Die Warmbronner Grundschule: Wie es weitergeht, ist noch völlig offen. Foto: Simon Granville

Es wird immer klarer: Bei diesem heiklen Thema voranzukommen, ist für Stadträte und Verwaltung eine Mammutaufgabe. Es geht vor allem um den Wald, der die Bildungseinrichtung umgibt.

Irgendwann wurde es Fabian Strecker im Leonberger Sozial- und Kultusausschuss zu bunt. Der Grünen-Stadtrat, auch Mitglied des Warmbronner Ortschaftsrates, schnaufte tief. Dann hub er zu einer Grundsatzrede zur Warmbronner Grundschule an. Und egal, zu welcher Fraktion die einzelnen Ausschussmitglieder auch gehören mochten – so wirklich widersprechen wollte und konnte ihm niemand.

 

Stadtrat Strecker: „Wir müssen eine Lösung finden!“

Die Schule werden im Schuljahr 2024/25 etwa 180 Kinder besuchen. Und auch sie soll zur Ganztagsgrundschule ausgebaut werden, was mehr Betreuungsräumlichkeiten erfordert, als bislang vorhanden sind. Der Anspruch auf Ganztagesbetreuung greift ab dem Schuljahr 2030/31 für alle vier Klassenstufen. Strecker sprach nun aus, was bereits seit vielen Jahren im Raum steht: „Wir müssen da oben eine Lösung finden!“ Die formale Entscheidung für einen Neubau der maroden Schule führe zu keinerlei Fortschritten. „Wir können uns nicht erlauben, dieses Wald-Abstands-Problem nicht zu unseren Gunsten zu lösen“, so Strecker weiter. Außerdem seien die Grabenkämpfe, die dabei mittlerweile entstanden seien, „nervenaufreibend und unfruchtbar“.

Der Abstand der Gebäude zum Wald – die Angelegenheit hängt wie ein Damoklesschwert über der gesamten Diskussion über Neubau oder Sanierung der Schule. 30 Meter muss er betragen, die Forstbehörden von Kreis und Regierungspräsidium führen unter anderem das veränderte Klima und die Gefahr von herabfallenden Ästen an. Forst-Vertreter hatten die Situation vor Ort in der Vergangenheit bereits selbst in Augenschein genommen.

Was ist denn überhaupt ein Wald?

Allerdings geht es schon lange um ganz Grundsätzliches. Wie groß dürfen die Änderungen sein, ohne den Bestandsschutz der bestehenden Gebäude anzutasten? Und um die Frage: Was ist denn überhaupt ein Wald? Vor 45 Jahren hat die Stadtverwaltung das Areal rund um die Schule im Bebauungsplan als „Park“ ausgewiesen. Nur sehen das die zuständigen Forstbehörden anders. Vom Landkreis ist etwa in einem Schreiben an die Stadtverwaltung zu lesen: „Die Situation westlich der Grundschule ist eindeutig.“

Mit einer Entscheidung darüber, wie es nun weitergeht, tun sich Gemeinderat und Stadtverwaltung unendlich schwer – und hätten das Problem und eben jene Entscheidung gerne an das Regierungspräsidium weitergegeben. Nur legte Beate Keim, die Leiterin des Bauverwaltungs- und Bauordnungsamtes, den Räten dar: Egal, welche theoretisch denkbaren verwaltungsrechtlichen Winkelzüge man auch in Betracht ziehe, „es gibt keine Möglichkeit“.

Die Warmbronnerin Christiane Hug-von Lieven (SPD) war beim Thema ebenfalls emotional dabei. Sie brachte, wie sie es nannte, einen „Perspektivwechsel“ ins Spiel. „Könnte man für ein paar Meter mehr Platz nicht ein paar Bäume entnehmen?“, fragte sie. Zumal es laut übereinstimmenden Erkenntnissen nicht die allerwertvollsten Gewächse seien. Das sei prinzipiell möglich, antwortete Georg Zakrzewski, der Leiter der technischen Abteilung des Gebäudemanagements. Nur sei dies, wie auch Beate Keim betonte, inklusive der Suche und der Ausweisung von Ausweichflächen eine Sache von mehreren Jahren.

Es drängt die Zeit – und es geht nur sehr wenig voran

Diese Zeit haben die Handelnden nicht. Denn als wäre die reine Frage nach dem „wie“ nicht schon kompliziert genug. Es stellt sich auch die Frage nach dem „wo“ – zwar nicht für die Schule an sich, denn die soll am Schulberg bleiben, wie der Ortschaftsrat im Oktober einstimmig und nun auch der Sozial- und Kultusabschluss mehrheitlich empfahlen. Es muss jedoch für die Dauer des Um- oder Neubaus eine Ausweichmöglichkeit her. „Dafür sehe ich gerade auch keine Lösung“, sagte Fabian Strecker.

Am Ende votierte der Aussschuss auch dafür, dass die Verwaltung „alternative Standorte zum Einrichten einer Interimsschule auf dem Schulberg“ prüfen möge. Und auch für einen weiteren Ortstermin mit den zuständigen Forst-Fachbehörden hinsichtlich der Wald-Thematik wurde im Ausschuss mehrheitlich gestimmt – wodurch sich Baubürgermeister Klaus Brenner, der die Sitzung leitete, zur leicht ironischen Bemerkung hinreißen ließ: „Also gut, gerne, drehen wir halt noch eine Runde.“

Es wird wohl nicht die letzte gewesen sein, wenn es um die Warmbronner Grundschule geht.