obwohl der Schreinermeister seit zwölf Jahren im Auftrag des Seniorendiensts werkelt – Weihnachtspyramiden repariert, Puppenläden überstreicht und Stühle neu verleimt. Alle zwei Wochen kommt Schulz donnerstags für drei Stunden in die Werkstatt. Sein Kollege André Kooker ist an den beiden anderen Donnerstagen da. Der 80-Jährige ist seit 14 Jahren im Team des Seniorendiensts. „Er kann nur noch sitzend arbeiten, aber es macht ihm trotzdem noch Spaß“, sagt Schulz.

Für die Reparatur des Schaukelbärs hat der Schreiner gerade einmal 20 Minuten gebraucht. „Er war nur ein bissle wacklig“, erklärt er. Schulz’ dunkelblauer Schürze sieht man an, dass er nicht zum ersten Mal mit Leim hantiert. Nun steht er an der breiten Werkbank vor dem Fenster, um sechs kleinen Engelsfiguren aus Holz die Flügel neu anzukleben. Aus einem schwarzen Radio in der Ecke erklingt leise klassische Musik.

Im Nebenraum herrscht mehr Trubel. Es ist das Reich von Helmut Möder, der sich um kaputte Elektrogegenstände kümmert. Ein Radio wurde bereits abgeliefert, eine Nähmaschine abgeholt. Manfred Fuhrmann kommt mit einer defekten Kaffeemaschine. Vor Jahren hat der 73-Jährige in der Zeitung von dem Seniorendienst erfahren. „Meine Frau hat den Artikel wieder herausgesucht, jetzt bin ich zum ersten Mal hergekommen“, sagt er und zeigt Möder, was nicht mit der Maschine stimmt.

„Richtige Handwerksbetriebe würden so etwas gar nicht machen – für sie würde sich das finanziell nicht lohnen“, sagt Schulz, der dem gelernten Elektroingenieur kurz über die Schulter schaut. Für die Reparaturen müssen die Hilfesuchenden nicht viel bezahlen: Nur die Materialkosten und eine geringe Aufwandsentschädigung fallen für sie an. „So günstig könnte ein Handwerker das nicht übernehmen“, betont Schulz.

Neben den Ruheständlern, die den Dienst in Anspruch nehmen, profitieren auch die Handwerker selbst. Für sie sei die Arbeit eine willkommene Abwechslung vom Alltag, sagt Hermann Lenz, Sprecher des Seniorendiensts: „Wenn man aus einem Beruf herausgeht, hat man meist viel Wissen und Erfahrung gesammelt. In unserer Werkstatt können die Senioren das wieder anwenden.“

Der Seniorendienst – eine Initiative des Treffpunkts 50plus – wurde 1981 gegründet. Momentan sucht er dringend nach Verstärkung für sein Team. Zu diesem gehören neben den beiden Schreinern und dem Elektriker zwei Polsterer, die dienstags kommen, und zwei Handwerker, die kleinere Tätigkeiten bei Senioren Zuhause übernehmen. „Am liebsten sind uns natürlich Handwerker, aber jeder kann mitmachen, der ein bisschen handwerkliches Gespür hat“, sagt Lenz. Um ein Regal anzubringen, sei zum Beispiel kein Fachwissen nötig. Bei der Arbeit mit Maschinen müsse aber immer ein Fachmann da sein – aus Sicherheitsgründen. Sehr begrüßen würde Lenz aber auch Senioren, die sich mit Computern auskennen.

Interessenten können sich beim Treffpunkt 50plus, Rotebühlplatz 28, unter der Rufnummer 0711 / 35 14 59 30 melden.

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