Hightech in der Brennerei: Trotz digitaler Unterstützung brauchen die Experten noch das nötige Fingerspitzengefühl. Foto: /Michael Weier

Das Wein-Quartett stellt jede Woche einen Wein vor, heute ist Michael Weier an der Reihe – und geht fremd. Er durfte in der Lehrbrennerei der Uni Hohenheim das beste Zwetschgenwasser der Republik probieren.

Stuttgart - Bier auf Wein, das lass sein. Aber von Schnaps ist ja nicht die Rede. Zum Jahresende reden wir in dieser Spalte folglich zur Abwechslung über Hochprozentiges, das ja an Weihnachten helfen kann, wenn nach dem Gänsebraten der Magen etwas Unterstützung bei der Verdauung braucht.

Der Anlass für diese Würdigung: Die Uni Hohenheim experimentiert in ihrer Forschungs- und Lehrbrennerei nicht nur, wie man zum Beispiel aus Stroh einen Brennstoff herstellen kann, die Wissenschaftler gehen ihrem Beruf auch mit viel Herzblut nach. Wofür sie nun einen sehr schönen Lohn erhalten haben: Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, kurz DLG, zeichnete das Hohenheimer Zwetschgenwasser als beste Spirituose in der Kategorie Obstbrand aus Zwetschgen aus. Der beste Zwetschgenschnaps ganz Deutschlands kommt also aus Hohenheim. „Darauf“, sagt Chef Daniel Einfalt, „sind wir schon stolz.“

Bei aller Technik braucht es Fingerspitzengefühl

Denn das Brennen ist nicht nur eine Wissenschaft für sich. Ebenso stolz wie auf den Schnaps ist der Experte zwar auch auf sein neuestes Baby, eine digitalisierte Destillationsanlage der allerneuesten Generation. Aber bei aller modernen Technik, sagt Daniel Einfalt, komme es beim Brennen eben auch auf das Gefühl an. Ohne die nötige Erfahrung gehe es schlicht nicht. Dass diese in seiner Truppe vorhanden ist, hat Einfalt mit einfachen Mitteln in einer Tabelle dokumentiert. Genau wird darin aufgelistet, wie die Universität bei der DLG-Prüfung abgeschnitten hat. Auf den ersten Blick sieht auch der Laie: Von Jahr zu Jahr sammelten die Wissenschaftler mehr Medaillen. Obwohl sie fast schon gezwungen sind, fröhlich zu experimentieren und zum Beispiel auch mal Topinambur zu brennen. Mit den Zwetschgen bewegen sich die Hohenheimer allerdings im Mainstream. Dieses Wasser ist derart klar, dass es einem den Atem raubt. Die reinste Essenz der Zwetschge.

Das Urteil der Weinrunde

Kathrin Haasis : In ein Glas mit diesem Zwetschgenwasser könnte ich ausgiebig die Nase stecken. Der Geruch ist so klar und vermittelt sehr schön das Aroma der Zwetschge. Und beim Trinken ist er weniger Schnaps denn weiche Fruchtbombe.

Harald Beck: Gewisser Biss, sanfte Wärme und angenehm nachhaltiges Aroma: Die Weihnachtsbaumlober waren voll des Lobes, obwohl ich noch gar keinen Baum hatte. Als Gelegenheitsgenießer von Hochprozentigem schließe ich mich an.

Holger Gayer: Grundsätzlich bin ich ja kein Liebhaber von Hochprozentigem. Gleichzeitig weiß ich, dass es auch tolle Schnäpse gibt. Dieser gehört eindeutig dazu: Da verbindet sich eine tolle Nase mit einem weichen Aroma.

Der Schnaps

Zwetschgenwasser, 13,50 Euro, Lehrbrennerei Hohenheim, Telefon 07 11 / 459 - 2 33 53 (erhältlich auch bei Tabak Seher in Plieningen).

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