Der Blick ist skeptisch, doch unangenehm ist das von Apotheker Thomas von Künsberg Sarre gereichte Stäbchen nicht. Foto: Gottfried Stoppel

Bei einer erstmals auch für Kleinkinder angebotenen Corona-Kontrolle in der Schwabenlandhalle konnten sich Eltern vor dem Osterbesuch bei der Verwandtschaft ein wenig Gewissheit verschaffen.

Fellbach - Ein bisschen Schiss hat Lina schon vor dem, was kommt. Deshalb hat sie bei ihrem Testtermin in der Schwabenlandhalle nicht nur den Papa an der Hand und vorschriftsmäßig ihre Maske auf, sondern auch gleich noch ihren Fahrradhelm auf dem Kopf. Sicher ist sicher, wenn man es als Kindergartenkind mit einem Mann im hellblauen Nachthemd zu tun bekommt, der mit einem Wattestäbchen auf einen wartet.

Bei dem Mann im Medizin-Outfit handelt es sich um den Fellbacher Apotheker Thomas von Künsberg Sarre, und das Wattestäbchen ist gar kein Wattestäbchen. In Wirklichkeit ist, so zumindest erklärt der 51-Jährige es den Kindern, das Ding in seiner Hand ein Zauberstab, der mal nach Schokolade, mal nach Vanille schmecke. Wie das bei Lina ist, fragt er, kindgerecht in die Hocke gekniet. Nein, Schokolade schmeckt sie nicht. Eher Vanille.

Statt „Hirnkratzer“ und „Nasen-Popeln“ wird nun Watte gelutscht

Mehr passiert nicht beim „Lolli-Test“, der speziell für kleine Kinder entwickelt worden ist und am Donnerstag in Fellbach erstmals zum Einsatz kommt. Vorbei die Zeiten, in denen das Stäbchen durch die Nase weit eingeführt werden muss, um an der Rachenwand zu schaben. Ebenso schnell wie diese Methode den Beinamen „Hirnkratzer“ erhielt war klar, dass sich der Test weder für den Eigenversuch noch für Hort und Kindertagesstätte eignet. Und auch Lehrer letztlich überfordert sind, ihre Schüler regelmäßig vor dem Unterricht zu testen.

Auch deshalb stieß die Initiative von Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, mit den örtlichen Ärzten und Apothekern medizinische Kompetenz für die Tests vor Ort in die Schulen zu bringen, auf offene Ohren. Selbst viele den Tests eher kritisch gegenüberstehende Eltern ließen sich von der Versicherung überzeugen, dass erstens Fachpersonal vor Ort ist und zweitens niemand im Falle einer Infektion vor versammelter Klasse am Pranger steht.

Das Fellbacher Modell mit Vor-Ort-Impfungen in Schulen ist ausgebremst

Ausgebremst wurde der lokal erfolgreich anlaufende Modellversuch nur durch die Tatsache, dass das Bundesgesundheitsministerium in Berlin nicht für fachliche Expertise bezahlen will. Laut einer Mitteilung der kassenärztlichen Vereinigung hält Ressortchef Jens Spahn (CDU) die Tests in den Schulen für eine reine Ländersache. Das führt zur paradoxen Situation, dass sich ein Schüler in einem kommunalen Testzentrum wie in der Schwabenlandhalle problemlos und mehrfach pro Woche auf das Virus überprüfen lassen kann – der in der Bildungseinrichtung selbst durchgeführte Test aber wegen der ungeklärten Bezahlung schon wieder ein Auslaufmodell ist.

Hinzu kommt, dass selbst beim jetzt möglichen „Lolli-Test“ eine Zulassung für Laien nach wie vor aussteht. Im Gegensatz zu Österreich oder auch den Niederlanden hinkt Deutschland bei der Einstufung hinterher. Verkauft und angewandt werden darf der Test deshalb nur von Fachleuten. Aus Sicht von Apotheker Künsberg Sarre ist das auch richtig. Zum Abstrich selbst – egal ob über die Zunge gespeichelt oder aus der Nase gepopelt – komme schließlich die Auswertung. Hier schütteln, da kneten, dort träufeln lautet die Devise. „Für die Grundschule ist das viel zu komplex“, meint der einer österreichischen Apothekerfamilie entstammende Wahl-Fellbacher – und meint nicht zuletzt, dass das Ergebnis schließlich auch exakt dokumentiert sein will.

Das Testergebnis gibt es binnen weniger Minuten aufs Handy

Bei den Tests in der Schwabenlandhalle kümmern sich deshalb bis zu vier Kräfte gleichzeitig um Test und Auswertung – im Minutentakt geht es bei Erwachsenen durch den Prüfparcours. Beim nötigen Personal noch gar nicht eingerechnet sind Menschen wie Iris Nothdurft, die sich im Auftrag der Schwabenlandhalle um die Einweisung der wartenden Testkundschaft kümmert, auf die Desinfektion der Hände achtet und den Leuten charmant ein wenig von der Aufregung nimmt.

Die Aufregung legt sich übrigens auch bei Lina schnell, der vom Apotheker zum Abschluss des Tests überreichte Traubenzucker wirkt Wunder. „Coole Sache“, meint ihr Papa Markus Heß über die Möglichkeit, sich in der Schwabenlandhalle beim Kinder-Test unkompliziert ein bisschen Gewissheit zu verschaffen. Am Ostersonntag hat Lina nämlich ihren fünften Geburtstag und darf deshalb bei der Oma übernachten. Es ist bereits der zweite Geburtstag, der in ihrem kurzen Leben dem Corona-Auflagen zum Opfer fällt. Das Ergebnis des Tests hat Markus Heß binnen zehn Minuten auf dem Handy. Es fällt übrigens negativ aus. Dem Geburtstagsfest mit der Oma steht kein Virus im Weg.

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