Statt Kindergärten und Schulen liefern Sissy und Pavlos Palousi nun Privathaushalten Gemüse und Obst bis vor die Tür. Foto: Eileen Breuer

Der Biohof Hörz aus Filderstadt kann die große Nachfrage nach seinen Gemüse aktuell nicht stillen. Die Betreiber von „Anastasias Enkel“ in Stuttgart-Möhringen, denen die Corona-Krise zu schaffen macht, versuchen, sich mit dem Lieferdienst zu retten.

Filder - Zwischen Kisten voll mit Gurken, Bananen und Äpfeln klingelt das Handy von Sissy Palousi. Eine Kundin aus Degerloch ruft an, um für ihre Familie Obst und Gemüse zu bestellen. Sissy und Pavlos Palousi werden ihr den Karton voller Vitamine direkt nach Hause liefern. In normalen Zeiten versorgt das Unternehmen „Anastasias Enkel“, welches in Möhringen sitzt, Firmen und Schulen mit Obst und Gemüse. „Unser Geschäft ist wegen des Coronavirus komplett eingebrochen“, sagt Pavlos Palousi.

Weil die meisten Firmenmitarbeiter inzwischen von zu Hause arbeiten und Schüler am Küchentisch Hausaufgaben erledigen, haben die meisten Kunden von „Anastasias Enkel“ ihre Aufträge storniert. „Wir sind ein kleines Unternehmen und können das nicht lange überbrücken. Deswegen wollten wir so schnell wie möglich gegensteuern“, sagt er. Anstatt zu resignieren, entwickelten die beiden also ein neues Vertriebskonzept: Sie liefern nun Obst- und Gemüsekörbe an private Haushalte und wollen sich damit durch die schwere Zeit bringen.

Sie können mit den Supermarkt-Preisen nicht mithalten

Die Preise müssen sie voraussichtlich wöchentlich anpassen, denn: Die Kosten für importierte Ware wie Paprika und Tomaten seien im Großmarkt explodiert. „Mit den Preisen im Supermarkt können wir nicht mithalten, aber dort ist sogar die frische Ware oft ausverkauft. Bei uns bekommt man Frisches“, sagt Pavlos Palousi.

Dass Kunden im Supermarkt in der Gemüseabteilung nicht selten leere Regale vorfinden, bekommt auch Beate Hörz zu spüren. Seit 1995 liefert der Bioland-Gemüsehof Hörz Kisten voller Gemüse aus eigenem Anbau und Obst von Biokollegen aus der Region an private Haushalte. Zwar seien auch ihrem Betrieb Aufträge – wie beispielsweise von Kindertagesstätten – weggebrochen, aber: „Wir verzeichnen seit Corona einen Umsatzplus, und die Nachfrage steigt stark.“ Hörz führt das auch darauf zurück, dass viele das Haus für einen Einkauf nicht verlassen wollen oder statt wie normalerweise in der Betriebskantine zu essen, nun das Mittagessen auf dem eigenen Herd zubereiten. Die Nachfrage sei sogar so hoch, dass sie derzeit die Aufnahme von neuen Kunden ausgesetzt habe, sagt Hörz: „Wir können im Bio-Bereich nicht plötzlich die Produktion hochfahren. Genauso wie ein Huhn nicht plötzlich mehr Eier legt, kann ich nicht plötzlich mehr Fahrer beschäftigen.“ Sie werde sich zwar bei allen Neukunden melden, aber: Diese müssen sich derzeit gedulden.

Die Hühner legen ja nicht plötzlich mehr Eier

Während das Geschäft von Beate Hörz derzeit boomt, gehen bei Sissy und Pavlos Palousi momentan noch wenige Bestellungen ein – es sind rund 20 am Tag. Trotz der Idee hat das Ehepaar alle Minijobber abmelden müssen, um Kosten einzusparen. Von elf Mitarbeitern ist derzeit nur noch eine Vollzeitkraft beschäftigt. Sissy Palousi hat trotz alldem noch Hoffnung: „Wir denken nicht ans Aufgeben. Wir sehen das Potenzial und werden es schaffen.“

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