Wer um 13 Uhr Schulschluss hat und mit der Buslinie 653 fahren möchte, muss zum Teil lange warten. Der Fahrplan wurde wegen Personalmangels deutlich reduziert. Foto: Simon Granville

Der Busfahrplan der Linie 653, mit der jeden Tag zahlreiche Kinder zu den Schulen in Leonberg und zurückfahren, musste wegen Personalnot stark reduziert werden. Einige Eltern wollen jetzt mobil machen. Denn die Probleme existieren schon länger, eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Immer wieder Verspätungen und Ausfälle, überfüllte Busse, und eine mangelhafte Info-App: So beschreibt eine Mutter aus Leonberg-Gebersheim die Situation für die Buslinie 653, die vom Enzkreis unter anderem über Rutesheim und Gebersheim zu den Schulen in Leonberg führt. Die Nachricht, dass der Fahrplan dieser und anderer Linien des Busunternehmens Seitter seit Montag auch noch stark reduziert wurde, ist vor allem für betroffene Eltern und Schüler extrem bitter. Die Verantwortlichen suchen nach eigenen Angaben nach Lösungen. Die Eltern sind wütend und ratlos.

 

„Wir wohnen seit zwei Jahren in Gebersheim“, erzählt Wendy Züffle, deren zwei Töchter aufs Albert-Schweitzer-Gymnasium in Leonberg gehen. „Anfangs ging es noch, dieses Schuljahr wurde es aber immer massiver, gerade kurz vor den Sommerferien.“ Busse seien verspätet, manchmal gar nicht gekommen. Langbusse wurden durch einfache Busse ersetzt, wodurch die Fahrzeuge oft überfüllt seien. „Da wurden Kinder schon mal stehen gelassen und kamen dann zu spät.“ Die ebenfalls betroffene Anja Setter ergänzt: „Und die Kinder, die es in den Bus geschafft haben, stehen durchgehend eng aneinandergedrängt im kompletten Bus, bis vorne an die Fahrerscheibe.“

Nachmittags fahren die Busse nur alle zwei Stunden

Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt: Wegen Personalnot hat die Firma Seitter das Angebot kurzfristig reduziert. Morgens fahren die Busse noch nach dem üblichen Takt, ab dem Mittag stündlich, später zweistündlich. Die Linie 652 verkehrt vom späten Nachmittag an gar nicht mehr.

„Die Kinder sind mit dem schweren Ranzen schon zu Fuß nach Hause gekommen“, erzählt Wendy Züffle. Das sind 50 bis 60 Minuten. Im Sommer könne man im Notfall noch aufs Fahrrad ausweichen. „Aber im Winter, wenn es dunkel ist, möchte ich meine Töchter nicht alleine auf diese Strecke schicken.“ Immer mehr zehre das Ganze auch an den Nerven der Jungen und Mädchen. „Viele wollen nicht mehr mit dem Bus fahren, weil sie immer Angst haben, dass sie zu spät kommen. Vor allem für die Fünftklässler ist das ganz schwer.“ Und bei Familien wie ihrer, die kein oder nur ein Auto zur Verfügung haben, sei auch das „Elterntaxi“ keine Lösung, nicht mal übergangsweise.

Wie geht es weiter?

Wie lange dieser Übergang dauern wird, ist unklar. Laut der Firma Seitter wird der Zustand des Personalmangels, von dem zahlreiche Busunternehmen betroffen sind, wohl „noch länger anhalten“, genaue Gründe werden nicht genannt. Gemeinsam mit den Behörden – die Landkreise mit dem Regierungspräsidium Stuttgart – werde nach einer Lösung gesucht. Doch wie soll die aussehen, wenn schlicht die Fahrer fehlen? „Wir befinden uns in einem engen Austausch mit dem Landratsamt Böblingen, damit die Situation zeitnah verbessert werden kann“, heißt es kurz und knapp von der Pressestelle des RP.

Um den Druck auf die Behörden zu erhöhen, hat Sandra Schönleber, ebenfalls betroffene Mutter, damit begonnen, andere Eltern zu animieren, aktiv zu werden. Der größte Wunsch der Eltern lautet, dass wieder reine Schulbusse eingesetzt werden, alternativ zumindest wieder Langbusse, damit mehr Schüler transportiert werden können.

Es wäre zudem hilfreich, so Wendy Züffle, wenn die VVS-App aktiv über Ausfälle informieren würde, statt die Infos erst auszuspucken, wenn man gezielt nach einer Fahrt sucht. „Dass sie ausgerechnet auf die Fahrten kurz nach 13 Uhr verzichten, wenn die meisten Schüler Schluss haben, versteht auch niemand.“ Momentan sei es eine Zumutung, bestätigt Anja Setter, „wenn ein Schüler um 13 Uhr Schule aushat und um 15.30 Uhr wieder zur Mittagsschule da sein muss. Das ist in der aktuellen Situation fast nicht sinnvoll darstellbar“.