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Vor dem Spiel in der Fußball-Bundesliga beim VfB Stuttgart dreht sich in Dortmund bereits alles um das Endspiel im Pokal gegen Bayern München. „Keine Mannschaft hat es mehr verdient, in dieses Finale zu kommen“, sagt der BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Dortmund - Als das bemerkenswert einseitige Pokal-Halbfinale im Berliner Olympiastadion abgepfiffen war, konnte der Betrachter in den Katakomben des Prachtbaus die Erleichterung im Dortmunder Lager beinahe mit Händen greifen. Eine Woche nach dem krachenden Niederschlag von Liverpool hat der BVB einen zweiten K. o. vermieden. Dem neben dem FC Bayern dominierenden Clubteam in Deutschland bleibt damit bis auf Weiteres eine leidige Debatte erspart, die andernfalls auf die Agenda gehoben worden wäre. Darüber, wie hoch die Wertigkeit einer Saison ist, in der es zwar jede Menge Siege gegeben hat – in der das Team aber jedes Mal kurz vor dem Ziel gestrauchelt ist. „Hätten wir nicht das Finale erreicht“, sagte Kapitän Mats Hummels, „dann wäre aus einer sehr guten Saison eine enttäuschende geworden.“

Dieses Szenario ist abgewendet, im Mai steigt das Traumfinale gegen den Branchenführer aus dem Süden, zum dritten Mal seit 2012. Der BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagte nach dem ungefährdeten 3:0 gegen weitgehend harmlose Berliner einen bemerkenswerten Satz: „Keine Mannschaft hat es mehr verdient, in dieses Finale zu kommen.“ Das Dortmunder Urgestein betrachtet das Geschehen zwar mit der schwarz-gelben Brille, dennoch darf man dem 53-Jährigen durchaus zustimmen. Schließlich hat der BVB einen richtig harten Weg hinter sich. Um im Pokal bis ins Finale zu kommen, mussten die Westfalen nacheinander in Augsburg, Stuttgart und schließlich Berlin bestehen.

Erinnerungen an das Pokalspiel in Stuttgart

Vor allem die Partie in Stuttgart wird beim BVB in der Rückschau als echter Charaktertest gewertet, weil die Gastgeber damals stark aufspielten und einen Gegner mit Champions-League-Qualitäten maximal forderten. „Wir mussten ans Limit gehen“, erinnert sich der Trainer Thomas Tuchel. Ein ähnlich leidenschaftlicher Kraftakt ist beim erneuten Aufeinandertreffen am Samstag eher nicht zu erwarten – zumindest nicht von Dortmunder Seite. Denn anders als im Februar (und anders als für den vom Abstieg bedrohten Gegner) geht es für den BVB dieses Mal nicht ums Überleben.

Mit der Rückkehr in die Königsklasse haben die Dortmunder ihr wichtigstes Saisonziel frühzeitig erreicht, während der Weg zur Meisterschaft vier Spieltage vor Schluss bei sieben Punkten Rückstand auf die Bayern unerreichbar scheint. Die Borussia kann es also locker angehen lassen, was sich in den vergangenen Wochen darin dokumentierte, dass Tuchel seine Elf kräftig durchmischte. Jeweils acht Veränderungen nahm der Schwabe beim Revierderby auf Schalke (2:2) und beim Heimspiel gegen den Hamburger SV (3:0) vor.

Der Revierclub agiert auch im Rotationsmodus mit Konstanz

Der beste Tabellenzweite in der Geschichte der Liga steht in der Liga nicht unter Siegzwang und kann sich den Luxus leisten, sein gesamtes Personal vorspielen zu lassen. Insofern trifft der VfB, der die Punkte ja im Gegensatz zu den Dortmundern dringend benötigt, auf einen Gegner, der sich nicht bis zum Gehtnichtmehr verausgaben dürfte. Doch daraus freudig zu schließen, die Aufgabe sei machbar, wäre fatal. Denn der wieder erstarkte Revierclub agiert auch im Rotationsmodus mit beachtlicher Konstanz – von einem Spannungsabfall ist bislang nichts zu bemerken.

51 Pflichtspiele haben die Dortmunder mittlerweile abgespult, für diese enorme Belastung bewegt sich die Mannschaft noch erstaunlich leichtfüßig. Bei einem solchen Programm mutete es durchaus kurios an, dass Berlins Trainer Pal Dardai nach dem Pokal-Aus verkündete: „Wir spielen am Limit, die Jungs sind müde.“ Den Dortmundern entlocken solche Aussagen allenfalls ein müdes Lächeln: Schließlich haben sie 16 Spiele mehr in den Knochen als die Herthaner – und in der Rückrunde trotzdem nur einmal verloren, 3:4 in Liverpool.

Hummels-Flirt mit Bayern München

Fünfmal wird sich die Borussia in dieser Spielzeit noch präsentieren, wobei die vier Bundesligapartien als Warmmachen unter Wettkampfbedingungen eingestuft werden. Wer wollte es dem BVB ernsthaft verübeln, wenn er den Kick beim VfB nur als besseres Testspiel wahrnähme? Was zählt, ist der Pokal-Showdown am 21. Mai. „Es ist das Finale, auf das alle hinfiebern“, sagt Thomas Tuchel. „Wir werden uns top vorbereiten und bereit sein.“ Gegen die Bayern zu spielen sei „eine der größten Aufgaben im Weltfußball“, ergänzt Mats Hummels.

Ausgerechnet der Kapitän beschäftigt sich nun übrigens mit einem Wechsel nach München, wie Hummels’ Vater der „Sport-Bild“ verriet. Doch erst einmal geht es zum Betriebsausflug nach Stuttgart.

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