Die Allermeisten halten sich an die Maskenpflicht in Bus und Bahn. Wegen einer sturen Minderheit ist aktuell aber eine Diskussion losgebrochen. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Seit April müssen Mund und Nase in den öffentlichen Verkehrsmitteln bedeckt sein. Seitdem ist die Fahrt einerseits deutlich sicherer geworden in Corona-Zeiten. Andererseits ist es genau deshalb aber auch gefährlicher.

Filder - Dass man in Bus und Bahn zurzeit nicht nur einen Fahrschein braucht, sondern auch einen Mund-Nasen-Schutz, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Seit dem 27. April, also seit mehr als einem Vierteljahr, gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Seitdem ist die Fahrt mit Bus und Bahn in Corona-Zeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit sicherer – einerseits. Denn andererseits ist es auch gefährlicher geworden. Nämlich fürs Fahrpersonal oder für Passagiere, die Maskenmuffel auf ihre fehlende Mund-Nasen-Bedeckung hinweisen.

Mit einer Stahlkette ins Gesicht geschlagen

Vor Kurzem hatte unsere Zeitung über einen Zwischenfall an der Ruhbank beim Fernsehturm berichtet. Dort hatte sich ein Fahrgast strikt geweigert, eine Maske überzuziehen und war deshalb mit dem Busfahrer aneinandergeraten. Obwohl der Fahrer alle ihm möglichen Register gezogen, den Maskenverweigerer sogar alleine im Bus eingesperrt hat, ist Letzterer im Verlauf dennoch ungestraft davon gekommen. Ein anderer Fall hatte sich Anfang Juni am S-Bahnhof in Filderstadt-Bernhausen ereignet: Dort hatte ein Mann einen Busfahrer als Folge einer Maskendiskussion mit einer Stahlkette ins Gesicht geschlagen.

Solch unschöne Szenen hat der Busfahrer Sigmar Zappe aus Bonlanden selbst noch nicht erlebt, aber Kollegen, sagt er. Dass einer im Fahrgastraum ohne Maske hockt, komme immer wieder vor. Er habe die Anweisung, dann zunächst ein Band durchsagen zu lassen, dass hier die Maskenpflicht gelte. Wenn der Maskenmuffel nicht reagiere, müsse er eine persönliche Mikrofondurchsage machen. Wenn der Angesprochene dann immer noch stur bleibt, müsse er theoretisch aussteigen, sagt Zappe. Theoretisch. „Denn was will man machen? Da muss man dann auch abwägen: Sollen jetzt 40, 50 Leute die S-Bahn verpassen, nur weil einer quertreibt?“ Die Verweigerer sind seiner Einschätzung nach eine absolute Minderheit. „Die Allermeisten halten sich ja dran“, sagt Zappe.

Viele Städte erhöhen die Bußgelder für Maskenmuffel

Doch diese Minderheit macht aktuell viel von sich reden – weil wegen ihr ganz neue Konflikte Einzug halten in Bus und Bahn. In den vergangenen Tagen sahen sich mehrere offizielle Stellen genötigt, Position zum Thema bezogen – obwohl die Sachlage seit Ende April klar ist. Mehrere Städte in Deutschland haben nun verschärftere Bußgelder angekündigt. In Stuttgart hatte die Stadt am 7. August bekannt gegeben, dass das Bußgeld auf mindestens 75 Euro angehoben wird. Und das Verkehrsministerium von Baden-Württemberg hat jüngst auch noch einmal betont, dass Maskenverweigerer seit dem 1. Juli ein Bußgeld von bis zu 250 Euro riskieren.

Doch bleiben dies in vielen Fällen nicht eher leere Drohungen? „Sollten sich Fahrgäste nach einer wiederholten Aufforderung weigern, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, können wir dies nicht akzeptieren und holen, wie in allen Konfliktsituationen, die Bundespolizei und bei den Bussen die Landespolizei hinzu“, teilt eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit, deren Tochter Friedrich-Müller-Omnibus (FMO) mehrere Buslinien auf der Filderebene betreibt. „Die SSB ist nicht autorisiert, die Maskenpflicht durchzusetzen. Vielmehr obliegt die Durchführung der Verordnung – wie sonst auch – den zuständigen Behörden“, teilt derweil eine Sprecherin der SSB mit. Doch die SSB beteilige sich stark an der Öffentlichkeitsarbeit. So tragen beispielsweise seit geraumer Zeit sechs Stadtbahnen Alltagsmasken.

Viele Busfahrer lassen auch mal Fünfe gerade sein

In Tübingen hat der Oberbürgermeister Boris Palmer mit den dortigen Stadtwerken als Busbetreiber und dem Ordnungsdienst eine Vereinbarung getroffen, um Maskenmuffel zu disziplinieren. So haben Busfahrer dort seit Mitte Juli eine Dienstanweisung, dass Busse nicht weiterfahren dürfen, bis alle Fahrgäste eine Maske anhaben. Doch auch hier zeigt die Praxis, dass Busfahrer oft Fünfe gerade sein lassen und der Bus auch weiterrollt, wenn Nasen und Münder unbedeckt sind. Sei es aus Angst, sei es aus Überforderung.

„Wir haben als Fahrer, auf gut Deutsch, die Arschkarte“, sagt der Busfahrer Sigmar Zappe aus Bonlanden. „Der Busfahrer war früher eine Respektsperson.“ Heute höre doch keiner mehr auf ihn oder sie.

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