Die Taxifahrer wehren sich gegen neue Mobilitätsdienstleister – zur Not auch vor Gericht Foto: dpa

Das Taxigewerbe darf neue Mobilitätskonzepte nicht dauerhaft ausbremsen, meint Wirtschaftsressortleiterin Anne Guhlich. Am Donnerstag wird die Frage verhandelt, ob die Mobilitäts-App MyTaxi ihren Kunden Rabattaktionen gewähren darf.

Stuttgart - Das Taxigewerbe gilt in Deutschland als Teil des öffentlichen Nahverkehrs und ist demzufolge extrem streng reguliert. Zumindest für Menschen, die einmal längere Zeit in den USA verbracht haben, wirkt das System dadurch bisweilen unerträglich verkrustet.

Und doch gibt es gute Gründe für das deutsche Modell: Dass hierzulande nur Fahrer, die strenge Zulassungskriterien erfüllen, lediglich in definierten Gebieten fahren dürfen, für die sie eine Konzession haben, und dass die Preise von Behörden vorgegeben werden, dient am Ende der Qualitätssicherung des Angebots und somit dem Verbraucher. Das strenge Preiskorsett soll nicht nur Dumpingpreise verhindern, sondern auch, dass im Falle von Taxiknappheit – etwa nach Großveranstaltungen – Mondpreise verlangt werden, die nur noch eine kleine Elite bezahlen kann.

Dennoch müssen die Regeln zur Personenbeförderung mit der Zeit gehen. Sie dürfen nicht dazu führen, dass die Entwicklung neuer Dienstleistungskonzepte im Bereich der Mobilität ausgebremst werden. Zum einen hängt der Wohlstand eines Autolandes künftig auch davon ab, wie gut es den heimischen Herstellern gelingt, bei diesen neuen Mobilitätsdienstleistungen eine führende Rolle einzunehmen. Zum anderen werden Städte wie Stuttgart, die unter schlechter Luft und immer längeren Staus leiden, ihre Probleme nur in den Griff bekommen, wenn der Individualverkehr eingeschränkt wird.

Shared-Konzepte sind eine gute Alternative zu teuren Taxifahrten

Dafür aber brauchen die Verbraucher eine Alternative, und zwar nicht nur die Gutverdiener. Eine gute Alternative sind sogenannte Shared-Konzepte, bei denen Nutzer über eine Smartphone-App zusammenfinden, um sich beispielsweise eine Taxifahrt teilen können. Wenn die Taxifahrer in Städten wie Stuttgart nun streiken, weil die Stadtverwaltung sich gegenüber solchen Konzepten offen zeigt und Möglichkeiten des Experimentierens einräumt, ist das sicherlich der falsche Weg.

Statt die Arbeit niederzulegen und Kunden zu verärgern, sollten die Taxizentralen ihre eigene Digitalstrategie vorantreiben. Statt sich vor Gerichten zu bekämpfen, sollten neue Dienstleister und etablierte Taxizentralen ihre Kräfte bündeln und sich zusammen bei der Reform des Personenbeförderungsgesetzes engagieren.

So könnten sie sich beispielsweise gemeinsam dafür starkmachen, dass für das Modell der geteilten Taxifahrten ein günstigerer Tarif eingeführt wird. Damit wäre allen Marktteilnehmern geholfen – und der Umwelt obendrein.

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