Eigentlich ist ihm nicht zum Lachen zumute: Wenn seine Gäste jetzt auch noch im Saal Masken tragen müssen, fürchtet der Kinobetreiber Peter Erasmus vollends um seine Existenz. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Die neue Corona-Verfügung der Stadt hat Folgen für den Kulturgenuss: Jetzt muss in Theater, Kino und Konzert die Maske auch während der Vorstellung getragen werden. Der Kinobetreiber Peter Erasmus fürchtet mehr denn je um seine Existenz.

Stuttgart - Die am vergangenen Wochenende erfolgte Einstufung von Stuttgart als Corona-Risikogebiet zeitigt auch Folgen für die Kultur der Stadt: Seit Mittwoch muss in Theatern, Kinos und Konzertsälen die Schutzmaske auch während der Vorstellung getragen werden. „Bei öffentlichen Veranstaltungen ist im Stadtgebiet durchgängig eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen“, heißt es in der aktuellen Verfügung der Stadt, die zunächst bis Sonntag, 1. November, gilt. Vor dieser neuen Erweiterung der Schutzmaßnahmen galt die Maskenpflicht in den Kulturinstitutionen – angefangen von der Liederhalle über das Theaterhaus bis hin zum Staatstheater – nur vom Betreten des Hauses bis zum Erreichen des Sitzplatzes. Dann durfte die Maske abgelegt werden.

Maskenpflicht auch auf dem Weg zur Kultur

Viele Einrichtungen sind von den neuen Verfügungen im Hotspot Stuttgart sogar doppelt betroffen, weil sie im City-Ring liegen, für den jetzt ebenfalls eine generelle Maskenpflicht gilt. Die Theater unterm Tagblatt-Turm, die Stuttgarter Schauspielbühnen, die Kinos, die Staatstheater: Da sie und andere Kulturorte im Zentrum liegen, müssen Besucher schon beim Hinweg Mund und Nase bedecken. Darauf weist der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater hin, Marc-Oliver Hendriks: „Zur durchgängigen Maskenpflicht im Haus kommt bei uns jetzt die Maskenpflicht im Freien.“ In Schauspiel, Oper, Ballett wird seit Juni sporadisch, seit September regelmäßig wieder gespielt, mit einem strikten Hygienekonzept und unter Einhaltung des Abstandsgebots von 1,5 Meter. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Uns sind keine Infektionsfälle bekannt, die mit dem Besuch des Staatstheaters zusammenhängen“, so Hendriks. Da er auch bundesweit von keinem Fall wisse, fügt er hinzu: „Ich glaube, Theater sind sichere Orte. Sie nehmen ihre Verpflichtung ernst.“

Geht dem Kino die Luft aus?

Das scheint auch für die Stuttgarter Schauspielbühnen zu gelten, dem Träger des Alten Schauspielhauses und der Komödie im Marquardt. Dort, in der Komödie, hat der Intendant Axel Preuß am Mittwoch das Publikum persönlich von der Maskenpflicht unterrichtet: „Kulturaffine Menschen sind generell vernünftige Menschen. Jeder hat die Maske sofort angelegt.“ Sorgen hat er dennoch. Den Privattheatern, zu denen seine Häuser zählen, sei vor drei Monaten ein Hilfsprogramm des Bundes versprochen worden, aber noch sei nichts geschehen. Finanziell werde es sehr eng, sagt Preuß, der damit allerdings nicht allein steht, schon gar nicht nach der neuen, auch Kinos in Mitleidenschaft ziehenden Verfügung. Peter Erasmus, Betreiber des Delphis und des Ateliers am Bollwerk, befürchtet, dass die durchgängige Maskenpflicht noch mehr Menschen als zuvor vom Kinobesuch abhält: „Uns geht die Luft aus. Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte.“

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