Corona-Fälle an Schulen werden nach den Ferien nicht auszuschließen sein. Der Kreis hat dafür aber eine eigene Teststrategie und ein einheitliches Vorgehen entwickelt. Foto: Gottfried Stoppel

Die Behörde, das Schulamt und die Kreisärzteschaft stimmen sich über ein einheitliches Vorgehen bei Corona-Verdachtsfällen in Bildungseinrichtungen und Kitas ab. Ein Ziel ist, auch bei Infektionen möglichst wenig Einrichtungen schließen zu müssen.

Rems-Murr-Kreis - Von einer zweiten Welle will lieber niemand sprechen, aber die Tendenz ist auch im Rems-Murr-Kreis eindeutig: Die Zahlen der identifizierten Corona-Fälle steigen deutlich an. Zurzeit bewegt man sich in etwa auf dem Niveau von Mitte Mai. In den vergangenen sieben Tagen wurden knapp 100 neue nachweislich infizierte Personen registriert. Das liegt zwar noch deutlich unter dem Grenzwert von 213 Fällen (50 je 100 000 Einwohner), der für eine zwingende Rücknahme der Lockerungen im öffentlichen Leben von Bund und Land festgesetzt wurden. Die Kurve geht aber seit etwa Mitte dieses Monats wieder signifikant nach oben.

Strategie für die Zeit nach den Schulferien

Im Waiblinger Landratsamt sieht man sich dennoch gut gerüstet – auch, weil man sich nach Angaben der Behörde schon vorsorglich eine Strategie für die Zeit nach dem Ende der Schulferien zurechtgelegt habe, für die man ohnehin zwangsläufig mit einer weiteren Ausbreitung des Virus rechnet. Demnach habe man mit dem Staatlichen Schulamt einheitliche Regelungen und Maßnahmen für den Fall vereinbart, dass in Schulen oder Kindertagesstätten Corona-Fälle bekannt werden, um so möglichst rasch und einheitlich reagieren zu können.

Das oberste Ziel sei, im Fall einer Infektion die betroffene Klasse beziehungsweise Kindergartengruppe rasch und verlässlich zu testen, heißt es aus dem Landratsamt. Nur so könne eine größere Unsicherheit vermieden und ein möglichst geordneter Betrieb gewährleistet werden, so die Überlegung der Behörde. Außerdem hofft man, auf diese Weise eine komplette Schließungen der jeweils betroffenen Einrichtung vermeiden zu können. Dazu seien nicht nur zusammen mit der Kreisärzteschaft ein Konzept und konkrete Handlungshilfen entwickelt worden, man habe sich auch die voraussichtlich nötigen Testkapazitäten gesichert.

Alles unter der Regie des Gesundheitsamts

Konkret bedeute dies: Immer wenn ein Corona-Fall in einer Schule oder einer Kita auftrete, könne sich die gesamte Klasse oder Gruppe kostenlos testen lassen. Die Abstriche würden dann je nach Praktikabilität entweder in der Fieber-Ambulanz der Schorndorfer Klinik oder von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Die Rems-Murr-Besonderheit sei, dass die Tests an den Schulen und Kitas von Anfang an zentral unter der Regie des Gesundheitsamtes durchgeführt würden. Geplant sei zudem, dass die Anmeldung zu den Untersuchungen für die jeweiligen Klassen über ein Online-Tool gemacht werden könne, um die Schulen und Einrichtungen zu entlasten.

Unabhängig von den Überlegungen des Landratsamts hat erst unlängst die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Zahl der sogenannten Corona-Schwerpunktpraxen von neun auf nunmehr 30 erhöht und damit mehr als verdreifacht. Dies sicherlich einerseits vor dem Hintergrund, dass das Land Erzieherinnen und Lehrern die Möglichkeit eingeräumt hat, bis Ende September zwei kostenlose freiwillige Tests in Anspruch nehmen zu können. Andererseits geht die KV auch davon aus, dass schon allein jahreszeitbedingt im Herbst und Winter die Zahl der Menschen mit grippalen Symptomen massiv steigen wird – und damit auch der Bedarf, eine Corona-Erkrankung abzuklären.

Das Konzept wäre übertragbar, aber...

Davon geht auch der Landrat aus. Dass nach den Sommerferien Corona-Fälle in Schulen oder Kitas aufträten, sei „nicht nur wahrscheinlich“, sagt Richard Sigel. „Unser Ziel ist es, den betroffenen Eltern, Lehrern und Erziehern in dieser ohnehin belastenden Situation ein Stück weit Verlässlichkeit zu geben.“ Den eigenen Rems-Murr-Weg habe man aber auch vor dem Hintergrund frühzeitig bereitet, dass die Teststrategie des Landes zwar theoretisch vieles regle, die Umsetzung aber immer wieder „mit Unklarheiten und praktischen Problemen behaftet ist“.

Das Konzept sei im Übrigen durchaus auf andere Gruppen übertragbar – etwa Sportvereine oder Wohngemeinschaften. An eine Umsetzung sei allerdings mit Blick auf die begrenzten Kapazitäten erst einmal nicht gedacht.

Wie kommt man an einen Test?

Allgemein
Wer den Verdacht hegt, sich mit Corona infiziert zu haben, und entsprechende Symptome aufweist, sollte sich zunächst telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Bei geschlossener Praxis ist der ärztliche Bereitschaftsdienst der nächste Ansprechpartner (Telefon 116 117), diesen sollte man aber nur in dringenden Fällen in Anspruch nehmen, also bei stark ausgeprägten Symptomen. Den Abstrich macht letztlich der Hausarzt selbst oder er verweist weiter zu einer der Schwerpunktpraxen oder in die Fieberambulanz an der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf.

Lehrer
Auch Lehrer oder Erzieher, die einen der vom Land angebotenen vorsorglichen Tests machen möchten, wenden sich zunächst an ihren Hausarzt.

Weitere Informationen dazu und zur Coronalage im Rems-Murr-Kreis findet man hier.

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