Laut dem DAK-Gesundheitsreport lassen sich Männer auch mit einer Erkältung im Büro sehen, Frauen kurieren sich eher zuhause aus. (Symbolfoto) Foto: dpa

Kranke Frauen bleiben im Bett, Männer gehen ins Büro: Das sagt zumindest der DAK-Gesundheitsreport für Baden-Württemberg. Zudem ist der Krankenstand im Land so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr.

Stuttgart - Berufstätige Frauen sind öfter krank als ihre männlichen Kollegen. Das geht aus einem Gesundheitsreport hervor, den die Krankenkasse DAK am Dienstag in Stuttgart vorgestellt hat. Auf 100 berufstätige Frauen kamen demnach im vergangenen Jahr durchschnittlich 120 Krankschreibungen. Bei 100 Männern waren es 107 Ausfälle aufs Jahr verteilt, ergab die Studie, für die Daten von Versicherten ausgewertet und auch online gefragt worden war.

Psychische Probleme liegen dabei bereits auf Platz drei unter den häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle bei weiblichen Mitarbeitern - gleich hinter Atemwegserkrankungen und Beschwerden wie etwa Rückenschmerzen. Bei Männern sind seelische Probleme immerhin die vierthäufigste Ursache für eine Erkrankung. Unter dem Strich sind die berufstätigen Baden-Württemberger der Studie zufolge zwar noch vergleichsweise fit: Die Fehltage liegen deutlich unter dem bundesweiten Wert. Gleichwohl lag der Krankenstand in dem Bundesland im vergangenen Jahr mit 3,5 Prozent so hoch wie seit Jahren nicht.

Warum fallen Frauen öfter aus?

Auf die Frage, warum Frauen eher ausfallen, liefert der Report unterschiedliche Antworten. „Dass Frauen öfter zum Arzt gehen, könnte eine Erklärung sein“, sagte der Projektleiter der Untersuchung, Jörg Marschall, vom Beratungsinstitut IGES in Berlin. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Sachen Gesundheit seien jedenfalls größer als gedacht, sagte Markus Saur, Landeschef der DAK-Gesundheit.

Während 93 Prozent der Frauen mindestens einmal pro Jahr im Wartezimmer saßen, waren es bei den Männern nur 82 Prozent. Hinzu kommt: Frauen lassen sich manchmal auch für die Familie krankschreiben - wenn ein Kind krank im Bett lag, blieben 20,9 Prozent der befragten Frauen zu Hause. Bei den Männern waren es nur 11,8 Prozent. Unabhängig vom Geschlecht sind psychische Krankheiten seit Jahren auf dem Vormarsch. Den Grund für den Anstieg sieht Saur auch darin, dass es mehr Psychotherapeuten gibt, die entsprechende Diagnosen stellen können. Außerdem sei der Druck in der Arbeitswelt gestiegen. „Es liegt im Trend der Zeit, dass man seine Leistungsfähigkeit dadurch unterstreicht, dass man sich im Betrieb besonders engagiert.“ Burn-Out sei häufig die Folge.

Für den Report ließ die Krankenkasse die Fehlzeiten von 321 000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Baden-Württemberg durch das IGES Institut, ein privates Forschungs- und Beratungsunternehmen, auswerten. Zudem hat das Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK bundesweit 5221 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt, 728 davon in Baden-Württemberg.

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