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Siegfried Kees aus Stuttgart hat das Problem, dass er in keinem Lexikon den Ursprung des Ausdrucks "kuhnacht" findet.

Siegfried Kees aus Stuttgart hat das Problem, dass er in keinem Lexikon den Ursprung des Ausdrucks "kuhnacht" findet. "Kuanaacht isch's gsãê, wiå mr hõêm kommå send", kann man gelegentlich hören, und damit will die Person sagen, dass es stockfinster war. Aber was haben die Kuh und die Nacht miteinander zu tun?

Rinder sind als Wildtiere in freier Natur von ihrer Lebensweise her sogenannte Dämmerungstiere. Sie kommen bei Dämmerung aus dem Dickicht, schlingen Futter in ihren Pansen, ziehen sich wieder zurück und beginnen mit dem Wiederkäuen. Richtiger wäre der Name Späterkäuer. Aber kann deshalb "kuhnacht" entstanden sein? Wohl nicht. Eine andere Deutung geht dahin, dass "kuhnacht" darlegt, es sei so finster wie in einer Kuh. Nun kann man davon ausgehen, dass es in einer Kuh recht finster sein muss, wobei dies aber wohl noch nie ein Mensch festgestellt hat. Auch die Version kuåranzånaacht bringt keine Klarheit. Wo könnte also die Wurzel für dieses Wort sein?

Die Kuh mit Nacht in Beziehung zu bringen dürfte Volksetymologie sein; das heißt eine Deutung, die sich aus den beiden Worten aufgrund fehlender anderer Erklärungen eben ergibt. In seinem Buch "Etymologie des Schwäbischen" bezieht sich Hermann Wax auf das Buch "Deutsche Gaunersprache" von Siegmund Wolf. Dort wird dargelegt, dass im Rotwelsch, der Sprache der fahrenden Händler in den zurückliegenden Jahrhunderten, "Kau" Gefängnis bedeutete. Kau selbst geht zurück auf "Koje", worunter man ursprünglich neben "enger Schlafstätte" auch "enges Loch und Gefängnis" verstand. In Oberdeutschland wurde Kau (Gefängnis) später nicht mehr verstanden, sondern als "Kuh" aufgefasst. So wurde das niederdeutsche Kaulok umgewandelt zu Kühloch, worunter man "Gefängnis für Geistliche" verstand. Später wurde im Bayrischen "Kühloch" verkürzt zu Kuh, Kuå (Gefängnis). Demgemäß bedeutet "kuhnacht, kuhfinster" dunkel wie im Kühloch, also im Gefängnis.

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