Familienunternehmerin Martina Hunzelmann mit ihren Nachfolgern Josué Ruiz (vonlinks) und seinen Söhnen Joshua und Jonathan Ruiz Sportmann. Foto: Hochland Kaffee

Neue Inhaber und ein Führungstrio beim Familienunternehmen Hochland Kaffee in Stuttgart: Gründerenkelin Martina Hunzelmann hat die Nachfolge geregelt und zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.

Wenn Martina Hunzelmann über Kaffee redet, glänzen ihre Augen. Schon als Vierjährige hat sie in der familieneigenen Rösterei Kaffee gemahlen. Sie ist mit dem schwarzen Heißgetränk aufgewachsen. Seit fast 40 Jahren bestimmt sie die Geschicke des Stuttgarter Familienunternehmens Hochland Kaffee Hunzelmann, seit 1997 als Geschäftsführende Gesellschafterin. Jetzt übergibt die Enkelin der Firmengründer an eine jüngere Generation.

 

Die 64-Jährige agiert weitsichtig und hat sich schon länger Gedanken über die Nachfolge gemacht, denn ihr Herzblut steckt im Unternehmen. „Hochland war und ist mein Leben“, sagt Hunzelmann. Sie nennt es einen Glücksfall, dass Josué Ruiz (62), der seit 19 Jahren im Unternehmen ist, mit seinen beiden Söhnen Joshua (30) und Jonathan Ruiz Sportmann (29) – allesamt in der Welt des Kaffees zuhause – das familiäre Lebenswerk fortführen. „Jetzt kann ich mich rausnehmen, weil ich weiß, dass Hochland sehr gut weitergeführt wird“, sagt Martina Hunzelmann.

Auch die neuen Eigentümer haben Kaffee im Blut

Ein Verkauf an große Kaffeeröstereien, die Interesse an einer Übernahme hatten, kam für sie nicht in Frage. „Mir war es sehr wichtig, dass Hochland in Stuttgart ein Familienunternehmen bleiben darf“, sagt sie. Hunzelmann zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und bleibt als stille Teilhaberin dem Unternehmen verbunden.

Die Transaktion zur Fortführung von Hochland Kaffee unter neuer Führung werde im September abgeschlossen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Firmenname bleibt, wird künftig aber noch durch R.S. ergänzt (das steht für Ruiz Sportmann) und lautet dann Hochland Kaffee Hunzelmann R. S. GmbH & Co. KG.

„Auch die neuen Eigentümer haben Kaffee im Blut, so wie ich“, sagt Martina Hunzelmann. Josué Ruiz entstammt wie sie aus einer Kaffeedynastie. In seiner Heimat Panama tollte er schon als kleiner Junge über die familieneigene Kaffeeplantage und lernte gute von schlechten Bohnen zu unterscheiden. Später leitete er die Rösterei in Casa Ruiz und kümmerte sich um das Exportgeschäft. 2003 zog es Ruiz, der mit einer gebürtigen Schwäbin verheiratet ist, nach Stuttgart, wo er bei Hochland landete.

Vom Kaffeesackschlepper zum Geschäftsführer

Weil es keinen anderen Job gab, schleppte der studierte Betriebswirtschaftler zunächst Kaffeesäcke im Lager, machte sich nützlich, wo er konnte, arbeitete sich aber rasch hoch – zum Röstmeister, später zum Verantwortlichen für den Rohkaffee-Einkauf und im Jahr 2013 zum Hochland-Geschäftsführer an der Seite von Martina Hunzelmann.

„Als Geschäftsführer, aber auch als Vater habe ich mich zu Beginn der Übernahmegespräche dafür ausgesprochen, einen Familienkodex zu erstellen“, sagt Josué Ruiz. Das Familientrio teilt sich die Verantwortlichkeiten je nach Stärken und Interessen. Bei Sohn Joshua, der seit über zehn Jahren in der Kaffeebranche tätig ist – auch als zertifizierter Kaffeesommelier – liegen die Schwerpunkte in Marketing und Vertrieb, bei Sohn Jonathan auf Finanzen und Unternehmensentwicklung. Jonathan Ruiz Sportmann arbeitet seit über einem Jahr zusammen mit seinem Vater an der Seite von Martina Hunzelmann. „Aus einer Unternehmerfamilie in Panama zu kommen bedeutet, dass wir mit der Denkweise erzogen wurden, das Beste aus dem zu machen, was uns anvertraut wurde. Wir freuen uns, dies unter Beweis zu stellen“, sagt er. „Mit großer Begeisterung setzen wir gemeinsam neue Meilensteine und glauben fest an das Potenzial von Hochland Kaffee“, sagt sein Bruder Joshua.

Pioniere für den direkten Handel mit den Kaffeebauern

Mit Berufung und Hingabe übernehme man die volle Verantwortung für das Familienunternehmen, sagt Josué Ruiz und lässt keinen Zweifel daran, dass die Grundlagen, die den Erfolg ausmachen, erhalten bleiben sollen: hohe Qualität, Regionalität, Tradition und direkte Handelsbeziehungen zu den Ursprungsländern des Kaffees.

Die Stuttgarter Rösterei spekuliert nicht an den Kaffeebörsen, sondern garantiert ihren Vertragsbauern Preise. Schon 1964 hat Hochland damit begonnen, auf direktem Wege Kaffee einzukaufen und war ein Pionier für den direkten Handel. Für die Bauern im Hochland von Costa Rica, das als eines der besten Kaffee-Anbaugebiete der Welt gilt, bedeutet das faire Preise und Planungssicherheit, für Hochland beste Qualität. Der faire Umgang mit den Lieferanten, aber auch mit Kunden und Mitarbeitern ist auch den neuen Inhabern und Chefs wichtig.

Mit rund 80 Mitarbeitern und 900 bis 1000 Tonnen Jahresproduktion ist das Stuttgarter Familienunternehmen im Vergleich zu Konzernen wie Tchibo oder Jacobs zwar sehr klein, in Deutschland aber eine der größten Kaffeemanufakturen.

Fast 100-jährige Firmengeschichte

Gründung
1930 gründen Antonie und Gustav Hunzelmann, einst Kaffeegroßhändler in Braunschweig, eine eigene Kaffeerösterei in Stuttgart. Sie haben zwei Kinder Rolf und Jürgen. 1933 stirbt Gustav, Antonie managt die Kaffeerösterei, eröffnet die erste Filiale von Hochland Kaffee in Bad Cannstatt.

Generationswechsel
Später steigen die Söhne ins elterliche Unternehmen ein, das rasant wächst. 1984 tritt Rolf Hunzelmanns Tochter Martina – als dritte Generation – ins Unternehmen ein. Nach 39 Jahren übergibt sie 2023 an ihre Nachfolger.

Nische
Schiere Größe allein bedeute noch kein Qualitätsversprechen, deshalb lieber klein in der Nische, so das Credo von Hochland Kaffee. Neben eigenen Filialen gibt es in Stuttgart noch zwei Holanka Bars für Kaffeeliebhaber.