Claus Kleber an der Uni Tübingen Foto: Brenner

An der Uni Tübingen hat heute-journal-Moderator Claus Kleber am Dienstagabend eine Vorlesung über die Zukunft des Journalismus gehalten - wir haben uns den Vortrag angehört.

Tübingen - Schon eine dreiviertel Stunde vor Beginn der Antrittsvorlesung von Professor Claus Kleber sind im Festsaal der Universität Tübingen alle Plätze belegt. Vor den Türen warten weitere Zuhörer – Studenten, Senioren, alle wollen sie den bekannten Fernsehjournalisten live erleben, wenn er davon spricht, warum man den Journalismus retten muss.

Und nach einigen Vorreden des Dekans und der Direktorin des Zentrums für Medienkompetenz geht es los – alle Augen sind auf Kleber gerichtet. Der beginnt die Antrittsvorlesung seiner Honorarprofessur Medienwissenschaft mit einer Geschichte aus seinem Leben. Er berichtet von seinen Anfängen als Reporter – zu einer Zeit, als Journalisten noch Herren der Nachrichtenströme waren.

Dieses Privileg haben sie verloren, das zeigt sich, veranschaulicht Kleber, an Ereignissen wie dem Anschlag auf Charlie Hebdo: Von 21,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 14 und 39 Jahren haben nur 1,9 Millionen an diesem Tag klassische Nachrichtensendungen verfolgt. Die anderen tummelten sich in Sozialen Medien. „Social Media = Zukunft“ erscheint auf der großen Leinwand. Durch das Internet böten sich „Chancen wie nie“ an Informationen zu gelangen, meint Kleber.

Er erzählt davon, wie er Jeff Besos begegnete, als der gerade seine Idee, Bücher über das Internet zu verkaufen, umsetze. Anschaulich zeichnet er die Entwicklung von amazon und anderen Internetgiganten nach und erläutert, wie ihre Geschäftsmodelle funktionieren: Indem wir Daten preisgeben.

Das ist alles nichts Neues, nichts, was man nicht schon vorher wusste. Doch Kleber erklärt anschaulich, man könnte fast sagen, er erzählt eine Geschichte. Seine persönlichen Erfahrungen machen diese Geschichte spannend, die Konzentration auf das Wesentliche und die klare Sprache machen es leicht, ihm zuzuhören. So ist man es gewohnt von ihm.

Und wie man es gewohnt ist von Claus Kleber betrachtet er die zwei Seiten einer Medaille. Dass viele Menschen ihre Nachrichten nur noch über Soziale Netzwerke beziehen, weil ein Freund dem anderen einen Link empfiehlt, das birgt eine Gefahr, warnt Kleber: Die Gesellschaft könne in einzelne Blöcke zerfallen, die Öffentlichkeit teilt sich. Denn Freunde bilden in der Regel eine homogene Gruppe, mit ähnlichen Ansichten. So teilen sie immer nur eine Seite der Wahrheit, nämlich die, die sie für richtig halten.

„Das journalistische Gleichgewicht kommt nicht mehr an“, resümiert Kleber. Ist die Epoche der Massenmedien also beendet? Kleber hat Hoffnung, er sieht in unserer gefährlichen komplexen Welt noch immer ein Bedürfnis für journalistische Arbeit. Aber: „Wir müssen uns neuen Maßstäben stellen.“ Neue Hilfsmittel und neue Möglichkeiten nutzen.

Den Journalismus zu retten wird Anstrengung erfordern, doch aus Claus Klebers Worten ist trotz allem Optimismus herauszuhören, dass dies gelingen kann.

Langanhaltender Applaus schallt durch den Festsaal. Kleber steht danach noch lange unten vor der Bühne, führt Gespräche mit alten Bekannten, lässt zahllose Selfies mit Studenten von sich machen. Er wirkt locker, entspannt, ganz ohne Allüren.

Warum sollen junge Menschen noch in den Journalismus gehen? Der Fernsehjournalist antwortet ohne zu zögern: „Es gibt einfach keinen besseren Beruf auf der Welt. Einen Beruf, der bedeutet, dass du jeden Tag Neues dazulernen kannst, dass du reisen und Menschen treffen darfst, dass du hinterher Geschichten erzählen darfst und dafür obendrein noch bezahlt wirst.“

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