Der Eckensee und die Staatsoper: Dieses Ensemble bleibt erhalten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Eckensee als möglicher Standort für eine Übergangsoper ist aus dem Spiel: Wie zuvor schon die Freien Wähler ist nun auch die SPD von der Idee abgerückt. Damit gibt es im Rat keine Mehrheit mehr für diese von der Intendanz favorisierte Variante. Wie geht es nun weiter?

Stuttgart - Der Eckensee als Standort für eine Interimsoper ist endgültig aus dem Spiel. Die SPD-Ratsfraktion hat nach Informationen dieser Zeitung am Donnerstag einstimmig beschlossen, das Areal vor allem aus Gründen des Klimaschutzes nicht mehr weiter zu favorisieren. Der Eckensee sei ein für die Innenstadt wichtiges Kaltluftgebiet, außerdem gebe es dort keinen Platz für Werkstätten des Opern- und Ballettbetriebs, teilte Fraktionschef Martin Körner nach der Fraktionssitzung auf Anfrage mit. Damit gibt es im Gemeinderat keine Mehrheit für eine diesbezügliche Variante, die auch in der Öffentlichkeit höchst umstritten war. Zuvor waren bereits die Freien Wähler von den Plänen abgerückt, die durch Entwürfe von Studenten der Universität Stuttgart erneut befeuert worden und bei der Intendanz der Staatstheater auf Wohlwollen gestoßen waren. SPD und Freie Wähler hatten vor wenigen Wochen zunächst mit Unterstützung von CDU, FDP und AfD einen entsprechenden Prüfauftrag durchgesetzt. Die Grünen und die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus sowie OB Fritz Kuhn hatten sich gegen einen Interimsbau im Oberen Schlossgarten ausgesprochen. Die verbliebenen Befürworter einer Eckenseeoper verfügen im Rat nur über 24 von insgesamt 61 Stimmen.

Damit steht fest: Die Entscheidung über den Standort für das Übergangsquartier für die sanierungsbedürftige Staatsoper fällt im Verwaltungsrat der Staatstheater am 27. November nur noch zwischen zwei Grundstücken: dem früheren Paketpostamt an der Ehmannstraße sowie einem Daimler gehörenden Areal in der Nähe des Mercedes-Museums im Neckarpark. Ein ideal erscheinendes Grundstück an der Ecke Willy-Brandt-Straße/Schillerstraße war bereits verworfen worden: Probleme mit der Gründung über den neuen Stadtbahntunneln sowie Zweifel am Fertigstellungstermin des Bahnprojekts Stuttgart 21 waren dafür ausschlaggebend. Der Zeitplan der Intendanz sieht vor, dass das Interim ab der Saison 2020/2021 bespielt werden kann. Der historische Littmann-Bau soll dann für mindestens 400 Millionen Euro saniert und im Jahr 2025 wieder eröffnet werden. Stadt und Land teilen sich die Kosten gemäß Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2010 jeweils zu 50 Prozent.

Kosten für Interimsquartier auf bis zu 50 Millionen Euro beziffert

Im Augenblick spricht manches dafür, dass das ehemalige Paketpostamt am Ende den Zuschlag als Übergangsquartier erhält. Das Gebäude ließe sich mit entsprechendem finanziellen Aufwand (die Rede ist von bis zu 50 Millionen Euro) in eine den Anforderungen der Oper und des Balletts genügende provisorische Spielstätte umwandeln. Spannend dürfte die Frage werden, ob der Gemeinderat sich für eine rein temporäre Lösung oder eine nachhaltige Dauernutzung der Halle etwa als Kultur- und Kongresszentrum ausspricht. Dafür müsste die Stadt allerdings monetär noch eine Schippe drauflegen. Zudem stünde ein solches Zentrum in Konkurrenz zu den Ideen für eine Konzerthalle und ein Kongresszentrum auf dem A-3-Areal am Bahnhof.

Pläne im Oberen Schlossgarten in der Öffentlichkeit waren umstritten

Der Eckensee als Interimsstandort war schon einmal auf Drängen der Opernintendanz auserkoren worden, die Pläne waren aber aufgrund der öffentlichen Resonanz schnell wieder in der Schublade verschwunden. Umweltverbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatten auf das sich wandelnde Stadtklima verwiesen, indem sich der Talkessel im Sommer immer mehr aufheizt. Jedes weitere Bauwerk im Schlossgarten verschlimmere diese Entwicklung. Auch OB Kuhn und Baubürgermeister Pätzold hatten dem Bau eines Gebäudes über oder an Stelle der Wasserfläche früh eine Absage erteilt – aus klimaschutzpolitischen wie städtebaulichen Gründen. Nicht zuletzt hatten zahlreiche Bürger in Leserbriefen und Mails beklagt, der Bau einer Ersatzoper im Oberen Schlossgarten verschlechtere die Lebensqualität in der City und schränke die Naherholungsmöglichkeiten weiter ein.

Bei der Suche nach einer zentrumsnahen Fläche war die neben dem Feuersee einzige große innerstädtische Wasserfläche dann im Juli wieder ins Blickfeld gerückt, zumal das Land sein Veto gegen eine weitere Variante – den Bau einer Ersatzoper im Innenhof des Finanzamts am Rotebühlplatz – eingelegt hatte. Der BUND hatte daraufhin mit einem Bürgerbegehren gedroht, und OB Kuhn ließ durchblicken, man könne Bürgerproteste wie jene gegen den Bau des Tiefbahnhofs im Mittleren Schlossgarten nicht ausschließen. Auch Denkmalschutzbehörden hatten darauf hingewiesen, der gesamte Obere Schlossgarten einschließlich des Sees stehe unter Denkmalschutz und könne somit nicht bebaut werden.

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