Charlie Parker (links) auf der Bühne mit Miles Davis Foto: www.mauritius-images.com

„I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Folge 6: Charlie „Bird“ Parker.

Stuttgart - „I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Folge 6: Charlie „Bird“ Parker.

Bis heute heißt es in Jazzerkreisen: „Es gibt nur zwei Arten von Jazz: den vor Parker und den danach.“ Charlie „Bird“ Parker war ein Mann der Extreme. Auf der Bühne katapultierte ihn sein intensives Spiel auf dem ­Altsaxofon in den Status eines umjubelten Stars, im Leben machte er sich kaputt durch eine Heroinsucht, die im Alter von 15 Jahren nach einem schmerzhaften Autounfall ­begann, durch Alkoholexzesse und Aufputschmittel.

Parker starb mit nur 34 Jahren im Apartment der Baroness de Koenigswarter, einer reichen Jazz-Mäzenin. Obwohl er Blut spuckte, hatte er es abgelehnt, in eine Klinik ­gebracht zu werden. Parker galt als ein sehr empfindsamer Musiker, doch oft war er ­völlig unberechenbar. So verkaufte er ­einmal seine Rechte an Plattenaufnahmen für eine Dosis Heroin, erhielt ein anderes Mal nach einer Schlägerei auf offener Bühne mit dem Pianisten Bud Powell Hausverbot im Birdland und setzte seinem Dealer mit „Moose The Mooche“ ein musikalisches Denkmal.

Parker war dreimal verheiratet, am ­Ende seines Lebens gleich mit zwei Frauen. Die stritten sich dann um das Erbe. Charlie war schon als ­Jugendlicher besessen vom Jazz und übte täglich zehn bis fünfzehn Stunden. So heftig, dass die Nachbarn die Mutter zwingen wollten, endlich umziehen.

Parker ist einer der Väter des Bebop

Seinen Spitznamen „Bird“ erhielt Charlie Parker ­zunächst, weil er ein überfahrenes Huhn („Yardbird“) aufgesammelt und gekocht hatte. Später deshalb, weil seine halsbrecherischen Tonkaskaden beim Improvisieren so wild klangen, so scharf und vogelfrei. Er entwickelte in Harlem mit Jazzern wie dem Trompeter Dizzy Gillespie einen revolutionären Stil, Bebop genannt. Sie spielten „Ornithology“, „Salt Peanuts“ oder „Donna Lee“ – Nummern mit einer Sogwirkung, der man sich auch heute kaum entziehen kann. Louis Armstrong als Ikone des alten Stils beklagte sich allerdings, die Stücke hätten keine Melodie, die man sich merken kann, und auch keinen Rhythmus zum Tanzen.

Doch in New York war der neue Sound ab 1945 die Sensation. Parker war der erste ­Jazzer, nach dem ein Club benannt wurde: eben das legendäre Birdland im Big Apple. Als die Zeitungen schließlich von Charlie „Bird“ Parkers Tod berichteten, sah man an vielen Häuserwänden ein Graffito: „Bird ­Lives“.

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