Die Einschnitte durch die Corona-Krise treffen die Friseure hart. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Preiserhöhungen, Kurzarbeit, eventuell auch Schließung: Die Corona-Krise trifft die Friseure hart. Auch nach dem Shutdown sind sie von ihren einstigen Umsätzen vor der Krise noch weit entfernt. Zahlt man deshalb jetzt mehr für den Haarschnitt?

Filder - Selbst in Krisenzeiten tun Haare das, was sie von Natur aus nicht lassen können: Sie wachsen. Gut also, dass nach Wochen des Shutdowns die Friseure seit Anfang Mai unter Sicherheitsauflagen wieder geöffnet haben. Ihr Problem ist allerdings der Verdienstausfall während der Schließung, und auch jetzt können längst nicht so viele Kunden wie vor der Krise bedient werden, denn Gedränge darf es wegen des Abstandsgebots nicht geben, und das aufwendige Desinfizieren nach jedem Kunden kostet Zeit. So mancher Salon kommt deshalb um Preiserhöhungen nicht herum, einige denken an Kurzarbeit oder Schließung. Kurzum: Die Krise trifft die Friseure, die im Allgemeinen nicht zu den Spitzenverdienern im Handwerk gehören, hart.

Kunde beklagt enorme Preissteigerung fürs Haareschneiden

Was die Preisgestaltung der Friseure anlangt, erinnert sich ein Leser unserer Zeitung an die gute alte Zeit vor 20 Jahren, an die vergangene Ära also, als vieles billiger war. Damals, so schreibt er unserer Redaktion, habe er in einem Vaihinger Salon für den Herrenhaarschnitt zehn Mark bezahlt. Bis zum Zeitpunkt vor der Corona-Pandemie habe sich der Preis bei diesem Friseur auf 16 Euro erhöht: „Damit hat sich der Preis in diesem Zeitraum verdreifacht“, rechnet er vor. Dieser Tage sei er nun wieder in seinen Salon zum Haareschneiden gegangen. „Die Friseurin berechnete mir dieses Mal 36 Euro. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört, dann dachte ich, man wollte mich verarschen, aber es war ernst gemeint.“ Weil er protestiert habe, sei die Chefin hinzugerufen worden.

Nach viel Streiterei, während der auch auf die schwierige Zeit durch die Corona-Pandemie hingewiesen worden sei, führt unser Leser aus, habe man ihm schließlich sechs Euro nachgelassen. Dann habe er zähneknirschend bezahlt. „Ich bin der Meinung, dass bei solch einem Preissprung der Kunde im Voraus informiert werden muss. Für eine Preiserhöhung auf 18 oder 20 Euro hätte ich ja durchaus Verständnis gehabt. Meine Frau war auch jetzt beim Friseur, einem anderen, sie hat gegenüber der Zeit vor Corona nur vier Euro mehr bezahlt“, schreibt er.

Angst vor der zweiten Welle der Pandemie

Bei einer kleinen Umfrage unter Friseuren auf den Fildern sind drastische Preiserhöhungen, wie sie unser Leser beklagt, nicht bestätigt worden. Wenn die Salons ihre Preise überhaupt erhöht haben, dann eher im moderaten Rahmen.

„Die ersten drei Wochen, nachdem wir wieder geöffnet haben, sind den Umständen entsprechend gut gelaufen, aber jetzt kommt kaum jemand“, sagt Dilek Aktas von Coiffure Velly an der Aicher Straße in Filderstadt-Bernhausen. Durch die ganzen Auflagen, sagt sie, habe sie weniger Kunden annehmen dürfen. „Wir haben immer ohne Anmeldung gearbeitet und müssen nun ebenso verfahren“, sagt sie. „Ab Juni mussten wir für unser fünfköpfiges Team Kurzarbeit anmelden, und wenn eine zweite Welle kommt, dann müssen wir vermutlich schließen.“ Ohne Preiserhöhungen seien sie nicht ausgekommen: „Der Herrenschnitt kostet jetzt 17,90 Euro statt 16,50 Euro“, sagt sie. „Ob es eine weitere Erhöhung gibt und ob es überhaupt für uns weitergeht, wissen wir nicht. Wir warten auf die Kunden.“ Alle anderen Friseure, die sie kenne, litten unter denselben Problemen.

Keine Preiserhöhung aus Fairness gegenüber Kunden

Auch Eylem Arslan vom Haarstudio Döring an der Hauptstraße in Stuttgart-Vaihingen klingt auf Nachfrage mehr als pessimistisch: „Die ersten vier Wochen nach der Öffnung waren nur unter dem Gesichtspunkt gut, dass das Geschäft wieder angelaufen ist“, sagt sie. Der Sicherheitsbestimmungen wegen könnten die Mitarbeiter weniger Kunden bedienen. „Außerdem müssen wir nach jedem Kunden desinfizieren“, berichtet sie.

Die Preise, sagt Eylem Arslan, habe sie nicht erhöht: „Wir wollen unseren Kunden gegenüber fair bleiben.“ An Kurzarbeit denke sie zurzeit ebenfalls noch nicht. „Ich bin Inhaberin und alleinerziehende Mutter. Wegen der Kinder, die noch nicht wie früher betreut werden können, muss ich wesentlich früher aufhören als früher, und meine Mitarbeiter müssen ohne mich auskommen.“ Weil die Umsätze zurückgingen, sehe alles nicht gut aus. „Mein Optimismus nimmt ab“, sagt Eylem Arslan.

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