Es wird heiß: Die Bundesliga startet in die Rückrunde. Illustration: Ruckaberle

Die Fußball-Bundesliga beendet die Winterpause. Wer wird Meister, wer zieht in die Königsklasse ein, wer steigt ab und wer wird eine graue Maus? Ein Ausblick – mit nicht immer ganz ernst gemeinten Prognosen.

Stuttgart - Nach Jahren erdrückender Bayern-Dominanz freuen sich die Fußball-Fans auf eine spannende Rückrunde. Die Münchner wollen den Angriff auf Borussia Dortmund forcieren – aber das ist nur ein spannender Aspekt in unserem Blick in die Zukunft.

Deutscher Meister

Pippi Langstrumpf wird die Fußball-Bundesliga durch die Rückrunde begleiten, mutmaßlich bis zum letzten Spieltag. Die volle Dröhnung wird es geben, alle zwei Wochen von 25 000 Mann auf der Südtribüne und bestimmt auch auswärts, im Dortmunder Block. Der Klassiker „Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!“ zur Melodie von „Hey Pippi Langstrumpf“ wird durchs Land ziehen.

Unten, auf dem Rasen, werden die Dortmunder Profis dazu wie in der Vorrunde hüpfen, sie werden nach Siegen mit den Wasserflaschen spritzen, sich gegenseitig umherschubsen – und hinterher betonen, dass sie ganz, ganz sicher noch keinen einzigen Gedanken an die Meisterschale verschwenden. Sie werden sagen, dass sie garantiert nur von Spiel zu Spiel denken. Und dass sie niemals, gar niemals in Richtung München schauen, weil, na klar: „Wir schauen nur auf uns.“

Zur Meisterschaft tanzen, das wird bei den Dortmundern also gehen, darüber reden nicht. Beim FC Bayern, dem Epizen­trum der Kampfansagen, werden die Dinge genau andersherum laufen. Bühne frei also für den großen Meisterkampf, mit diesen Fragen: Gibt es erstmals seit 2012 wieder einen anderen Champion als den FC Bayern? Schafft es der Rekordmeister also nicht, die sechs Punkte Rückstand auf den BVB noch aufzuholen? Und: wird die Bundesliga zur Villa Kunterbunt mit schwarz-gelbem Dach ganz oben, an der Spitze?

Oder etwa doch nicht?

Klar ist: Die BVB-Tanzgruppe hat noch ein schweres Programm vor sich, auswärts wird es feurige Gegner geben, die den Rhythmus ebenfalls im Blut haben. Der BVB muss noch in Leipzig, Frankfurt und Gladbach aufs Parkett. Und, na klar, beim direkten Konkurrenten. Am 6. April ist es so weit, der Meisterball steigt auf der Weltbühne des FC Bayern. Und spätestens dann werden sie sicher wieder kommen, die Kampfansagen aus München.

So ähnlich vielleicht wie im Jahr 2004, an das wir hier aus gegebenem Anlass erinnern wollen. Da richtete ein gewisser Uli Hoeneß vor dem direkten Duell mit dem späteren Meister Werder Bremen eine besondere Grußbotschaft an den direkten Konkurrenten: „Wir müssen die jetzt richtig niedermachen. Dann wird es noch mal richtig spannend.“ Wurde dann aber alles doch ziemlich unspannend, denn Werder machte die Bayern nieder. Wir legen uns fest: Auch die gefestigte Dortmunder Rasselbande schafft das 15 Jahre später, die Zeit ist reif für einen neuen Meister. Und dann gibt es wieder Pippi-Songs von den Rängen. Und Pipi in den Augen.

Champions League

Einmal diese verdammte Hymne um kurz vor neun abends hören. Unter Flutlicht, und am besten noch mit einem Gegner der Kategorie Real Madrid oder FC Liverpool. Volle Hütte, Kribbeln, Gänsehaut, der ganz große Fußball – und nicht mehr immer nur Europa League oder grauer Liga-Alltag gegen den FC Augsburg oder den VfL Wolfsburg.

Die Champions League ist der große Sehnsuchtsort für jeden Fußballprofi – der neue Meister Borussia Dortmund und der neue Vizemeister FC Bayern München, da legen wir uns fest, werden genau dort wieder landen. Nichts Neues also bei den beiden deutschen Vorzeigeclubs.

