Stiftungspräsidentin Stefanie Schuster freut sich über die mit Spenden gelungene Olgäle-Gestaltung. Foto: Lichtgut/ Julian Rettig

20 Millionen Euro in 20 Jahren hat die Olgäle-Stiftung für das Wohl kranker Kinder gesammelt. Jetzt steuert die Stiftung mit einem Benefizkonzert in ihr Jubliäumsjahr.

Stuttgart - Ich kann zaubern“, lautet der Titel eines der Kinderbücher in der Olgäle-Bibliothek. Krankheit und Schmerzen einfach wegzaubern, geht leider nicht. Aber dass sie den Aufenthalt im Krankenhaus doch so angenehm wie möglich erleben, dafür sorgt die Olgäle-Stiftung für das kranke Kind, zum Beispiel mit Hilfe der Klinik-Clowns. „Die sind sehr wichtig, denn sie können aus schwierigen Situationen die Spannung nehmen, und sie sind deshalb nicht nur für die kleinen Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter wichtig“, betont der ärztliche Leiter Axel Enninger.

„Wenn die Clowns für einen Tag nach der Entlassung eines Kindes angekündigt sind, wollen manche gar nicht nach Hause“, freut sich Stefanie Schuster. Die Allgemeinmedizinerin ist die Präsidentin der Stiftung und hat sie im November 1997 gegründet. „Wir hatten damals eine Spende in Höhe von 100 000 Euro von Weihnachtsmann und Co.“, sagt sie. Seither wirbt die Ehefrau des Stuttgarter Ex-OB Wolfgang Schuster mit dem Team unermüdlich um Spenden und mittlerweile hat die Stiftung 1000 Mitglieder. „In 20 Jahren haben wir 20 Millionen Euro gesammelt“, sagt Stefanie Schuster und besonders stolz ist sie darauf, dass das Geld zu fast 100 Prozent der medizinischen Behandlung und der Betreuung der jungen Patienten zu Gute kommen. Nur zwei Prozent der Einnahmen braucht die Stiftung für ihre Verwaltung.

Stiftung springt ein

Rund 120 000 Kinder werden jedes Jahr im Olgäle ambulant, 22 000 stationär oder teilstationär behandelt. Da die Krankenkassen bisher die Spezialisierung der Ambulanzen nicht vergüten und auch bei rund 15 000 Kindern pro Jahr die Fallpauschalen nicht kostendeckend sind, entsteht stets ein millionenschweres Defizit. Das Olgäle gehört zu den größten Kinderkrankhäusern der Republik und die medizinischen Versorgungsleistungen entsprechen denen einer Uni-Klinik. Dennoch erhält das Haus nicht die gleichen finanziellen Mittel, klagt Stefanie Schuster. Damit die Kinder unter dem Sparzwang nicht leiden müssen, springt die Stiftung in die Bresche.

Tierspuren zeigen den Weg

Wie das Olgäle ohne deren Investitionen für die Innengestaltung aussehen würde? „Dafür war überhaupt kein Geld vorgesehen“, berichtet Stefanie Schuster. Heute weisen die lustigen bunten Comictiere mit ihren Fußspuren den Kindern den Weg zu ihrer Station, in einem der Innenhöfe schwingen riesige Metallschmetterlinge und schaukeln vor manchem Krankenzimmer. In den Wartebereichen gibt es Spiele und in der riesengroßen Arche der Hoffnung toben die Kinder wie auf einem Spielplatz.

Ehrenamtliche helfen mit

Nebenan ist die Bibliothek mit Büchern – auch für die Eltern, mit Spielen und mit mehreren Computern: „Damit die Kinder mit ihren Freunden chatten können“, erklärt Stefanie Schuster. Die Internetzugänge sind geschützt und immer ist eine Aufsichtsperson zur Stelle. So wie Waltraut Nehring. Seit 15 Jahren kommt die Rentnerin einmal in der Woche mit dem Zug aus Schwäbisch Gmünd, um im Krankenhaus mianzupacken. 70 solcher Ehrenamtlichen hat die Stiftung derzeit. „Anfangs hatte ich Angst, dass ich es nicht schaffe. Das erste Kind, das ich betreut habe, hatte die Glasknochenkrankheit“, erzählt Waltraut Nehring. Seit dem Umzug in den Neubau ist die Mitarbeiterin in der Bibliothek. „Und wenn wenig los ist, strickt sie Babysöckchen“, fügt Stefanie Schuster lachend hinzu.

Musiktherapie für Frühchen

Neben der Gestaltung der Wartebereiche und des tierischen Leitsystems war die Finanzierung des Ganglabors in der orthopädischen Abteilung einer der Meilensteine in der Stiftungsgeschichte. Mit der Hightech-Diagnostik kann die Operation von Kindern mit Gehbehinderungen und neurologischen Problemen besser vorbereitet werden als früher. Ganz neu ist auch die Musiktherapie für Frühchen, die dank der Schwingungen der Musik sehr viel entspannter in ihrem Bettchen liegen.

Die Liste des medizinischen Geräts zur besseren, schnelleren oder schonenderen Diagnostik, das von der Stiftung finanziert wurde, ist lang. Einmal im Jahr melden die Abteilungen ihre Wünsche an den siebenköpfigen Vorstand. Und für verzweifelte Eltern finanziert die Stiftung die Stelle einer Psychologin und die Personalstellen für vier Sozialpädagoginnen, die zum Beispiel chronisch kranke Kinderbetreuen.

Benefizkonzert zum Jubiläum

Neben dem Geld, das die Stiftung ins Olgäle bringt, sei schon allein deren Existenz wichtig, betont Enninger. „Die Stiftung bringt zum Ausdruck, dass die Arbeit, die wir hier machen, wichtig ist.“ Zum 20-jährigen Bestehen dankt Stefanie Schuster allen Spendern und hofft, dass sie sich weiterhin für die kranken Kinder engagieren.

Zum Auftakt eines ganzen Jubiläumsjahrs singen der Hymnus Knabenchor und die Mädchenkantorei an der Domkirche St. Eberhard am Sonntag, 8. Oktober, um 18 Uhr zugunsten der Stiftung in St. Eberhard (Königstraße 7). Der Eintritt kostet 25 Euro (ermäßigt fünf Euro). Der Vorverkauf läuft über SKS-Russ unter der Telefonnummer 07 11 / 550 660 77 oder per E-Mail an die Adresse info@sks-russ.de.

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