Während es tagsüber meist ruhig zugeht, beschweren sich Anwohner des Kauffmannareals zeitweise über nächtlichen Radau. Foto: Horst Rudel

Zündeleien auf einer Herrentoilette im Café und nächtliche Ruhestörungen haben den Ausschlag gegeben – nun reagieren die Polizei und die Kommune.

Ebersbach - Als ein sehr sicheres Pflaster bezeichnet Jürgen Ringhofer das Ebersbacher Stadtgebiet. Der Leiter des zuständigen Polizeireviers in Uhingen schickt, in Abstimmung mit der städtischen Verwaltung, trotzdem mehr Polizeistreifen in der Kleinstadt auf Tour. Seit dem vergangenen Jahr komme es häufiger zu Beschwerden von Anwohnern, die über Lärmstörungen, mehr Vermüllung und Sachbeschädigungen klagten, vor allem in der Innenstadt.

Zündeleien auf der Herrentoilette

Aufmerksamkeit hat vor allem ein Schild an einem Bäckereicafé auf dem Kauffmannareal erhalten: Eine im Untergeschoss liegende Eingangstür bleibt künftig von außen verschlossen, weil es zu Vandalismus gekommen sein soll. Offenbar hatten Unbekannte in der vom Thekenbereich nicht einsehbaren Herrentoilette versucht, einen Mülleimer anzuzünden. Und vor allem die Anwohner des Kauffmannareals ärgern sich offenbar über Spuren von Silvesterböllern an Fassaden, Zündeleien hinter der Musikschule sowie nächtliche Ruhestörungen. Deshalb komme es auch immer wieder zu Anzeigen bei der Polizei, bestätigt Ringhofer.

Die Überwachung per Video sei nicht zu rechtfertigen

„Solche Störungen sind zwar ärgerlich, aber leider typisch für eine Stadt“, sagt Jutta Schabel, die das Amt für Bürgerservice und Soziales leitet, beschwichtigend über die Belästigungen. Ebersbach ziehe mit seiner attraktiven Innenstadt – auch seit dem Bau des Kauffmannareals – zunehmend Besucher aller Couleur an. Häufig sei bei den Belästigungen die Schwelle zur Straftat aber nicht erreicht. Bei einem Gespräch mit allen Beteiligten sei über die Sorgen der Anwohner diskutiert worden. Auch das Thema Videoüberwachung habe dabei eine Rolle gespielt. Man nehme die Anliegen der Bürger ernst, habe aber auch die hohen rechtlichen Hürden für eine Überwachung erklärt, und beim Kauffmannareal handle es sich eben nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt, der einen solchen Eingriff rechtfertigen könnte.

Mit einem gemeinsamen Konzept wollen Stadtverwaltung und Polizei das Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu stärken. Vor allem sollen mehr Streifen in den Abend- und Nachtstunden in der Ebersbacher Stadtmitte und in den Ortsteilen zu Personenkontrollen eingesetzt werden. Ringhofer will mit Beamten in Zivil, berittener Polizei und Hundeführern bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die man insbesondere als Tätergruppe im Auge habe, Präsenz zeigen.

Mehr Respekt für den kommunalen Ordnungsdienst

Auch der Kommunale Ordnungsdienst und ein privater Sicherheitsdienst auf dem Kauffmannareal beteiligten sich an den Kontrollen, erklärte Ringhofer. Man arbeite hier Hand in Hand, denn es gehe auch darum, den Respekt gegenüber dem kommunalen Ordnungsdienst zu erhöhen. Manchem sei noch nicht klar, dass auch diese Vertreter der Ortspolizeibehörde Ausweiskontrollen durchführten.

Ringhofer möchte mit den Kontrollen auch mehr Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Drogenkriminalität erreichen. Gerade das neu hergerichtete Filsufer sei für Marihuanaraucher in der warmen Jahreszeit ein beliebter Treffpunkt, wie Funde von Joints dort zeigten. „Wir wollen die Jugendlichen aber nicht abstrafen, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen und setzen dabei auf ihre Einsicht.“ Dabei wolle man die wenigen Unbelehrbaren herausfiltern und gegen sie vorgehen. Und wenn jemand seinen Pizzakarton einfach liegen lasse, sollte man denjenigen ruhig zum nächsten Abfalleimer schicken, zumal hier auch die Erwachsenen nicht immer als Vorbild glänzten, ergänzte Schabel.

In Rechberghausen soll sich die Situation beruhigt haben

Probleme:
Im vergangenen Jahr hatte die Polizei schwerpunktmäßig mit Kontrollen ihre Präsenz in Rechberghausen erhöht, weil es vermehrt zu Sachbeschädigungen, Vandalismus und Drogendelikten gekommen war. Dazu waren auch Zivilstreifen und berittene Polizei im Einsatz. Als besonders stark frequentierte Bereiche, in denen sich vor allem auch Jugendliche und junge Erwachsene aus Umlandgemeinden trafen, galten das Landesgartenschaugelände und die Ortsmitte.

Strategie
: Um vor allem Kinder und Jugendliche zu schützen, hat die Gemeinde das vom Landkreis geförderte Projekt „Jamp“ – Jugendarbeit mit Profil –, aufgelegt, um die kommunale Jugendhilfeplanung nach der Schließung des Jugendhauses 2012 wieder auf die Beine zu stellen. Ein neues Jugendhaus soll im ehemaligen Regioladen entstehen und eine 50-Prozentstelle für einen Sozialarbeiter wurde beschlossen.

Lob
: Jürgen Ringhofer, der zuständige Uhinger Polizeirevierleiter, spricht von einer positiven Entwicklung im Ort und lobt die Investitionen.

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