Wer aber zieht als Dritter und Vierter in die Königsklasse ein? Auch da haben wir klare Vorstellungen – die wohl klarste bei Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen, aktuell Tabellendritter, werden diesen Platz halten und damit schnurstracks in die Champions League galoppieren.

Trainer Dieter Hecking, vom Typ eher grimmiger Wolf, hat seinen Fohlenstall als alter Taktikfuchs im Griff – weshalb die Borussia, ganz in Tradition der alten Kämpen Berti Vogts, dem Terrier, und „Tiger“ Effenberg ihrem Anhang endlich mal wieder tierische Freude bereiten wird. Auch, weil der Keeper Yann Sommer in der Rückrunde beweist, dass er alles andere als ein Fliegenfänger und manchmal sogar eine echte Katze im Tor ist. Das alles freut dann übrigens auch den Gladbacher Sportchef Max Eberl ziemlich saumäßig.

Spannend wird derweil der Kampf um Platz vier. Da steht aktuell RB Leipzig, gefolgt von Eintracht Frankfurt und Wolfsburg. Wir haben aber einen anderen Club auf dem Zettel für den in diesem Falle gar nicht undankbaren vierten Platz. Die TSG Hoffenheim, aktuell Siebter, wird wie im Vorjahr durchstarten, dann aufholen und die Konkurrenz am Ende überholen.

Tempomacher Julian Nagelsmann wird an der Seitenlinie die Schlagzahl vorgeben, die seine Jungs auf dann auf den Rasen bringen. Klingt alles noch nicht so aufregend? Mag sein! Richtig spannend wird es aber dann, wenn Nagelsmann seinen neuen Arbeitgeber RB Leipzig vom Champions-League-Platz weg befördert. Von Sommer an arbeitet der neue RB-Trainer mit dem aktuellen zusammen, der dann sein Sportchef ist. Vor dem Hinrundenduell zwischen Hoffenheim und Leipzig stichelte Nagelsmann noch ein bisschen gegen Ralf Rangnick: „Mein Chef in Leipzig ist Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, wenn mich nicht alles täuscht.“ Ähnlich frech wird Nagelsmann nun in der Rückrunde sein – und Rangnick auf Platz fünf befördern.

Abstieg

„Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund.“ Der legendäre Reporter Günther Koch vom Bayerischen Rundfunk taumelt 1999 mit dem Club dem nie erwarteten Abstieg entgegen. Die Schlusskonferenz am letzten Spieltag im Radio ist so legendär wie das Abstiegsfinale selbst. Am Ende begräbt der fassungslose Koch am Mikro den FCN: „Liebe Clubberer, es tut mir leid. Das musste nicht sein. Das musste nicht sein.“

Der Glubb war mal wieder der Depp, dabei war die Bühne für die Klassenverbleibsfete schon aufgebaut. So oft würden Pferde nun auch nicht vor Apotheken kotzen, winkte der damalige Trainer Friedel Rausch vorher noch ungläubig ab, als er auf das rechnerisch mögliche Horrorszenario am letzten Spieltag – Sturz vom zwölften auf den 16. Platz – angesprochen wurde.

Es kam alles anders als jeder dachte in Nürnberg. Das Pferd kotzte vor der Apotheke. Ein großes Stück Bundesligageschichte wurde geschrieben an jenem 29. Mai 1999. Eintracht Frankfurt erzielte in einem unglaublichen Endspurt noch vier Tore gegen Kaiserslautern und gewann mit 5:1. Der Club verlor mit 1:2 gegen Freiburg. Um 17.19 Uhr waren Nürnberg und Frankfurt punktgleich, die Tordifferenz war identisch. Nur wegen der weniger erzielten Tore musste der Club absteigen – womit wir bei der Rückrunde in dieser Saison wären. Und der guten Nachricht für alle Nürnberger: es wird dieses Jahr kein Drama geben. Der Glubb wird zwar wieder a Depp sein, aber es wird alles nicht so schlimm wie 1999. Weil der Abstieg dieses Mal schon viel früher als am letzten Spieltag feststeht.

