Vor allem Farbe: Emil Noldes „Friedenhöfe“ aus dem Jahr 1936 Foto: Nolde-Stiftung Seebüll

Das Elternhaus der Burda-Brüder war mit Kunstwerken reich bestückt. Im Burda-Museum Baden-Baden erinnert eine Ausstellung nicht nur an die Liebe der Verlegerfamilie zur Kunst, sondern lässt auch die Schattenseiten des Erfolgs ahnen.

Baden-Baden - Es macht einen Unterschied, ob bei den Eltern über dem Sofa ein röhrender Hirsch hing oder ob die Wände mit Werken von Gabriele Münter und Max Beckmann gepflastert waren. Im Hause Burda lebte man zwischen Bildern, nach denen sich manches Museum die Finger lecken würde. Beim ­Essen blickte man auf Meisterwerke des Expressionismus, und über dem Sofa hing ein blauer Frauenakt von Ernst Ludwig Kirchner. Vermutlich wird einer der drei ­Buben irgendwann die Eltern gefragt haben: Mutter, warum ist die Haut von der Frau mit dem Strohhut denn blau?

Die Expressionisten revolutionierten die Malerei, weil sie sich nicht scherten um die Lokalfarbe, also die Farbtöne, die Dinge in der Realität besitzen. Im Museum Frieder Burda in Baden-Baden kann man nun auf einer stattlichen Auswahl expressiver Gemälde Frauen mit grüner Brust entdecken oder Passanten mit blauen Händen. „Die Bilder der Brüder“ nennt sich die neue Ausstellung, die jene Werke vorstellt, mit denen Franz, Frieder und Hubert Burda groß geworden sind und die sie geprägt haben. Es ist die Sammlung, die das Verlegerpaar Aenne und Franz Burda zusammentrug und die vor allem eines auszeichnet: die kräftigen, freien Farben.

Der Vater fügt sich den Schmiss selbst zu

Frieder Burda, der im vergangenen Jahr mit 83 Jahren gestorben ist, hat die Ausstellung noch selbst konzipiert. Er wollte zeigen, was ihn und seine Brüder verbunden hat. Eine versöhnliche Geste zum Lebensende, denn auch wenn die Kunst Trost gespendet haben mag, eine glückliche Jugend hatten die drei Burda-Buben wohl nicht. Sie standen von schon früh in Konkurrenz zueinander und buhlten um die Gunst der Eltern. Der Vater, der gern „der Senator“ genannt wurde, sei ein Patriarch gewesen, schrieb Frieder in seiner Biografie. Den deutlichen Schmiss auf seiner Wange fügte er sich selbst zu, nachdem man ihn nicht in die schlagende Verbindung aufgenommen hatte.

Die Mutter Aenne war streng. Als sie 1949 herausfindet, dass ihr Mann sie seit Jahren betrogen hat, übernimmt sie – gegen seinen Willen – den maroden Modeverlag seiner Geliebten und macht den Namen Burda international bekannt. Seitdem sie selbst eine erfolgreiche Unternehmerin ist, stehen auch die Eheleute in ständiger Konkurrenz zueinander. Er habe seine Mutter sehr verehrt, hat Frieder Burda einmal gesagt, „sie hat viel für uns getan“. Nach einem wirklich warmen Verhältnis klingt das allerdings nicht.

Die Kinder erben die Liebe zur Kunst

Ihre Liebe zur Kunst haben die Eltern den drei Kindern aber weitergegeben. Hubert Burda, der jüngste der Brüder, studierte Kunstgeschichte, um dann aber doch Geschäftsführer im väterlichen Verlag zu werden. Frieder Burda machte eine Ausbildung im Verlag der Mutter und eine Lehre zum Drucker und wurde dann vom Vater in die USA geschickt, wo er allerdings nicht nur Druckereien kennenlernte, sondern auch die Kunstszene. Er schied aber erst nach dem Tod des Vaters 1986 aus dem Unternehmen aus, um sich der Kunst zu widmen. 2004 eröffnete er sein eigenes Museum in Baden-Baden. Es ist bis heute eines der erfolgreichsten Sammlermuseen der Republik.

Der amerikanische Künstler Carl Ostendarp hat die Wände des Baden-Badener Museums nun fröhlich bunt gestrichen, die Werke selbst wurden allerdings unkommentiert an die Wände gehängt. Das ist schade, denn man wüsste gern, in welchem Zusammenhang diese recht willkürlich zusammengetragenen expressionistischen Gemälde mit der Familie stehen. Lesenswert ist dagegen das begleitende Magazin, das wie eine Illustrierte mit vielen Fotos an die Geschichte des Familienunternehmens erinnert. Hier erfährt man auch, dass Hubert Burda die Idee hatte, den Senator zu seinem siebzigsten Geburtstag von Andy Warhol fotografieren zu lassen. Warhol hat auch die Söhne fotografiert – die Gruppenporträts sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.

Die „Bunte“ heißt nicht ohne Grund so

Dass die Burdas als Kunstsammler immer eine besondere Affinität zur Farbe hatten, hat vielleicht auch mit der Erfolgsgeschichte des Offenburger Verlags zu tun. Die Vierfarbmaschine der Druckerei hielt im Krieg der Bombardierung stand – und da Franz Burda Farben und Chemikalien vorsorglich vergraben hatte, konnte er nach Kriegsende bald wieder den Betrieb aufnehmen und druckte zunächst Briefmarken und Schulbücher. Kurz darauf folgten farbige Zeitschriften – nicht ohne Grund wird das wohl berühmteste Gesellschaftsmagazin aus dem Hause Burda später „Bunte“ genannt.

Auch Frieder Burda hat in seiner eigenen Kunstsammlung vor allem auf Farbe gesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie sich sein Museum in Baden-Baden ohne ihn weiterentwickeln wird. Seine Stieftochter Patricia Kamp leitet den Salon Berlin, einen zeitgenössischen Ableger des Museums, und hat die Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ mit dem Kurator Udo Kittelmann gehängt. Allzu ambitioniert ist das Ergebnis nicht, man verlässt sich ganz auf die Popularität der Klassischen Moderne. Wer weiß, vielleicht will diese pragmatische Präsentation aber auch ein das Gefühl einer Kindheit vermitteln, in der alles Wilde, Überschwängliche und Freie an die Kunst delegiert wurde.

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