Das große Familienfest am Olgäle wird im Herbst von den Fördervereinen gemeinsam organisiert. Es muss zum Schutz vor Corona in diesem Jahr ausfallen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Corona-Virus und der Lockdown reißen große Löcher in die Spendenkassen der wohltätigen Vereine. Das bekommt das Olgäle schmerzhaft zu spüren.

Stuttgart - Der Förderkreis Krebskranke Kinder, der 1982 in Stuttgart zur Unterstützung krebskranker Kinder am Olgahospital und deren Eltern gegründet wurde, ist einer der großen Unterstützer der Einrichtung. Er hat sein Spendenvolumen Jahr für Jahr vergrößert und ist inzwischen bei rund einer halben Million Euro angekommen. Zuletzt ist diese Summe vor wenigen Wochen ans Olgäle geflossen. Nun scheint der Höhenflug gestoppt. „Möglicherweise können wir uns im nächsten Jahr nicht mehr im üblichen Umfang an den Personalkosten beteiligen, so dass ein Teil der drittmittelfinanzierten Arbeitsplätze gefährdet sind“, teilt Stefan Nägele, Fachanwalt für Arbeitsrecht und ehrenamtlicher Vorstand des Fördervereins, nun mit. „Seit März haben wir keinerlei Spendeneingänge mehr, ich muss davon ausgehen, dass wir deutlich weniger als die Hälfte der Spenden vereinnahmen können.“ Das führe nicht zum Ruin des Vereins, aber dazu, dass er dem Olgäle keine Förderzusage im gewohnten Umfang machen könne.

Spendeneinbruch wegen Corona

Der Spendeneinbruch hängt laut Nägele mit der Corona-Pandemie zusammen: „Alle in diesem Jahr geplanten Spendenaktionen sind abgesagt. Kein Orchester spielt für uns, kein Fußballturnier wird zu unseren Gunsten ausgerichtet. Es gab keine Osterfeste, es wird keine Sommerfeste und auch aller Voraussicht nach keine Weihnachtsfeiern geben. Lauter Veranstaltungen, auf die wir angewiesen sind, um Gelder für die Vereinsarbeit zu akquirieren.“ Auch Unternehmen hätten „gegenwärtig größere Sorgen“, als gemeinnützige Einrichtungen großzügig zu unterstützen. Und viele Bürger hätten derzeit Angst um den Arbeitsplatz, da sei „das Portemonnaie fest verschlossen“.

Von einem Eingang wie 2019 in Höhe von 940 000 Euro Spenden und 50 000 Euro an Bußgeldern, die gespendet werden können, sind bisher mehrere Stellen am Olgäle finanziert worden, darunter zwei Pflegefachkräfte, eine Theatertherapeutin, Erzieherin und Sozialpädagogen auf der Kinderonkologie sowie wissenschaftliches Personal in Diagnostik und Therapie. Außerdem dienen sie dem Unterhalt des Blauen Hauses, in dem Eltern während der Behandlung ihres Kindes am Olgäle wohnen können. Dafür bezahlen die Kassen 21 Euro pro Übernachtung, wegen einer Gesetzesänderung in Zukunft vermutlich 45 Euro, aber nur die AOK Baden-Württemberg. „Den Eigenanteil von täglich 30 Euro bringen aber die wenigsten Eltern auf“, sagt Stefan Nägele. Jährlich rund 8000 Übernachtungen mögen Beleg für den großen Bedarf sein.

Angst um Jobs am Olgäle

Nach Angaben des Fördervereins liegen die Verwaltungskosten unter zehn Prozent. Da hier also nichts mehr zu sparen sei und Nägele dem Olgahospital Einbußen ersparen will, hat er am 18. Juni Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) „um einen konstruktiven Dialog gebeten“ darüber, ob das Klinikum oder die Stadt bereit seien, die Mitarbeiterkosten zu übernehmen. „Sonst verlieren mindestens sieben Personen ihren Job“, sagt Nägele. Eine Antwort habe er bisher nicht erhalten. Er sagt: „Ich habe den Eindruck, dass sich Herr Kuhn für unsere Sache nicht wirklich interessiert.“

Der Förderverein Krebskranke Kinder ist nicht der einzige Klageführende, der die hoch spezialisierte Kinderklinik namhaft unterstützt. „Leider haben auch wir Einbrüche bei den Spenden zu verzeichnen“, sagt Stefanie Schuster, die Vorsitzende der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind. Das jährliche Benefizkonzert sei abgesagt, es würden keine runden Geburtstage mehr gefeiert, an denen auf Geschenke verzichtet wird zugunsten von Spenden für die Stiftung, es fehlten die Firmenjubiläen, Schulfeste, Spendenläufe und die Aktionen von Sportvereinen.

Schuster weiter: „Da wir zwischenzeitlich sehr viele Personalstellen und Schulungen im Olgäle finanzieren, jährlich in Höhe von circa 700 000 Euro, trifft uns das sehr. Wir wollen unbedingt diese so wichtigen Stellen für die psychosoziale Betreuung oder häusliche Nachsorge, aber auch Clowns, Musik-, Reit- und Kunsttherapie weiter erhalten. Auch beim Kauf von medizinischem Gerät und der kindgerechten Gestaltung werden uns Mittel fehlen.“

Klamme Kassen

Jährlich gehen beim Olgäle deutlich mehr als zwei Millionen Euro an Spenden ein. Wollen das Land Baden-Württemberg, die Stadt und das Klinikum die Unterstützung der schwer kranken Kinder und ihrer Familien weiter in dieser Form erhalten, müssen sie bei der deutschlandweit größten Spezialklinik für Kinder- und Jugendmedizin kräftig nachschießen.

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