Ramponierter Sitzkiesel auf dem ehemaligen Parkstreifen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In der Dorotheenstraße experimentiert die Stadt mit Sitzkieseln und neuartigen Bänken. Man darf es als missglückt betrachten, kommentiert Jan Sellner.

Unser Stuttgart soll schöner werden. Und wohnlicher. Und stylisher. Das darf man als Beweggründe bei der Stadt vermuten, als sie im Herbst sogenannte Sitzkiesel in die Dorotheenstraße rollte. Genau an die Stelle, an der sich bisher Kurzzeitparkplätze befanden, die manche bis heute vermissen. Daneben wurden Fahrradständer aufgestellt und neuartige Gitterbänke, die keine Lehne haben, dafür unterschiedliche Sitzhöhen, um beispielsweise Kindern und Erwachsenen ein Sitzen auf Augenhöhe zu ermöglichen. So cool ist die Stadt!

 

Der Charme eines Möbellagers

Kühl ist das Stichwort, denn die modernen Sitzgelegenheiten wirken auf viele Passanten nicht gerade einladend, zumal wenn’s kalt ist. Wie ist es sonst zu erklären, dass dort niemand sitzt – anders als auf den jüngst ausrangierten alten Bänken am Schlossplatz, die sogar dann noch besessen wurden, als man sie schon abtransportierte.

Vielleicht liegt’s auch an der Lage. Der ehemalige Parkstreifen gegenüber dem Dorotheenquartier wirkt wie eine Abstellfläche. Die aufgereihten Freiluftmöbel verleihen ihm den Charme eines Möbellagers – dem allenfalls junge Skater erliegen. Sie haben’s bekanntlich nicht leicht in dieser Stadt, wie die kontroverse Diskussion über das Skaten vor dem Landtag zeigt. In der Dorotheenstraße eröffnen sich neue Möglichkeiten. So war das mit den Sitzgelegenheiten allerdings nicht gedacht.

Ein Schildbürgerstreich? Ja, aber zum Glück einer mit Verfallszeit. Die Stuttgarter Rolling Stones liegen nach Auskunft der Stadt erst mal nur probeweise da. Sie will Erkenntnisse für die künftige Gestaltung der Dorotheenstraße zu gewinnen. Wenn’s den Bürgern nicht gefällt, kommt was anderes an die Stelle. Eines kann man jetzt schon sagen: Den Kieselstein der Weisen hat die Stadt noch nicht gefunden.