Vorspiel zum Stuttgarter Derby: Die Trainer Alfred Kaminksi (li.) und Sebastian Gunkel (VfB II) im Interview Foto: Baumann

Das kleine Derby in der Fußball-Regionalliga zwischen dem VfB II und den Stuttgarter Kickers steht an – mit zwei neuen Trainern: Sebastian Gunkel und Alfred Kaminski. Die Trainer von VfB II und Kickers sprechen im Interview über ihre Derby-Erfahrungen, den Unmut der Fans und ihre Ziele.

Stuttgart - An diesem Dienstag (17.30 Uhr) steigt das Derby in der Fußball-Regionalliga zwischen dem VfB II und den Stuttgarter Kickers – mit zwei neuen Trainern: Sebastian Gunkel und Alfred Kaminski.

Herr Gunkel, Herr Kaminski, können Sie sich vorstellen, warum das Derby historische Dimensionen annehmen könnte?
Gunkel: Vielleicht weil beide Teams noch nie in der vierten Liga gegeneinander angetreten sind?
Kaminski: Ich könnte mir auch vorstellen, dass es mit der Ligazugehörigkeit von unseren Kickers und dem VfB II zusammenhängt.
Wir spielen auf einen möglichen Derby-Zuschauer-Minusrekord an, der bei 2200 Besuchern liegt, als der VfB II in Großaspach gegen die Blauen um Punkte spielte.
Gunkel: Jetzt spielen wir aber in Stuttgart, und ich finde es sehr schade, dass wir exakt zeitgleich zu einem Heimspiel unserer Profis antreten müssen – und dann noch an einem Dienstag schon um 17.30 Uhr. Auch unsere Mannschaft braucht die Unterstützung der Zuschauer. Selbstverständlich akzeptieren wir die Sicherheitsmaßnahmen, aber in anderen Städten wie zum Beispiel Leipzig ist es auch möglich, dass RB II gegen Lok spielt.
Kaminski: Der Fußball lebt von einer stimmungsvollen Atmosphäre. Deshalb sollte man versuchen, bessere und fanfreundlichere Lösungen für die Ansetzung eines Stadtderbys zu finden.
Dass am Dienstag keine Völkerwanderung ins Gazi-Stadion einsetzen wird, erklärt sich aber auch beim Blick auf die Tabelle.
Gunkel: Es mag ja sein, dass man zwei Drittliga-Absteiger weiter vorne erwartet hat. Aber bei uns war von vornherein klar, dass wir erst einmal in der Liga ankommen müssen. Das sind wir erst zum Teil. Es sind sehr enge Spiel, die durch Kleinigkeiten entschieden werden. Unsere junge Truppe muss den Kampf annehmen, diesbezüglich haben wir noch Luft nach oben.
Kaminski: Ich wäre natürlich auch glücklicher, wenn wir den ein oder anderen Zähler mehr auf dem Punktekonto hätten. Wie der VfB II muss sich auch unsere neu formierte Mannschaft noch weiter finden. Aber klar: Wir möchten künftig auch spielerisch besser auftreten. Daran werden wir arbeiten.
Haben Sie die Regionalliga unterschätzt?
Gunkel: Nein, wir haben die Regionalliga nicht unterschätzt. Es war klar, dass es eine interessante Liga ist, die gespickt ist mit guten Fußballern. Zudem sind die vielen Traditionsvereine auch in Sachen Infrastruktur und Fan-Potenzial sehr gut aufgestellt.
Kaminski: Außerdem merkt man extrem, wie gut ausgebildet die Spieler aus den Nachwuchsleistungszentren sind, die für die zweiten Mannschaften der Proficlubs auflaufen und mit Macht nach oben drängen. Klar tummeln sich viele Traditionsclubs in der Liga, doch der Vereinsname ist nicht entscheidend. Es wird erwartet, dass man einen TSV Steinbach 5:0 aus dem Stadion fegt, dabei hat der Club ehemalige Zweitligaspieler im Kader.
Gunkel: Oder nehmen wir Teutonia Watzenborn-Steinberg. Das ist auch kein großer Name, aber die spielen richtig gut Fußball und haben zuletzt den 1. FC Saarbrücken geschlagen.
Herr Kaminski, wenn die Liga so stark ist: War es dann nicht zu hoch gegriffen, Platz eins bis fünf als Saisonziel auszugeben?
Kaminski: Wir sind gut beraten, uns immer aufs nächste Spiel zu konzentrieren. Jetzt schon ein Fazit zu ziehen und das Saisonziel zu hinterfragen – dafür ist es noch zu früh. Wir haben eine gute Mannschaft, die sich entwickeln muss, die zusammenwachsen muss. Studien belegen, dass es bis Weihnachten dauert, bis so ein Vorgang ­abgeschlossen ist.
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