Wehrmachtsandenken im Aufenthaltsraum, dem sogenannten Bunker, des Jägerbataillons 291 der Bundeswehr in Illkirch bei Straßburg (Frankreich). Foto: dpa

Eine Armee ohne Erinnerung an die Taten ihrer Vorgänger – das wäre eine gruselige Armee, kommentiert unser Chefredakteur Christoph Reisinger.

Stuttgart - Der schlimme Verdacht verdichtet sich, dass deutsche Soldaten Politiker ermorden und diese Verbrechen Flüchtlingen in die Schuhe schieben wollten. Bestätigt er sich, hat der Terrorismus ein Schandkapitel mehr, das besondere Abscheu verdient.

Nicht verdient hat die Bundeswehr den Verdacht, ein solches Verbrechen und die ihm zugrunde liegende Gesinnung seien typisch. Terroristische Soldaten stehen so wenig für diese Armee wie Brände legende Feuerwehrleute für die Feuerwehr. Oder tötende Schwestern und Pfleger für das deutsche Klinikpersonal.

Neue Erklärungsnöte

Deshalb mutet es merkwürdig an, dass Verteidigungsministerin und Bundeswehrspitze gerade jetzt zum Ausmisten von Wehrmachtsandenken blasen. Als wäre am Generalverdacht einer grundsätzlich falschen Gesinnung doch etwas dran. So zwingend es geboten ist, in Kasernen keine Erinnerung an die Wehrmacht zu dulden, die militärische Leistungen verherrlicht und darüber verbrecherische Ziele verschweigt, so falsch wäre es, in der Bundeswehr das Andenken an die Wehrmacht zu löschen. Sie gehört wie die NVA der DDR oder frühere deutsche Streitkräfte zum Traditionsbestand des deutschen Militärs. Man kann sich seine Geschichte nicht aussuchen.

Es doch zu versuchen schafft nur neue Erklärungsnöte. Wie will die Bundeswehr ohne Erinnerung an die Wehrmacht mit ihren Vorbildern aus dem Widerstand gegen Hitler umgehen? Wie mit den vielen Kriegsgedienten, die die Bundeswehr mit aufgebaut und zur Parlamentsarmee geformt haben? Womit verdeutlichen, warum das deutsche Soldatengesetz das Verweigern verbrecherischer Befehle ausdrücklich vorschreibt? Eine Armee ohne Erinnerung an die Taten ihrer Vorgänger – das wäre eine gruselige Armee.

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: