Die 68er in Korntal-Münchingen Die „Haschmusik“ schlagartig beendet

Von Klaus Wagner 

Fred Kalinowski in seinem Element: auf der Bühne, mit der Band. Das Foto stammt vom Anfang der siebziger Jahre. Foto: privat
Fred Kalinowski in seinem Element: auf der Bühne, mit der Band. Das Foto stammt vom Anfang der siebziger Jahre. Foto: privat

ln Korntal erinnern Zeitzeugen an die Bewegung von 1968. Und es wird gefragt, was heute von den Reformen von damals in der Stadt übrig ist.

Korntal-Münchingen - J ugendliche sind das Thema seines Lebens. Er war als Jugendlicher und junger Erwachsener für Jugendliche da, und er arbeitete sein ganzes Berufsleben lang bis 2017 beim Stuttgarter Jugendhausverein. Dabei ist Fred Kalinowski kein Sozialarbeiter, sondern Kunsterzieher. Begonnen hat alles Ende der sechziger Jahre in Korntal – dem Ort, in dem er groß wurde. Er weiß, was los war. Darüber berichtet er bei einem Abend der Volkshochschule (VHS) am 22. Juni. „Korntal und die 68er – Ein Widerspruch in sich?“ heißt das Motto.

An diesem Abend werde ein Stück Korntaler Stadtgeschichte präsent, sagt die VHS-Leiterin Cornelie Class-Hähnel. Ergebnis ihrer ersten Recherchen: In der Stadt gab es vor 50 Jahren noch anderes als das Brave und Fromme. Zeitzeugen, neben Fred Kalinowski noch Adelheid Petruschke-Abramovici, Lothar Blanz und Albrecht Wittmann, werden berichten – wie sich Jugendliche damals organisierten, auch mit einem neuen Jugendklub, wie es in den Schulen zuging und darüber, wie sich die Friedensbewegung in Korntal etablierte. Zuvor wird der Archivar Alexander Brunotte mit Dokumenten an das „ganz normale Leben“ jener Zeit in der Stadt erinnern.

Einen Kindergarten von damals gibt es noch

Die Nachwehen der 68er und die Änderungen in Korntal-Münchingen hätten sie bei der Vorbereitung ebenso interessiert, wie zu erfahren, erzählt Class-Hähnel, was von damals noch präsent sei. Dazu gehöre ein selbstverwalteter Kindergarten. Das Ziel sei es auch, so die VHS-Chefin, „nicht nur zu plaudern, sondern zu fragen, was uns heute berührt und wogegen wir uns wehren“. Die Frage sei „Was hat die Zeit mit unserem Dorf, unserer Stadt gemacht?“

Fred Kalinowski hat 1972 den Jugendklub mitgegründet, der sich nach der Stadtfusion 1973 mit dem aus Münchingen zusammenschloss. Er war Vorsitzender von 1974 bis 1980. Später stieß die Stadt als Teilhaber dazu und übernahm die Trägerschaft schlussendlich komplett. Kalinowski heuerte – „als Kunsterzieher war ich Quereinsteiger“ – beim Stuttgarter Jugendhausverein an, war Werkstattleiter im Jugendhaus Zuffenhausen und im Haus Mitte, machte mit Kindern und Jugendlichen Wald- und Zirkusprojekte.

Die Musik war nicht überall beliebt

Und er hat Gitarre gespielt – auch in einer Band, die in der ganzen Region unterwegs war und die berühmten Titel jener Zeit spielte, von den Stones, den Shadows oder Creedence Clearwater Revival. Einen Auftritt wird er nie vergessen: Es sei im Sommer 1971 in der Turnhalle in Hemmingen gewesen, erzählt der 67-Jährige. „Die bäuerliche Jugend war nicht so begeistert.“ Als die Band „In a gadda davida“ von Iron Butterfly spielte, sei nach 25 Minuten ein Jugendlicher auf die Bühne gerannt, habe dem Schlagzeuger die Stöcke entrissen, diese zerbrochen und dabei laut geschrien „Jetzt ist Schluss mit der Haschmusik!“ Das Konzert war schlagartig beendet.

Kalinowski und Class-Hähnel hoffen, dass es am 22. Juni weniger Eklats gibt.

Lesen Sie jetzt