Die geplante Kappung der Gäubahn treibt die Anrainer-Städte weiterhin um. Die Rathauschefs adressieren nun einen deutlichen Brief an die Deutsche Bahn.
Im Jahr 2025 sollte der neue Tiefbahnhof in Stuttgart in Betrieb gehen. Daran gekoppelt sind die Pläne der Deutschen Bahn, die Gäubahn dann in Vaihingen zu kappen. Das bedeutet, dass Zugreisende von Singen nicht mehr bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof durchfahren können, sondern in Vaihingen in die S-Bahn steigen sollen – so lange bis der geplante Pfaffensteigtunnel eine neue Direktverbindung über den Flughafen möglich macht. Was kaum vor 2035 realisierbar ist.
Bereits seit Jahren gibt es massiven Protest gegen die geplante Kappung – auch von Seiten der Anrainer-Städte wie Singen, Horb, Rottweil sowie Herrenberg und Böblingen. Bislang ohne Erfolg. Nachdem zuletzt bekannt wurde, dass der Stuttgarter Tiefbahnhof nicht rechtzeitig fertig wird und der Kopfbahnhof wohl länger in Betrieb bleiben muss als geplant, haben sieben Oberbürgermeister – darunter Stefan Belz (Böblingen) und Nico Reith (Herrenberg) – nun erneut einen Brief an die verantwortliche Projektgesellschaft der Deutschen Bahn geschrieben und ihre Kritik bekräftigt.
„Kein Tag vergeht derzeit, ohne dass es neue schlechte Nachrichten mit Blick auf die Fertigstellung von Stuttgart 21 gibt“, beginnt das Schreiben. So sei der Zeitpunkt für die endgültige Inbetriebnahme unklar, und zudem werde immer deutlicher, dass der „Pfaffensteigtunnel bis auf Weiteres kaum Chancen auf Realisierung hat“. So drohe den Städten und Gemeinden entlang der Strecke, dauerhaft von Stuttgart abgehängt zu werden. „Dies ist nicht nur unfair, nicht nachzuvollziehen und lästig, es gefährdet langfristig auch die Gäubahn als Fernverkehrsstrecke“, schreiben die OBs.
Sie fordern, dass die Gäubahn zumindest erst dann gekappt wird, wenn ein verlässlicher Ersatz gesichert sei. „Das heißt: Keine Kappung, solange der Pfaffensteigtunnel nicht planfestgestellt, nicht vertraglich abgesichert und im Bundeshaushalt enthalten und beschlossen ist!“
Wenn der Stuttgarter Kopfbahnhof tatsächlich länger genutzt werden muss, stelle sich zudem nochmals die grundsätzliche Frage, „ob der dauerhafte Verzicht auf einen oberirdischen Bahnhof vor dem Hintergrund langfristig hoffentlich deutlich steigender Fahrgastzahlen wirklich sinnvoll ist“, schreiben die OBs. „Lassen Sie uns also die sich abzeichnende Krise als gemeinsame Denkpause nutzen – im Interesse eines zukunftsfähigen Bahnverkehrs für Baden-Württemberg.“