Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezog im Landtag Stellung zu den neuen Corona-Maßnahmen (Archivbild). Foto: dpa/Guido Kirchner

Mit einem kleinen Seitenhieb auf Boris Palmer sorgt Ministerpräsident Winfried Kretschmann für Erheiterung in einer Corona-Sondersitzung – in der es ansonsten hitzig zur Sache geht.

Stuttgart - In der Debatte um die neuen Corona-Maßnahmen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer aufs Korn genommen – und so für Lacher während der Corona-Sondersitzung im Landtag gesorgt. Der Ministerpräsident erklärte, er habe sich intensiv von Virologen, Epidemiologen sowie Kinder- und Jugendärzten beraten lassen, ob man Kitas und Grundschulen öffnen könne.

Direkt vor der Ministerpräsidentenkonferenz am vergangenen Dienstag habe er mit einem Tübinger Virologen gesprochen: „Ich meine jetzt nicht mit dem Selbsternannten“, fügte Kretschmann mit einem Augenzwinkern hinzu. Dass es sich bei dieser Anspielung um seinen namentlich nicht genannten Tübinger Parteikollegen handelte, blieb den Abgeordneten nicht verborgen – und sorgte für Erheiterung.

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Kretschmann verteidigt Corona-Maßnahmen

Vor den Bund-Länder-Gesprächen über verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hatte sich Palmer im Interview mit unserer Redaktion zu Wort gemeldet – und sich für die Wiedereröffnung von Schulen und Kitas ausgesprochen, „weil von dort so gut wie keine akute Belastung für die Intensivstationen droht“. Obwohl Kindern und Jugendlichen von Corona keine echte Gefahr drohe, seien sie die Verlierer der Schutzmaßnahmen.

Kretschmann hat die geplante Öffnung von Kitas und Grundschulen vom 1. Februar an verteidigt. Er sei überzeugt, dass diese Entscheidung „verantwortbar“ sei, wenn die Infektionszahlen weiter sänken, sagte der Grünen-Politiker. „Dabei gehen wir nicht mit der Brechstange vor, sondern mit Umsicht und Vorsicht.“ Es werde nur eine schrittweise Öffnung bei den Grundschulen geben. Höchstens die Hälfte einer Klasse könne zur selben Zeit unterrichtet werden, sagte Kretschmann. Die Fasnachtsferien vom 15. Februar an werde man nutzen, um nachzuvollziehen, ob sich das Infektionsgeschehen durch die Öffnung geändert habe.

Protestaktion der AfD

Zuvor war die Corona-Sondersitzung mit einer Protestaktion der AfD-Abgeordneten gestartet. Die Parlamentarier hielten am Donnerstag großflächige, weiße Plakate hoch mit der Aufschrift: „Grundrechte sind nicht verhandelbar!“ Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) forderte die Abgeordneten mehrfach auf, die Plakate herunterzunehmen. Sie erteilte einen Ordnungsruf an einen Abgeordneten. Fast alle AfD-Abgeordneten weigerten sich zudem am Donnerstag im Plenum eine Maske zu tragen.

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