Wegen Personalmangel musste unter anderem der Fahrplan der Buslinie 653 (Leonberg-Wiernsheim) ausgedünnt werden. Kein Einzelfall. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Allein in Baden-Württemberg fehlen 2500 Busfahrer. Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen hat einige Ideen zur Entspannung und blickt neidvoll nach Österreich.

Anfragen zum Thema Fahrplanausdünnung und Personalmangel bekommt Ulrike Schäfer regelmäßig auf den Schreibtisch. Sie ist die Sprecherin des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) mit Sitz in Böblingen. Dieser vertritt die Interessen von 320 Mitgliedsunternehmen. „Personalmangel ist deren drängendstes Problem“, sagt sie. „Wir haben in Baden-Württemberg 9000 Busfahrer. Stand jetzt fehlen 2500.“ Das Friolzheimer Busunternehmen Seitter, das wegen Personalmangels mehrere seiner Fahrpläne ausdünnen musste, ist also kein Einzelfall.

 

Tatsächlich handelt es sich sogar um ein deutschlandweites Problem, erklärt Ulrike Schäfer. „Der Busführerschein ist bei uns wahnsinnig teuer und dauert sehr lange.“ Der WBO bemängele das auf Bundesebene schon lange. „In Österreich, also einem EU-Land, kostet ein Busführerschein 3000 bis 3500 Euro. In Deutschland muss man dafür 10 000 bis zum Teil 15 000 Euro bezahlen.“ Um alle nötigen Übungsstunden zusammenzubekommen, sind für gewöhnlich um die sechs Monate nötig.

Länder wollen Druck auf Bund ausüben

Wichtigster Schritt aus Sicht des WBO wäre daher, dass dieses System auf Bundesebene neu durchdacht wird. Dafür gibt es inzwischen sogar Rückhalt von der Landesregierung. „Die Länder haben den Bund aufgefordert, tätig zu werden und die Anforderungen für Busführerscheine zu senken, damit einfacher neues Fachpersonal gewonnen werden kann“, heißt es vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg auf Nachfrage.

Darüber hinaus gibt es weitere Ideen und Lösungsansätze. „Der WBO fordert seit Jahren eine Staffelung des Unterrichtsbeginns“, sagt Ulrike Schäfer. Der gleichzeitige Schulbeginn sämtlicher Schüler bedeutet für die Busunternehmen eine extreme Belastung, weil eine große Zahl Mitarbeiter zur gleichen Zeit da sein muss, die danach drei bis vier Stunden Leerlauf hat. „Mit einer Staffelung der Unterrichtszeiten wäre den Unternehmen sehr geholfen.“ Verkehrsminister Winfried Hermann hat diese Option nun ebenfalls vorgeschlagen. „Für die Umsetzung sind hier die Kommunen zuständig“, so das Verkehrsministerium. Sogar die Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung bei der Führerscheinprüfung durch das Land wird gerade geprüft.