Im Wartestand: Julia Sude (links) und Karla Borger Foto: dpa/Christian Charisius

Das Beachvolleyball-Duo Karla Borger und Julia Sude gehört zu den aussichtsreichsten Medaillen-Aspirantinnen aus der Region Stuttgart. Aber jetzt stellt sich die Frage: Wie bereitet es sich angesichts der Corona-Krise auf die Olympischen Spiele in Tokio vor?

Stuttgart - Es lief alles nach Plan – bis vor ein paar Tagen. Im Dezember haben die Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Julia Sude die Vorbereitung auf ihre Olympia-Saison begonnen und dabei richtig geackert. Im Kraftraum und im Sand. Daheim in Stuttgart und im Trainingslager im ägyptischen Hurghada. Den Feinschliff wollten sie sich im zweiten Trainingslager in Los Angeles holen, doch dort lief plötzlich nichts mehr nach Plan.

Flucht aus Kalifornien

Während in Kalifornien die Schulen geschlossen wurden und Hamsterkäufe zunahmen, zogen Borger (31) und Sude (32) die Notbremse. Sie sagten das erste Vier-Sterne-Turnier des Jahres im mexikanischen Cancun ab, was der Weltverband bis dahin noch nicht getan hatte („Das fanden wir unverantwortlich“), dann flogen sie zurück in die Heimat. „Es gab keine andere Möglichkeit“, sagt Karla Borger, die sich nun mit ihrer Partnerin auf die Suche nach Alternativen machen muss.

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Aktuell sind die Trainingsstätten in Stuttgart geschlossen, eventuell gibt es aber Ausnahmen für Athleten aus dem Olympia-Kader – Borger/Sude haben als Neuntplatzierte der Weltrangliste und bestes deutsches Duo das Ticket nach Tokio so gut wie sicher. „Klar ist, dass wir uns irgendwie fit halten müssen“, erklären die Athletinnen, verhehlen aber nicht, dass dies auch mental keine leichte Aufgabe ist: „Wir kommen ja gerade aus einer monatelangen Vorbereitung, die nicht nur körperlich, sondern auch für den Kopf sehr anstrengend war. Es wäre jetzt sicher nicht sinnvoll, weiter voll zu powern.“ Zumal niemand weiß, wie es sportlich weitergeht.

„Es gibt derzeit Wichtigeres für die Welt“

Das nächste Turnier steht in sieben Wochen am Strand von Ipanema in Rio de Janeiro an, noch ist es nicht abgesagt. Das gilt auch für den Rest der Saison. „Ich habe den Traum, dass die Olympischen Spiele in Japan das erste Großereignis sein werden, bei dem die Welt wieder zusammenkommt“, erklärt Karla Borger, „doch derzeit kann ich mir nicht vorstellen, dass die Spiele stattfinden, was sehr traurig wäre. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen: Es gibt derzeit Wichtigeres für die Welt.“

Wovon Borger und Sude auch beruflich betroffen sein könnten. Beide sind Sportsoldatinnen, folglich wäre denkbar, dass sie für humanitäre Hilfe eingezogen werden. Es würde zwar ihren Olympia-Plan beeinflussen, doch für diese Änderung hätten sie Verständnis: „In dem Fall wäre unser Sport absolut nebensächlich.“

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