Der Verkauf von E-Autos an Privatleute läuft in Stuttgart schleppend, sehr schleppend Foto: dpa

Das Thema Elektromobilität treibt Stuttgart um wie kaum eine andere Stadt im Land. Der Blick auf die nackten Zahlen indes zeigt, wo das eigentliche Revier der E-Autos liegt: im Car-Sharing. Ein Kauf der teuren Stromer kommt für die allerwenigsten Stuttgarter infrage.

Das Thema Elektromobilität treibt Stuttgart um wie kaum eine andere Stadt im Land. Der Blick auf die nackten Zahlen indes zeigt, wo das eigentliche Revier der E-Autos liegt: im Car-Sharing. Ein Kauf der teuren Stromer kommt für die allerwenigsten Stuttgarter infrage.

Stuttgart - Dass sich derzeit nur wenige Privatleute ein Elektroauto kaufen, ­haben ­weder Automobilkonzerne noch ­-experten jemals abgestritten. Doch dass es so wenige sind, war bislang nicht ­einmal den Mitarbeitern der städtischen ­Zulassungsstelle bewusst: Gerade einmal 62 ­Elektroautos befinden sich in Stuttgart in Privatbesitz, wie die Recherche unserer ­Zeitung ergab. Die „restlichen“ 1082 ­Stromfahrzeuge laufen in Firmenflotten, ­gehören also gewerblichen Haltern.

In Relation zum Gesamtbestand von knapp 290 000 zugelassenen Fahrzeugen in Stuttgart liegt der Anteil der Elektroautos demnach bei homöopathischen 0,4 Prozent. Ähnlich schwer kommen die E-Mobile auch in der Region vom Fleck (siehe Grafik). ­Schlusslicht ist der Kreis Göppingen, in dem am 31. Mai dieses Jahres nicht mehr als 79 Elektroautos registriert waren – gewerbliche wie private. Die Zahlen erklären sich nicht zuletzt durch die happigen Kosten, die beim Kauf eines ­Elektroautos ­fällig werden. ­­­Ein ­Rechenbeispiel veranschaulicht dies: So steht der günstigste konventionell betriebene Smart Fortwo ohne zusätzliche Ausstattung für 10  355 Euro in der ­Preisliste. Wer lieber zum Elektro-Smart samt Batterie greift, muss 23 680 Euro ­berappen – weit mehr als das ­Doppelte.

Auch bei der Konkurrenz aus München fällt die Rechnung ähnlich aus: Der rein ­elektrisch betriebene BMW i3 steht dort ab 34 950 Euro auf dem Hof. Ein konventionell befeuerter BMW 1er beginnt laut Liste schon bei 21 950 Euro.

Thorsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Stuttgart sieht die Zukunft des Elektroautos trotz der hohen Anschaffungskosten nicht allzu düster: „Wir sind sicher, dass ­alternative Antriebe ihren Platz haben ­werden, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen ist.“

Gerade in Stuttgart zeichnet sich derzeit ab, wo auch bundesweit die Reise des ­Elektroautos künftig hinführen könnte: ins Carsharing. Die erste grün regierte Landeshauptstadt Deutschlands verfolgt dieses Thema mit Nachdruck. In der Region Stuttgart stehen 270 Ladestationen und 510 Ladepunkte für Elektroautos bereit: deutschlandweit das größte, dichteste und am stärksten ausgelastete Netz. Von den positiven Rahmenbedingungen profitiert an erster Stelle das Projekt Car2go – die Carsharing-Tochter der Daimler AG. Insgesamt 500 elektrisch angetriebene Smart der blau-weißen Flotte rollen durch Stuttgart. Mittlerweile haben sich bereits über 30 000 Kunden bei dem Dienst registriert – ­Tendenz steigend.

Im Schnitt werde ein Car2go-Smart ­zwischen vier- und achtmal am Tag ­angemietet, sagt Car2go-Sprecher Andreas Leo. Die Zahl der Mieten steige ­kontinuierlich. Seit Start des Projekts im November 2012 hätten die E-Smarts der Flotte schon über drei Millionen Kilometer in Stuttgart und der Region ­abgespult.

Andere Carsharing-Anbieter wie Flinkster (Deutsche Bahn) oder Stadtmobil können da nicht mithalten. Sie haben ­ohnehin nur vereinzelt Elektroautos in ihrem Fuhrpark. Von den 74 Flinkster-Autos in Stuttgart beispielsweise fahren lediglich drei elektrisch.

Zwar liegt Stuttgart im Bundesvergleich vorn, was die Infrastruktur für E-Mobile ­anbelangt. Doch das Nebeneinander von elektrischen und konventionellen Autos klappt noch nicht reibungslos: Die ­Verwaltung hat jüngst eine Pressemitteilung verschickt, wonach ­Ladesäulen für Elektroautos viel zu häufig von Verbrenner-Autos zugeparkt seien. An den 251 Ladestationen in Stuttgart verteilte das Ordnungsamt ­daher seit Jahresbeginn schon knapp 3500 Knöllchen – satte 41 ­Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.