Zwei neue Stuttgarter Teams mit großen Ambitionen: Julia Sude (li.) und Karla Borger bei ihrem ersten gemeinsamen Turnier in Australien sowie Chantal Laboureur (kleines Bild li.) und Sandra Ittlinger. Foto: Blake Bentley, StZN

Zwei neue Stuttgarter Teams, ein harter Weg: Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger wollen ebenso zu den Olympischen Spielen 2020 nach Japan wie Karla Borger und Julia Sude. Doch das Ziel ist nicht einfach zu erreichen.

Stuttgart - Alles ist anders bei den deutschen Beachvolleyballerinnen. Weil sich Olympiasiegerin Laura Ludwig in Margareta Kozuch eine neue Partnerin geangelt hat, mussten sich auch zwei weitere Nationalteams neu aufstellen. Was an den Ambitionen der Athletinnen aus Stuttgart allerdings nichts geändert hat.

Chantal Laboureur/Sandra Ittlinger

Wer mal ganz oben war, der will dort auch wieder hin – logisch. Chantal Laboureur (29) stand schon ganz oben, an der Spitze der Weltrangliste. Eine Woche lang. Das war in der vergangenen Saison, als sie noch mit Julia Sude spielte. Dieses Duo ist Vergangenheit, geblieben ist das Ziel, zu den Allerbesten zu zählen. Nun mit Sandra Ittlinger (24). „Wichtig ist zwar, sich nicht zu viel Druck zu machen“, sagt Chantal Laboureur, „aber das Potenzial, die Nummer eins zu werden, sehe ich bei uns.“ Soweit man das nach sechs gemeinsamen Wochen eben überblicken kann.

Bisher funktioniert das neue Team tadellos. Menschlich verstehen sich Laboureur (Stuttgart) und Ittlinger (Berlin), an der Kommunikation auf dem Platz arbeiten sie. „Die Hauptaufgabe ist, super viel zu kommunizieren“, sagen sie, „Power, Athletik, Spielfreude und Motivation haben wir zur Genüge. An der Abstimmung müssen wir noch feilen.“

Zuletzt passierte das im Trainingslager auf Kreta mit den beiden Coaches Kay Matysikund Ricardo Brunale de Andrade, den alle nur „Vento“ rufen. Sie bilden mit ihrer Erfahrung und Akribie das Rückgrat des professionell aufgestellten Teams, zu dem auch ein Psychologe, eine Ärztin und Physiotherapeuten gehören. „Wir werfen alles in die Waagschale, was wir haben“, sagt Chantal Laboureur, „anders wäre es sinnlos.“ Auch wenn das Risiko nicht gerade gering ist. Laboureur, Deutschlands Beachvolleyballerin des Jahres 2018, und Ittlinger sind zwar eines von vier Nationalteams, am Ende der Saison wird aber für sie nur dann etwas übrig bleiben, wenn auch Preisgelder in die eigene Kasse geflossen sind.

In unserer Bildergalerie: Die vier deutschen Nationalteams im Beachvolleyball der Frauen

Doch dies ist eine Unsicherheit, die das Duo in Kauf nimmt. Weil zunächst andere Dinge zählen für Laboureur, eine der besten Abwehrspielerinnen auf der Tour, und Ittlinger, die ungemein sprungstarke Blockerin. Hart zu arbeiten. Gemeinsam zu wachsen. Gut zu spielen. „Wenn wir unsere Leistung voll abrufen“, sagen die beiden Athletinnen, die wochenweise auch in Stuttgart trainieren, „dann erreichen wir, was wir wollen.“ Im Fokus steht dabei vor allem die WM Ende Juni in Hamburg: „Dieses Turnier wollen wir rocken.“ Es würde zugleich bedeuten, dem ganz großen Ziel einen Schritt nähergekommen zu sein – Tokio 2020. Auf die Olympischen Spiele arbeiten die Studentinnen der Medizin (Laboureur) und Psychologie (Ittlinger) hin, dort wollen sie sportlich ihren Master machen. Am liebsten mit Auszeichnung.

Karla Borger/Julia Sude

Die Vita liest sich beeindruckend, sowohl bei Karla Borger (WM-Zweite 2013) wie auch bei Julia Sude (EM-Dritte 2017). Doch das sind Einträge aus der Vergangenheit. Nun gilt es, gemeinsam erfolgreich zu sein. An Ehrgeiz und Einsatz mangelt es nicht. Sondern nur an gemeinsamer Erfahrung. Noch. „Natürlich müssen wir unsere Absprache verbessern. In einer Drucksituation kann man sich nicht nur auf seine Intuition verlassen“, sagen Abwehrspielerin Borger (30) und Blockerin Sude (31), „aber wir merken, dass es sich mehr und mehr fügt. Wie bei einem Reißverschluss, der langsam zugeht.“

Es ist ein schönes Bild. Weil das neue Duo noch längst nicht oben angekommen ist, aber schon genau weiß, wo es hin will. In die Weltspitze. „Die Dinge, die wir verändern müssen, bewegen sich auf absolutem Topniveau“, erklären die Sportsoldatinnen, die in Stuttgart leben, „aktuell ist es so, dass wir aus jedem Spiel und aus jedem Training eine Menge ziehen können.“

Ihre ersten zwei Turniere haben Borger/Sude schon absolviert, in Australien, und das durchaus erfolgreich. Einmal gab es Bronze, einmal Rang fünf. Und zweimal die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Sportlich. Menschlich. Und was das Umfeld angeht. In Burkhard Sude, der früher Deutschlands bester Volleyballer war und in seiner Zahnarztpraxis kürzer tritt, um seine Tochter zu unterstützen, sowie dem Slowaken Igor Prielozny hat das neue Duo zwei Trainer, dazu kommen ein Manager, ein Psychologe, ein Ernährungsberater und die Physiotherapeuten. „Wer so ein Projekt angeht, muss es richtig machen“, sagen die Athletinnen, „unser Umfeld muss genau so professionell arbeiten wie wir.“

Spätestens bei der WM in Hamburg wollen Borger/Sude in der Lage sein, ihr volles Leistungspotenzial zu entfalten. Um sich anschließend auf den Weg nach Tokio zu machen: „Darauf ist alles ausgelegt.“ Weil ein Erfolg bei Olympischen Spielen besonders wertvoll ist. Nicht nur für die Vita.

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