Der Club muss runter, weil er viel zu schlecht für die erste Liga ist. Das deutete sich schon in der Hinrunde an, als der Aufsteiger mit elf Punkten auf dem letzten Platz überwinterte. Schlechter geht es nicht und besser wird es nicht werden – selbst wenn der alternative Kult-Trainer Michael Köllner wie schon mal geschehen mit seinem Team eine Klosterbesichtigung macht und wieder einen Pfarrer vorsprechen lässt.

Beten hilft auch beim zweiten Absteiger nicht mehr. Hannover 96 ist 17. und bleibt 17., was viel mit dem Alleinheiligen des Clubs zu tun hat. Der 96-Chef Martin Kind hält Hannover mit seinem Ausgliederungswahn und 50 plus eins in Atem. Konsequenz ist 18 minus eins – sprich: Platz 17. Hannover muss runter, im Gegensatz zum FC Augsburg, der sich später als 16. in der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten Hamburger SV durchsetzt. Träumen darf ja mal erlaubt sein. Ebenso wie beim VfB Stuttgart, der Platz 15 am letzten Spieltag mit einem souveränen 0:3 beim FC Schalke und gleichzeitigen Patzern der Konkurrenz klarmacht.

Platz elf

Platz elf. Das ist mausgrau. Das ist Niemandsland. Das ist fünf Plätze vom internationalen Geschäft entfernt. Und fünf von der Abstiegszone, vom Relegationsplatz 16. Irgendwo im Nirgendwo. Im sicheren Hafen, aber eben nur da. Fest verankert, mit festgezurrten und neunmal verknoteten Leinen. Ohne Chance auf die Abfahrt auf hoher See, auf eine große Europa-Tour in der nächsten Saison. Die große, weite Welt erscheint nicht mal am Horizont. Denn allein schon die vier Schiffe auf den Liegeplätzen zehn bis sieben verdecken jede Sicht.

Platz elf! Ein Schattendasein. Alles plätschert gemütlich vor sich hin. Mittendrin – und irgendwie nicht dabei.

Alles langweilig also? I wo!

Denn es gibt ja noch den FC Schalke 04. Der Elferrat unserer Zeitung hat getagt und entschieden: Es kann in dieser Saison nur einen echten Elften geben, ganz sicher. Wie eine Elfe wird die königsblaue Diva also durch die Rückrunde flanieren, sich nach der Krisenvorrunde noch von Platz 13 aus hocharbeiten und den aktuellen Elften SC Freiburg von hinten auf Platz zehn hochstoßen.

Die Königsblauen werden die Königsgrauen – und werden trotzdem Farbe ins Spiel bringen. Denn die Schalker Bundesliga-Rückrunde, sie wird bunt und schillernd, sie wird aufregend und elektrisierend. Zuerst wird es so laufen: Schalke taumelt zu Beginn der Rückserie von Niederlage zu Niederlage, ohne Identifikationsfigur und Abwehrchef Naldo geht nichts, jeder Schalker spielt nur noch für sich allein, ehe der Trainer Domenico Tedesco nach der sechsten Pleite nacheinander den entscheidenden Appell an sein Team richtet: „Elf Freunde müsst ihr sein!“

Der FC Schalke bleibt daraufhin in den letzten elf Saisonspielen ungeschlagen und sichert sich durch ein 1:1 am vorletzten Spieltag bei Bayer 04 Leverkusen am 11. Mai Platz elf. Den Elfer zum frühen Ausgleich verwandelt Yevhen Konoplyanka, der Spieler mit der Nummer 11, nach elf Minuten und elf Sekunden. Sein Schuss ist sage und schreibe 111 Stundenkilometer schnell.

Elfter im Herzen im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart

Das letzte Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am 18. Mai ist für den Elften der Herzen dann sportlich bedeutungslos. Daher steht schon vorher alles im Zeichen der Feierlichkeiten. Trainer Tedesco bekommt von Manager Christian Heidel, einem früheren Autoverkäufer, als Elferprämie und passend zu seiner Herkunft und dem Gegner aus Schwaben, einen Porsche 911 geschenkt. Er dreht damit elf Ehrenrunden. Die Schalker Fans singen nach dem elften Veltins dazu inbrünstig das Vereinslied „Grau und Weiß ein Leben lang.“ Und in Dortmund erfreut sich das berühmte Kartenspiel „Elfer raus“ fortan ungeahnter Beliebtheit.

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