Walter Hieber an einer Station: „Wer baut den höchsten Holzturm ever?“ Foto: Frank Eppl/r

Am Schützenhaus in Heutensbach gibt es einen kostenlosen Rundweg, auf dem Kinder Wald und Natur auf besondere Art erleben können. Offizielle Eröffnung ist am 19. August, nach dem 3. September werden die Stationen abgebaut.

Ein besonderes Ferienabenteuer verspricht die Gemeinde Allmersbach im Tal von Samstag, 19. August (Eröffnung von 14 bis 17 Uhr), bis Sonntag, 3. September. Der temporäre Waldspielpfad, der beim Schützenhaus in Heutensbach startet, bietet Kindern jeden Alters (und auch Erwachsenen) eine spannende Entdeckungsreise durch den Wald und die Streuobstwiesen. Mit einer Länge von anderthalb Kilometern und insgesamt zwölf interaktiven Stationen lädt der Pfad die kleinen und großen Besucher ein, die vielfältige Natur hautnah zu erleben.

 

Was steckt hinter dem Entdecker-Pfad?

Der von der Gemeinde initiierte Waldspielpfad bietet nicht nur eine unterhaltsame Möglichkeit für Kinder, sondern auch für ihre Familien, eine abwechslungsreiche Zeit im Freien zu verbringen. Der Pfad wurde von dem erfahrenen Naturparkführer Walter Hieber entworfen und zielt darauf ab, die Neugier der jungen Entdecker zu wecken und ihre Verbindung zur Natur zu stärken: „Es ging Bürgermeisterin Patrizia Rall und mir um einen Erlebnisweg während der Ferienzeit, mit einfachen Mitteln hergestellt, an dem die Kinder viel erleben können.“

Was bieten die Stationen?

Alles soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Aber jede der zwölf Stationen des Waldentdecker-Pfads widmet sich einem besonderen Wald- und Wiesen-Thema und bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Wunder des Waldes hautnah zu erleben. Kinder können an einer Station beispielsweise mithilfe eines Seiles einen Hang hinaufklettern und dabei ihre Geschicklichkeit und Koordination testen.

An einer anderen Station dürfen sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, indem sie Baumäste zu einem eigenen Turm stapeln. „Das kann man als Wettspiel auf Zeit gestalten, bei dem man schaut, wer in welcher Zeit den höheren Turm baut oder man baut einfach nur zum Spaß zusammen den höchsten Turm ever“, erklärt Hieber.

Eine weitere Station widmet sich dem Thema Waschbären, die für ihren besonderen Tastsinn bekannt sind. Hier haben die jungen Besucher die Gelegenheit, mit verbundenen Augen den Inhalt von Holzboxen zu ertasten und so die Sinne zu schärfen.

Gleichzeitig bietet der Waldspielpfad eine Lektion über die Tierwelt vor Ort. Das Thema Specht wird ebenfalls auf kreative Weise präsentiert. An einer Station haben die Kinder die Möglichkeit, an einem alten hohlen Holzstamm zu erkennen, wie es sich die Vögel dort eingerichtet haben. Eine Infotafel erklärt dazu, welche Nachmieter in Spechtwohnungen einziehen: Siebenschläfer, Wespen oder Fledermäuse zum Beispiel. Diese lehrreiche Erfahrung vermittelt nicht nur Wissen über den Lebensraum der Spechte, sie regt auch an, die Natur genauer zu beobachten. Mit einem lustigen Spechtspiel wird das spielerisch vertieft und erlebt.

Verschnaufen in der grünen Bücherei

Eine Verschnaufpause bietet eine besondere Leseecke – mitten im Grün. Dort hat Hieber ein halbes Dutzend Sitzplätze arrangiert und zehn kurze Geschichten zum Thema Wald aufgehängt, zum Lesen und Vorlesen. Ums Zuhören geht es dann ein Stück des Weges weiter, im Bereich der Streuobstwiesen. Auf Liegen können die Kinder einfach mal leise sein und zuhören, wer da welche Geräusche macht. Dort kann auch selbst ein einfaches Vögelchen aus Naturmaterialien gebastelt werden. Und beim Ausguck am Wasserbehälter müssen sich die kleinen Forscher konzentrieren und ihre Augen anstrengen, um alle im Unterholz versteckten Tierfiguren zu entdecken. Zuvor galt es jedoch dem Waldboden und seinen Bewohnern auf die Spur zu kommen. Was krabbelt unterm Moos, wer versteckt sich hinter der Baumrinde? Wurm, Käfer oder Spinne?

