Ute Vogt, Ulrich Kelber und Bernd Simpfendörfer debattierten auf dem Reyerhof über gesunde Lebensmittel. Foto: Alexandra Kratz

Ein Landwirt und zwei SPD-Politiker fordern ein Umdenken der Verbraucher und eine andere Politik.

Stuttgart-Möhringen - Rudolf Schaaf brachte es am Ende auf den Punkt. „Es war eine Veranstaltung, die viele Zusammenhänge erhellt hat, die gezeigt hat, dass es noch einiges zu tun gibt, die aber auch deutlich gemacht hat, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagte der Sprecher der SPD-Fraktion im Möhringer Bezirksbeirat. Zuvor hatten Christoph Simpfendörfer, der den Reyerhof an der Unteraicher Straße bewirtschaftet, und Ulrich Kelber, der sich als SPD-Bundestagsabgeordneter mit dem Fachgebiet Landwirtschaft und Verbrau­cher-­schutz beschäftigt, knapp zwei Stunden lang darüber diskutiert, wie die Ernährungswende zu schaffen ist. Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Ute Vogt (SPD) hatte zu der Debatte eingeladen, die im Bistro des Reyerhofs stattfand. Es sei immer das gleiche Szenario. Wann immer ein Lebensmittelskandal öffentlich gemacht werde, gebe es einen Aufschrei – egal ob es sich um BSE, Gammelfleisch oder zuletzt um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch handle. Doch immer wieder fallen die Verbraucher nach kurzer Zeit wieder in ihre alten Gewohnheiten zurück und kauften wieder billige Lebensmittel, sagte Vogt. Das Ziel müsse daher ein nachhaltiger Bewusstseinswandel sein.

Simpfendörfer ist positiv gestimmt. „Immer mehr Menschen lernen, dass sie ihr eigenes Verhalten ändern müssen“, sagte der Demeter-Landwirt. Gute Lebensmittel hätten ihren Preis. Um dafür zu sensibilisieren, müssten Begegnungsflächen geschaffen werden. „Die Menschen müssen erleben, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Dann bringen sie diesen auch wieder eine ganz andere Wertschätzung entgegen“, sagte der Landwirt.

Keine ausreichende Kennzeichnungspflicht

Nach den Worten von Ulrich Kelber können sich selbst qualitätsbewusste Kunden nicht sicher sein, was sie wirklich für ihr Geld bekommen. Das Problem sei, dass es keine ausreichende Kennzeichnungspflicht gebe. Der SPD-Mann kritisierte die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Sie habe nicht für genügend Transparenz gesorgt. Das sei alles andere als verbraucherfreundlich.

Ob die Landwirtschaft genug Bio-Lebensmittel für alle produzieren könne, wollte eine Frau wissen. Simpfendörfer ist überzeugt, dass das geht. Weltweit würden die Bauern pro Tag 4000 Kalorien für jeden Menschen auf der Erde produzieren. Das sei doppelt so viel wie notwendig. Simpfendörfers Schlussfolgerung: Die Landwirtschaft müsse nur anders strukturiert und ihre Erzeugnisse müssen anders verteilt werden.

„Und kann sich denn jeder Bio-Waren leisten?“, fragte eine Zuhörerin. Ulrich Kelber ist sich nicht sicher: „Es gibt viele, die das nicht können.“ Doch Fakt sei auch, dass die Deutschen viel weniger Geld für Lebensmittel ausgeben als die Menschen in anderen europäischen Staaten. Simpfendörfer warnte davor, mit Hilfe der Lebensmittelpolitik die „soziale Frage“ zu lösen. Das Ziel könne es nicht sein, gute Lebensmittel billig zu machen. Vielmehr müsse dafür gesorgt werden, dass jeder ein genügend hohes Einkommen habe, um sich qualitativ hochwertige Waren kaufen zu können.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: