2010 war das Jugendhaus Static am Sonnenberg von Altbürgermeister Reiner Ruf eröffnet worden, zwei Jahre später wurde es mangels Auslastung geschlossen. Foto: Gemeinde Rechberghausen

Drogendelikte und Vandalismus beschäftigen Polizei und Verwaltung. Gleichzeitig sehen sich Jugendliche an den Pranger gestellt und stellen jetzt Forderungen.

Rechberghausen - Bei einem vom Kreisjugendring moderierten Jugendforum haben 12- bis 19-Jährige aus Rechberghausen ihrem Ärger über die Welt der Erwachsenen Luft gemacht. Sie fordern mehr Mitsprachemöglichkeiten in ihren Belangen, einen Jugendraum und weniger Polizeikontrollen im Ort. In den vergangenen Monaten hatte die Polizei ihre Präsenz in Rechberghausen erhöht, weil es vermehrt Sachbeschädigungen und Drogendelikte gegeben hatte. Nachdem das Jugendhaus Static vor vier Jahren geschlossenund ein vom Verein Mobile Jugendarbeit Bartenbach entwickeltes Streetworkprojekt nicht verwirklicht wurde, lässt die Kommune die Situation von Heranwachsenden derzeit unter die Lupe nehmen.

Junge Erwachsene reagieren bei Kontrolle aggressiv

Erst am Montagnachmittag war es bei der Kontrolle von jungen Erwachsenen durch Polizeibeamte in Zivil in Rechberghausen zu Bedrohungen gekommen. Die 19 und 22 Jahre alten Männer waren an der evangelischen Kirche überprüft worden, weil sie einen Joint rauchten. Bei der Durchsuchung verhielten sich die jungen Männer so aggressiv, dass die Polizei sie mit auf die Wache nahm. Am Abend stellte die Polizei weiteres Rauschgift bei einem 22-Jährigen sicher, der sich auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes in der Bahnhofstraße aufhielt. Bei einer 26-jährigen Frau entdeckten die Beamten außerdem ein verbotenes Klappmesser.

Die Sicherheitskräfte setzen Hundeführer und berittene Polizei ein

Wie groß die Drogenszene in Rechberghausen tatsächlich ist, kann auch der Leiter des zuständigen Polizeireviers Uhingen, Jürgen Ringhofer, nicht sagen. Allerdings habe es in den vergangenen Monaten vermehrt Sicherheitsstörungen, Drogendelikte sowie Vandalismus gegeben, deshalb habe die Polizei die Kontrollen verstärkt. „Wir sind mit eigenen Kräften, berittener Polizei und Hundeführern unterwegs“, erklärte Ringhofer, der Eltern, Vereine und Schulen für das Thema sensibilisieren und mit den Kontrollen verhindern möchte, dass Jugendliche und Kinder mit dem „Teufelszeug Drogen“ in Kontakt kommen, zumal der Wirkstoffgehalt bei manchen Drogen heute sehr hoch sei.

Auf der anderen Seite fühlten sich „die Jugendlichen unter Generalverdacht gestellt“, fasste Tobias Klopfer vom Kreisjugendring die Rückmeldungen des Schülerforums in der Schurwaldschule von vor zwei Wochen zusammen. Klopfer ist Mitarbeiter und hatte das Forum moderiert.

Neuer Anlauf bei der Jugendhilfeplanung mit „Jamp“

In Rechberghausen geht es auch ums Thema Vandalismus. Für Graffitis an Gebäuden, Gekritzel auf Bänken und auf dem Trautisch im Gartenschaugelände will die Ordnungsamtsleiterin Ursula Riegel nicht allein Jugendliche verantwortlich machen. Der Verwaltung sei es wichtig, das Thema konstruktiv anzugehen, erklärte Riegel und verwies auf das vom Landkreis geförderte Projekt „Jamp“ – Jugendarbeit mit Profil –, mit dem die kommunale Jugendhilfeplanung in Rechberghausen derzeit wieder auf die Beine gestellt werden soll.

Rektorin will Heranwachsende in Verantwortung nehmen

Zwei Termine haben bereits stattgefunden. Sowohl der runde Tisch mit Vertretern aus Schulen, Kindergärten und Vereinen als auch das Schülerforum hätten nahezu identische Ergebnisse ergeben, erläuterte Klopfer den Zwischenstand. Klar ist offenbar, dass es an altersgerechten Freizeitangeboten und einem Kümmerer fehle, einem professionellen Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche. Ob solch ein Kümmerer als Streetworker unterwegs oder in einem neuen Jugendraum angesiedelt sein sollte, müsse erst noch verhandelt werden, erklärte Klopfer. Den Bedarf sieht auch die Rektorin der Schurwaldschule. Sabine Hilbich hält mehr Einbindung von Kindern und Jugendlichen für wichtig. Nur so könnten sie lernen, Verantwortung zu übernehmen.

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