Die Patinnen und Paten verbringen jede Woche Zeit mit den Kindern und Jugendlichen. Foto: dpa/Peter Kneffel

Ehrenamtliche unterstützen im Kreis Esslingen Kinder und Jugendliche, die von Armut bedroht sind. Ermöglicht wird dieses Engagement durch das Projekt „Chancenschenker“ der Caritas und der Kinderstiftung. Da die Nachfrage steigt, werden Patinnen und Paten gesucht.

Jedes fünftes Kind ist in Baden-Württemberg von Armut bedroht. Nach Angaben der Caritas Neckar-Alb-Fils verringert Armut unter anderem die Chancen auf Bildung, eine gesunde Entwicklung und soziale Teilhabe. Denn aufgrund der Lebensumstände sei es für manche Eltern schwierig, ihren Kindern Chancen im gewünschten Umfang zu ermöglichen, etwa weil ein Familienmitglied krank ist oder es an finanziellen Mitteln oder Zeit mangelt, sagt Petra Gauch, Leiterin des Caritas-Zentrums Esslingen.

 

Corona hat soziale Ungleichheit verschärft

Unterstützung für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und zwölf Jahren bietet im Kreis Esslingen unter anderem die Caritas mit dem Projekt „Chancenschenker“, das vor etwa zehn Jahren gemeinsam mit der Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen ins Leben gerufen wurde. Das Konzept dahinter: Kinder, die armutsgefährdet sind, verbringen etwa zwei Stunden pro Woche Zeit mit Ehrenamtlichen. Dadurch soll „auf vielfältige Weise die kulturelle und soziale Teilhabe ermöglicht werden“, sagt Gauch. Auf dem Programm stehen neben unterschiedlichen Freizeitaktivitäten und Ausflügen auch die Unterstützung bei Hausaufgaben. Denn seit der Corona-Pandemie haben sich die Defizite bei Kindern aus einkommensschwachen Familien verschärft, da für Homeschooling häufig keine Ressourcen wie Tablets, Laptops oder Internetzugang zur Verfügung standen, berichtet Gauch.

Teilnehmen können Kinder und Jugendliche, die im Kreis Esslingen wohnen und deren Eltern eine Förderberechtigung wie etwa einen Arbeitslosengeld- II-Bescheid, einen Sozialhilfebescheid oder einen Asylbewerberleistungsbescheid erhalten. Aber auch bei einem Familieneinkommen, das im Rahmen des aktuellen Arbeitslosengeld-II-Satzes oder bis zu 25 Prozent darüber liegt, besteht Anspruch.

Wertschätzende Haltung gegenüber anderen Kulturen

Derzeit sind etwa 24 Ehrenamtliche als „Chancenschenker“ aktiv, vor allem in Esslingen, aber auch in Nürtingen. Übernommen werden die Patenschaften meist von Studierenden, Berufseinsteigern sowie Rentnerinnen und Rentnern. Angesichts des zunehmenden Anstiegs der Kinderarmut und der wachsenden Chancenungleichheit biete das Programm die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche individuell zu begleiten und zu unterstützen. „Viele Engagierte wollen etwas zurückgegeben“, sagt Gauch. Die Ehrenamtlichen sollten aufgeschlossen sein und „eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen Kulturen und Wertvorstellungen mitbringen“, sagt sie. Die Caritas bietet für die Freiwilligen Fortbildungen, regelmäßige Austauschtreffen sowie Supervisionen an, sagt Lynn Pradel, die für die Koordination der Ehrenamtlichen zuständig ist. Aber auch Ausflüge mit den Tandem-Paaren, kürzlich etwa zu einer Alpakafarm, stehen auf dem Programm.

Caritas verzeichnet steigende Nachfrage

Weil die Nachfrage weiter steigt, sucht die Caritas Patinnen und Paten, aber auch Familien mit Bedarf. Genauso können sich Hilfseinrichtungen melden, um bei der Vermittlung zu unterstützen.

Interessierte melden sich bei der Caritas Fils-Neckar-Alb unter Telefon 0711/ 3 96 95 40.