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Noch breitet sich der Erreger in Deutschland massiv aus. Doch die Erfahrung lehrt, dass Gegenmaßnahmen wirken. Wir erklären, warum es Hoffnung für die Eindämmung des Virus gibt.

Stuttgart - Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen steigt auch in Deutschland rapide an. Und die Experten erwarten, dass dies auch noch einige Zeit anhalten wird. Noch hält sich die Zahl der Toten in engen Grenzen – aber auch das könnte sich in nächster Zeit ändern, sollte es verstärkt zu schweren Erkrankungen kommen. Allerdings gibt es durchaus Anzeichen, dass sich der Kampf gegen den Erreger lohnt.

Was lehren die Erfahrungen aus China?

Erste Hinweise, dass in China die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus erfolgreich sind, gibt es schon seit einiger Zeit. So sinkt dort die Zahl der täglichen Neuinfektionen mittlerweile kontinuierlich – am 13. März wurden nur noch 22 neue Fälle gemeldet. Positiv ist auch, dass es kaum Neuinfektionen außerhalb der besonders betroffenen Provinz Hubei mit ihrer Millionenstadt Wuhan gibt. Das zeigt, dass die weitere Ausbreitung des Erregers zumindest massiv gebremst wurde und auch im größten Risikogebiet das Virus eingedämmt werden kann.

Und was zeigt das Beispiel Südkorea?

Auch der Blick in das südostasiatische Land stimmt hoffnungsfroh. In der nach China und Italien am stärksten betroffenen Nation nimmt die Zahl der täglichen Neuinfektionen ebenfalls ab. Erstmals seit dem Ausbruch des Coronavirus Mitte Januar werden nun mehr Genesungen als Neuinfektionen gemeldet. Allerdings wurden keine Städte wie in China oder Italien abgeriegelt. Doch Schulen wurden geschlossen, und vielerorts ist Heimarbeit angesagt. Nachverfolgen, testen und behandeln – so lautet die Devise der südkoreanischen Behörden. Zu verdanken ist dies wohl auch den vielen Tests auf das Virus, welche die Südkoreaner durchführen. Sie haben als erstes Land Durchfahr-Teststationen eingeführt, die nun auch in Deutschland eingerichtet werden. Berichten zufolge werden dort täglich knapp 20 000 Menschen getestet. Dazu wurden die Testkapazitäten massiv ausgebaut. Und wenn ein neuer Corona-Schwerpunkt auftaucht, wird umgehend ein mobiles Testzentrum aufgebaut. Die große Zahl der dadurch erfassten Fälle mit vergleichsweise milden oder keinen Symptomen führt einerseits zu hohen gemeldeten Fallzahlen, lässt andererseits aber auch die Todesrate sinken. Hinzu kommt, dass die Südkoreaner die Bewegungsabläufe infizierter Personen mithilfe einer Handy-App verfolgen und die Informationen online für jedermann nachvollziehbar veröffentlichen.

Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Die gute Nachricht ist, dass die weitaus meisten Menschen die Infektion mit dem Virus recht gut überstehen. So verzeichnet das Datenportal Worldometers (www.worldometers.info/coronavirus) weltweit bisher rund 140 000 gemeldete Corona-Infizierte, von denen derzeit noch 63 650 als erkrankt gelten (Stand 13. März). Innerhalb dieser Gruppe weisen 91 Prozent einen milden und nur neun Prozent einen schweren oder kritischen Verlauf auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer Todesrate von etwa 3,4 Prozent aus – das wären 34 Tote bei tausend Infizierten. In Südkorea liegt die Quote mit 0,7 Prozent aber weit darunter. Und in Deutschland sind laut Worldometers bisher sieben Todesfälle zu beklagen – bei etwa 3120 Fällen insgesamt. Das sind derzeit noch zwei Todesfälle auf tausend Corona-Infizierte.

Was bringen die Eindämmungsmaßnahmen in Deutschland ?

Viel, weil so vor allem die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus gebremst wird. Das hilft, Leben zu retten: Je weniger Menschen gleichzeitig an einem Tag neu infiziert werden, desto weniger müssen wegen schwerer Symptome im Krankenhaus behandelt werden. Somit steigen die Chancen, Schwererkrankte optimal behandelt zu können – und sie somit auch vor dem Tod zu bewahren.

Und wie wirkt sich dies auf die Verbreitung des Virus aus?

Derzeit gehen die Experten in Deutschland davon aus, dass ein infizierter Mensch etwa drei gesunde Menschen anstecken kann. Andere Fachleute glauben, dass es weniger sind – zwischen zwei und drei. Doch auch hier helfen Eindämmungsmaßnahmen: Wird ein erkrankter Patient isoliert, kann er das Virus nicht weitergeben. Schwieriger wird es für den Erreger auch, wenn er weite Distanzen überwinden muss – etwa wenn die Menschen nicht mehr dicht gedrängt nebeneinandersitzen oder -stehen. Wer zu Hause bleibt, reduziert die Ansteckungsgefahr ebenfalls massiv.

Wann gibt es passende Medikamente?

Gegenwärtig gibt es noch keine Wirkstoffe, die zur Behandlung von Covid-19 zugelassen sind. Experimentell wird mit bereits vorhandenen Mitteln gegen Viruserkrankungen gearbeitet. Dazu zählen etwa Tests mit dem Wirkstoff Remdesivir, das gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde. Dort hat er sich zwar nicht bewährt, aber er zeigte eine gewisse Wirksamkeit gegen das Coronavirus, das die Lungenkrankheit Mers verursacht. Zudem arbeiten Forscher an neuen Wirkstoffen, die gezielt gegen Sars-CoV-2 wirken könnten. Auch hier ist der Zeitgewinn wichtig: Je langsamer sich das Virus ausbreitet, desto größer ist die Chance, es bald medikamentös bekämpfen zu können.

Wie stehen die Chancen für einen Impfstoff?

Hier gilt dasselbe wie für die Entwicklung von Medikamenten: Eine gebremste Ausbreitung verschafft Zeit, einen Impfstoff zu entwickeln. Dabei ist weniger die Entwicklung eines Impfserums selbst das Problem – hier könnten bereits in wenigen Wochen die ersten Seren für Tests zur Verfügung stehen. Die Chinesen melden sogar, dass sie diesen Schritt bereits weitgehend vollzogen hätten. Länger dürfte dagegen die Zulassung eines Impfstoffs dauern, da hier klinische Tests vorgeschrieben sind. Und die lassen sich zumindest in westlichen Ländern nur sehr bedingt beschleunigen. Daher erwarten Experten auch, dass vor Sommer 2021 kaum ein Impfstoff verfügbar sein wird.

Kommt uns der Sommer zur Hilfe?

Das ist ungewiss. Bei Grippewellen zeigt die Erfahrung, dass sie zumeist mit dem Ende der kalten Jahreszeit abebben. Bei Coronaviren gibt es dazu noch keine Erfahrungen. Zu bedenken ist jedoch, dass Sars-CoV-2 auch in Australien vorkommt – und dort ist jetzt Spätsommer. Die australische Gesundheitsbehörde stellt aber fest, dass die Infektionsquellen meist bekannt sind und es derzeit keine Übertragungswelle gibt.

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