Ein besonders beliebter Sex-Treff für viele Homosexuelle in Stuttgart sind ein Parkplatz und der Waldrand unterm Fernsehturm. Foto: dpa

Der Fernsehturm ist ein beliebter Treffpunkt für Homosexuelle in Stuttgart, die nach schnellem Sex suchen. Aber bei weitem nicht der einzige, wie einschlägige Internetseiten offenbaren.

Stuttgart - Immer wieder ist der Treff unterm Fernsehturm in den Schlagzeilen, weil dort Homosexuelle ihre Kondome liegenlassen, wenn sie sich dort zum sogenannten Cruising – schnellem, oft anonymen Sex – zusammenfinden. Dabei sind solche Sex-Treffs in der Szene in Stuttgart viel weiter verbreitet. Homosexuelle, die auf Abenteuer dieser Art aus sind, verabreden sich im Internet an unterschiedlichsten Orten im Kessel. Was dort zu lesen ist, offenbart eine kleine Parallelwelt. Strafrechtlich betrachtet sei die Nutzung des öffentlichen Raums für pikante Aktivitäten nicht unbedingt problematisch, kommentiert die Polizei.

Wer Cruising und Stuttgart googelt, findet mehrere einschlägige Seiten. Der umfangreichste Internet-Guide listet 22 ganze Plätze jenseits von Bars und Clubs in der Landeshauptstadt, wo es Cruising-Möglichkeiten für Homosexuelle geben soll. Die Kommentare unter den Einträgen zeigen, dass die Angebote offenbar bis heute gerne wahrgenommen werden.

Vom Parkplatz unterm Fernsehturm, der wohl gefragtesten Stuttgarter Cruising-Location, berichten 191 Nutzer von ihren Sex-Erfahrungen. „Geile Action, leider wurden wir immer wieder von hartnäckigen Rentnern gestört“, steht da zum Beispiel. Bei einer öffentlichen Toilette in der Nähe des Vaihinger Bahnhofs gibt es immerhin 20 Kommentare von Personen, die dort Erfahrungen gemacht haben wollen.

Ältere Besucher bei der Studententoilette

Ein mit 26 kurzen Erfahrungsberichten versehenes Hallenbad in einem südlich gelegenen Stuttgarter Stadtbezirk scheint ebenfalls ein beliebter Sex-Treff zu sein. Der Botanische Garten der Uni Hohenheim hat als schwuler Sex-Treff hingegen hat seine wildesten Zeiten offenbar hinter sich, die letzten Einträge datieren hier auf 2016.

Ein bestimmtes Uni-Klo in Vaihingen ist laut des Cruising-Guides bis heute sehr beliebt: Nur stören sich hier einige homosexuelle Studenten daran, dass auch viele „ältere Typen“ ihr Glück dort versuchten. Die Toilette am Planetarium, früher ein stadtbekannter Treff für spontanen Verkehr, taucht auf der Webseite überhaupt nicht mehr auf.

Auch die knapp 20 weiteren öffentlichen Plätze, die der Guide für Cruiser listet, sind meistens Parks, Toiletten, Bäder, Parkplätze oder Stuttgarter Seeufer. Viele von ihnen sind der Polizei zwar bekannt. Etwa die Klappe am Bismarckplatz, die ähnlich wie die am Schillerplatz rezensiert wird. Einen Grund, gegen diese öffentlichen Treffpunkte für Schäferstündchen einzuschreiten, sehen die Beamten grundsätzlich erst mal nicht.

Nur eine Straftat, wenn ein öffentliches Ärgernis erregt wird

„Wir haben größere Probleme“, sagt Johannes Freiherr von Gillhaußen, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart. Sex in der Öffentlichkeit ist nach dem Gesetz nämlich nur dann strafbar, wenn dadurch der Tatbestand der Erregung eines öffentlichen Ärgernisses erfüllt ist, sagt der Paragraf 183a. Sprich: Keine Zuschauer, keine Straftat.

Für die Treffpunkte gilt aus Polizeisicht unabhängig von der Rechtslage: „Es liegt aktuell keine einzige Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses in diesem Zusammenhang vor.“ Das für Prostitution zuständige Dezernat beobacht in diesem Kontext vor allem die Stuttgarter Stricher-Szene – dass Geld am Fernsehturm und den anderen Cruising-Treffpunkten für Sex seinen Besitzer wechselt, sei allerdings die Ausnahme.

Dafür machen die Beamten am Rande ihrer Ermittlungen eine andere Beobachtung: „Es verabreden sich Männer über bestimmte Foren ganz gezielt zum Geschlechtsverkehr“, sagt von Gillhaußen. Aufgrund der Möglichkeiten des Internets sei die Nachfrage an Sex-Treffs, wo man sich spontan begegnet, rückläufig. Ob sie vom Aussterben bedroht sind? Glaubt man den Foren-Einträgen, gibt es genug Cruiser, für die gerade die spontanen Begegnungen den Reiz ausmachen.

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