Braucht man eine Ausstattung?

Die Kinder brauchen gar nix, stellt Hieber klar. Die Stationen sind selbsterklärend, Material liegt bereit. Der Rundweg ist einwandfrei beschildert. Jede Station ist außerdem mit Hinweistafeln ausgestattet, die den Kindern dabei helfen, die Zusammenhänge zwischen den Elementen des Waldes besser zu verstehen. Der gesamte Pfad wurde so gestaltet, dass er sowohl Spaß als auch Natur-Bildung miteinander verknüpft. Ebenso liegen Materialien wie Lupengläser an den Stationen bereit, die man – wie alles Zubehör – dort auch liegenlassen sollte für andere Kinder, die sich später auf die Entdeckertour machen. Hilfreich sei in jedem Fall „bewegungsfreundliche Kleidung“, die beim Spielen und Kraxeln im Wald auch mal getrost schmutzig werden dürfe.

Warum besteht der Pfad nur zeitweise?

„Wenn man einen dauerhaften Pfad oder Wanderweg angelegt, dann muss man ihn auch entsprechend pflegen“, erklärt Hieber. Auch wolle er nicht überall etwas in den Wald hineinbauen: Natur soll schließlich so natürlich wie möglich bleiben. Vor allem sollen sich die Kinder auch ohne die Stationen für den Wald begeistern: „Die Kinder sollen den Wald als etwas Schönes und Spannendes kennenlernen und ihn später auch einfach so erleben“, sagt er. „Ich bekomme bei meinen Waldführungen von den Besuchern zu hören: ,Wir wussten gar nicht, wie schön es im Wald ist!‘“ Sie wollten wiederkommen, auch wenn es keine Stationen mehr gibt. Ein Ausflug ins Grüne sei überdies nicht nur für Kinder zu empfehlen. „Ein paar Stunden im Wald hilft beim Stressabbau und ist gut für die Gesundheit – das brauchen Familien heutzutage mehr denn je.“

Was gilt es sonst noch zu beachten?

Der größte Teil des Weges ist für Kinderwagen geeignet. Vor einem kleinen, abenteuerlichen Abstieg können Kinderwagenfahrer und nicht so Trittsichere umkehren und die letzten Stationen vom Schützenhaus her begehen (eine genaue Beschreibung am Start). Am Eröffnungstag wird bei schönem Wetter auch gegrillt. Der Pfad sollte nur bei Tageslicht begangen werden, der Jäger bittet außerdem darum, Hunde anzuleinen. Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr, die Aufsichtspflicht für Kinder liegt bei den Erziehungsberechtigten. In jedem Fall sollte man ausreichend Zeit einplanen. „Die Runde an sich läuft man in einer halben Stunde, aber man sollte besser ein paar Stunden einplanen“, sagt Hieber: „Die Kinder wollen ja auch stehen bleiben, spielen, etwas erleben und Neues kennenlernen.“ Für ihn sei das gelebter Naturschutz. „Nur, was man kennt und schätzt, das schützt man auch.“

Unterwegs in der Region

Anfahrt
Den temporären Waldentdecker-Pfad in Allmersbach im Tal erreicht man mit dem Fahrrad oder per Auto, indem man an der Kreuzung im Ortsteil Heutensbach beim Gasthaus „Löwen“ der Beschilderung zum Schützenhaus (Ende Käsbühlstraße) folgt. Am Schützenhaus gibt es einige Parkplätze, weitere sind ausgeschildert. Den Startpunkt in den Rundweg weist ein Banner, das links vom Gebäude am Waldeingang befestigt ist.

Einkehr
Das Schützenhaus nutzen die Mitglieder während ihrer Trainingszeiten. In Heutensbach selbst gibt es zentral gelegen den Löwen, ein Stück weiter in Allmersbach im Tal besteht die Möglichkeit, sich im Restaurant an der Schorndorfer Straße 70 mit einer Pizza oder anderen Speisen zu stärken. Es liegt direkt am Sport-Erlebnis-Park Allmersbach. Weitere Informationen unter: www.allmersbach.de