Die Fachgruppe Wassergefahren des Technische Hilfswerks Ostfildern trainiert regelmäßig auf dem Neckar bei Esslingen. Überflutungen und Starkregen sind ein wichtiger Schwerpunkt.
Hitze und Trockenheit auf der einen, sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen auf der anderen Seite: Die Wetterextreme nehmen zu. Zu jenen, die im Katastrophenfall gefragt sind, gehört auch die Ostfilderner Fachgruppe Wassergefahren des Technischen Hilfswerks. Um gewappnet zu sein, trainieren die Frauen und Männer regelmäßig auf dem Neckar. Denn im Einsatz zählt jede Sekunde. „Angesichts zunehmenden Starkregens und des Klimawandels werden diese Einsätze immer wichtiger“, sagt Ulrich Rüdt, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.
Der Ortsverband des Technischen Hilfswerks ist 1952 im Kronensaal in Esslingen gegründet worden. 1978 zogen die Mitglieder in die Gehringstraße ins Ostfilderner Gewerbegebiet Zinsholz zwischen Ruit und der Parksiedlung um. Dort baut das THW für seine 120 Mitglieder derzeit ein Domizil mit angegliedertem Schulungszentrum sowie Büro- und Besprechungsräumen.
Ausbildung hat beim THW einen hohen Stellenwert
Am 27. Oktober wird Richtfest gefeiert. „Die neuen Räume brauchen wir dringend, um unsere Einsatzkräfte zu schulen“, sagt Thomas Pazurek. Denn die Ausbildung hat bei den Katastrophenhelfern hohen Stellenwert. Der Ortsbeauftragte des THW führt die gemeinsame Gruppe für Esslingen und Ostfildern seit 2017. „Teamorientiert“ möchte er arbeiten. Es gelte, jede und jeden nach ihren und seinen Stärken einzusetzen. Da hat der THW-Chef ein gutes Händchen. Menschen zu motivieren, das gefällt ihm.
Wegen der Nähe zum Neckar ist der Hochwasserschutz in Esslingen ein Schwerpunkt der Arbeit des THW. Wenn die Fachgruppe auf dem Neckar trainiert, arbeitet sie auch immer wieder mit Rettungsschwimmern der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zusammen. Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat Ulrich Rüdt gezeigt, dass man sich wegen des Klimawandels auf ganz neue Gefahrenlagen einstellen müsse. „Dafür müssen wir unsere Männer und Frauen intensiv schulen.“ Bei den Hilfseinsätzen im Ahrtal waren auch Mitglieder des THW Ostfildern dabei.
Kinder und Jugendliche lernen spielerisch
Bevor die Mitglieder zu den Einsätzen dürfen, müssen sie einen Kurs absolvieren, der 80 bis 100 Stunden umfasst. Am Ende steht nach Pazureks Worten eine Prüfung, die Voraussetzung für den weiteren Werdegang ist. Denn wenn man nicht ausreichend vorbereitet sei, riskiere man in der Katastrophenhilfe das eigene Leben. „Die Kinder und Jugendlichen führen wir spielerisch an die Arbeit des THW heran“, erklärt Ulrich Rüdt. Erst einmal gehe es darum, die Jungs und Mädchen zu motivieren. Besonders gefalle es ihnen, „wenn sie unsere Geräte ausprobieren dürfen“. Es macht dem promovierten Projektmanager Spaß, ihnen die Faszination der Technik zu vermitteln. Ab 17 Jahren dürfen die Jugendlichen dann den Lehrgang absolvieren. Dennoch sind Einsätze vor der Volljährigkeit tabu.
Bei den Erwachsenen geht es disziplinierter zu, da wird für die Einsätze geprobt. Die Fachgruppe Wassergefahren etwa hat im Sommer eine Ausbildung in der Damm- und Deichverteidigung absolviert. Auf dem Gelände der Firma Gustav Scherrieble in Oberesslingen befüllten die Katastrophenhelfer nicht nur Sandsäcke. Sie übten auch verschiedene Verbautechniken, um das Firmengelände nahe dem Fluss vor Hochwasser zu schützen. „Bei Temperaturen von um die 30 Grad haben sie 15 Tonnen Sand und 1000 Säcke verbaut“, berichtet Ulrich Rüdt von den fordernden Übungen. Es gehe darum, die Szenarien für die Einsätze möglichst realitätsnah zu trainieren. Deshalb sei die Zusammenarbeit mit der Entsorgungsfirma sehr wertvoll gewesen.
Ein großes Sortiment an Pumpen
Und natürlich braucht es technisches Gerät, um für Hochwasser oder Überflutungen gewappnet zu sein. Die THW-Ortsgruppe Ostfildern verfügt „über ein großes Sortiment von Pumpen“, sagt Patzurek. Am leistungsstärksten seien die Schmutzwasserpumpen mit eigenem Motorantrieb, die bis zu 15 Kubikmeter stark verschmutztes Wasser pro Minute abpumpen. Auch große Mengen Schlamm lassen sich damit entfernen. Außerdem müssen die Mitglieder der Fachgruppe Wassergefahren mit den Arbeitsbooten vertraut sein, um bei Überflutungen oder bei Rettungseinsätzen auf und am Wasser helfen zu können. Sie müssen üben, mithilfe von Mehrzweckarbeitsbooten und schwimmfähigen Plattformen Menschen aus Gebäuden zu retten. „Durch die Nähe zum Neckar in Esslingen haben wir beste Möglichkeiten, zu üben“, sagt Ulrich Rüdt.
Weil aber auch die theoretische Schulung eine Grundlage der Arbeit des THW ist, fiebert das Leitungsteam in Ostfildern der Fertigstellung des Neubaus im Zinsholz entgegen. Das Gebäude wird im Auftrag der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk errichtet. Zwar üben und helfen die Ortsverbände zunächst vor Ort. Aber wenn in Deutschland oder bei Katastrophen in aller Welt Hilfe gebraucht wird, reisen immer wieder Teams aus verschiedenen Städten in die Krisengebiete und helfen. „Wir sind bundesweit vernetzt“, erklärt Rüdt. Dennoch prägen die Mitglieder aus Ostfildern und Esslingen das Profil des Ortsverbands. So kümmert sich die Helfervereinigung des Ortsverbands beispielsweise um die Kinder- und Jugendarbeit der Katastrophenhelfer.
Das Technische Hilfswerk im Überblick
Freiwillige Basis
Mit seiner Basis von rund 85 000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in ganz Deutschland ist das Technische Hilfswerk als Behörde im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums einmalig. Die Bundesanstalt kümmert sich unter anderem darum, dass die Ortsgruppen auf eine gute Infrastruktur bauen dürfen.
THW Ostfildern
120 Mitglieder hat das THW Ostfildern. Rund 50 Katastrophenhelfer sind aktiv im Einsatz. Aus der Jugend rücken immer wieder Kräfte nach. Aus zwei Bergungszügen und einem Instandsetzungszug entstanden im Laufe der Zeit ein Technischer Zug mit den beiden Fachgruppen Wassergefahren und Wasserschaden/Pumpen.
Kreisweit vernetzt
Im Landkreis Esslingen sind die THW-Ortsverbände Ostfildern, Neuhausen und Kirchheim aktiv. Bei speziellen Aus- und Weiterbildungen arbeiten sie eng zusammen. Die Mithilfe bei der Bergung von Flugzeugen gehört ebenso zu den Aufgaben wie Einsätze bei Hochwasser oder bei sonstigen Naturkatastrophen.