Die Kultusministerin hat auf Nachfrage unserer Zeitung Genderzeichen an Schulen möglich gemacht. Das ruft gleich lautstarke Kritiker auf den Plan. Dabei würde die Schopper’sche Lockerheit im Umgang mit dem Gendern allen gut tun, sagt unsere Kommentatorin.
Stuttgart - Offen und locker sollten Schulen mit dem Thema Genderzeichen umgehen, sie zulassen und damit experimentieren. Das hat der Sprachforscher Michael Becker-Mrotzek geraten. Außerdem ist der Leiter des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch überzeugt, dass Gendern nichts ist, „was vom Staat geregelt werden sollte. Der Sprachgebrauch entwickelt sich und orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen“.
Ähnlich scheint es Kultusministerin Theresa Schopper zu sehen. Sie will es den Schulen überlassen, ob sie Genderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. Es sei gut, wenn sich Lehrkräfte und Schüler auf eine einheitliche Regel verständigen würden, sagte sie unserer Zeitung. Sprich: Vorgeben will die Ministerin nichts.
Am Gymnasium größeres Thema als anderswo
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt richtig. Denn das Thema ist an Schulen genauso im Fluss, polarisiert genauso Schüler- und Lehrerschaft wie in der gesamten Gesellschaft. Viel wichtiger als Vorschriften zu machen ist es derzeit ohnehin, dass sich Schülerinnen und Schüler überhaupt mit dem Thema Gendern und der Debatte darum auseinander setzen – und damit, wofür sie stehen: Für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Für Offenheit gegenüber Menschen, die sich keinem gängigen Geschlecht zugehörig fühlen.
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Und das geschieht in den Schulen bereits. In Unterrichtsmaterialien und Schulbüchern werden schon länger männliche und weibliche Formen gleichberechtigt verwendet, Darstellungen, die alte Rollenklischees weiter tragen, wurden ausgemistet, die plurale, tolerante Gesellschaft als Ideal vermittelt.
Thema im Deutschabitur 2021
Die Debatte um das Sternchen ist ebenfalls in verschiedenen Jahrgangsstufen und Schularten Thema. In Fächern wie Deutsch und Gemeinschaftskunde werden Zeitungsartikel dazu gelesen und diskutiert. Dieses Jahr konnten Abiturientinnen und Abiturienten Gendern sogar als Kommentarthema in der Deutschprüfung wählen.
Diese Auseinandersetzung, dieser Diskurs ist wichtig. Denn die deutsche Sprache befindet sich parallel zur Gesellschaft in einem rapiden Wandel und ein Ende ist noch nicht absehbar. Schulen sollten diese Entwicklungen beobachten, begleiten und miterleben. Die Schulgemeinschaft sollte sich in manchem ausprobieren, bis sich am Ende die Dinge herausbilden, die bleiben. Diesen Zustand der Unsicherheit und des Wandels anzuerkennen, indem man ihnen den nötigen Spielraum dafür lässt, ist richtig.
Außerdem ist es für Schülerschaft und Lehrkräfte eine gute Übung in gelebter Demokratie, sich über dieses Thema zu verständigen, in einem gemeinsamen Willensbildungsprozess eigene Schreibregeln für die Schule festzusetzen. Mitbestimmung, Selbstbestimmung, Argumente auszutauschen und Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren – auch das sind ja alles Dinge, die an Schulen gelebt und gelehrt werden sollte.