Ein Passagier mit einer VR-Brille sitzt auf der Rückbank eines Audi. Das Fahrzeug ist mit einer Plattform ausgestattet, mit der Virtual-Reality-Filme, Videospiele und interaktive Inhalte realistisch erlebt und in Echtzeit an die Fahrbewegungen des Autos anpasst werden können. Foto: Audi

E-Mobilität, digitale Vernetzung, autonomes Fahren – vieles von dem, was auf der Messe CES in Las Vegas gezeigt wird, kann bald schon auf der Straße zu sehen sein.

Las Vegas - Im November wagte Volvo auf der Automesse in Los Angeles ein radikales Experiment. Die Schweden präsentierten auf ihrem großen Messestand keinen einzigen neuen Wagen. Statt der Enthüllung von poliertem Blech war in der Pressekonferenz viel vom autonomen Fahren die Rede, von der Zusammenarbeit mit dem Online-Riesen Amazon, der Pakete in den Kofferraum liefert oder von einem Abo-Modell für die Autonutzung, das den klassischen Kauf ersetzt. Für hart gesottene Motorjournalisten war diese Premiere gewiss eine Provokation. Doch Volvo hat mit dem unkonventionellen Auftritt auf einen fundamentalen Wandel aufmerksam gemacht, wie es ihn in der Geschichte dieser Branche noch nicht gegeben hat. Statt um Autos geht es in Zukunft um Mobilität.

Futuristische Vehikel, die fahrerlos durch die Straßen surren

Dieser Umbruch führt auch dazu, dass fast alle deutschen Autobauer erstmals der traditionsreichen Branchenschau in Detroit den Rücken kehren, und sich zum Jahresauftakt auf die Elektronikmesse CES in Las Vegas konzentrieren. Dort stehen eigentlich Fernsehgeräte, Smartphones, Spielekonsolen, Datenbrillen, Künstliche Intelligenz und Spielereien wie Katzenklos mit Internetanschluss im Mittelpunkt. Doch weil Autos immer mehr zu Smartphones auf Rädern werden, hat die Innovationsschau im Wüstenstaat Nevada im Wettbewerb mit Detroit schon in den vergangenen Jahren auch bei den Autobauern an Attraktivität gewonnen. Nun hat Las Vegas Detroit geschlagen.

Vieles ist Zukunftsmusik, was Autobauer und Zulieferer in Las Vegas präsentieren. Doch die futuristischen Vehikel, die mit Elektroantrieb fahrerlos autonom durch die Straßen surren und per Smartphone für den Transport gebucht werden können, zeigen wohin die Reise geht. Elektromobilität, digitale Vernetzung, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste werden die kommenden Jahre prägen und dazu führen, dass die Karten in der Branche neu gemischt werden. Die deutschen Anbieter sind zwar erst spät gestartet und haben sich von dem Neuling Tesla abhängen lassen. Aber nun haben sie eine Aufholjagd gestartet. Alleine Daimler will bis 2022 mit zehn Elektroauto-Modellen am Markt sein.

Entwicklung hin zur Elektromobilität wird Beschäftigung kosten

Auch die Mitarbeiter werden den Wandel zu spüren bekommen. Die Entwicklung hin zur Elektromobilität wird Beschäftigung kosten, weil der Elektroantrieb deutlich weniger Teile als ein Verbrennungsmotor hat. Nachdem kurz vor Weihnachten unerwartet scharfe europäische Kohlendioxidziele für 2030 festgelegt wurden, sind die Herausforderungen im Blick auf die Sicherung der Beschäftigung eher gewachsen. Dies könnte auch zu einem Tauziehen der Arbeitnehmervertreter von Herstellern und Zulieferern um die Verteidigung der Arbeitsplätze führen. Der Betriebsrat von Daimler hat bereits gefordert, dass mehr Komponenten beim Stuttgarter Autobauer gefertigt und nicht wie bisher zugekauft werden sollen.

Um die Herausforderungen zu stemmen, müssen die Autohersteller einen schwierigen Spagat schaffen. Sie müssen in ihrem klassischen Geschäft erfolgreich sein und hohe Gewinne einfahren, um viel Geld in Zukunftsfelder investieren zu können. Leichter wird das nicht, denn die Autokonjunktur wird schwächer. Auf den wichtigsten Märkten China und USA ist mit einer Stagnation zu rechnen. Zudem ist offen, wie der Streit um Strafzölle zwischen Europa sowie China und den USA ausgehen wird. Auf dem Weg in die Zukunft steht den Autobauern eine holprige Strecke bevor.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: