Ein Großteil des Geländes an der Plieninger Straße 140 wird derzeit lediglich als Parkplatz genutzt. Foto: Sandra Hintermayr

An der Landhauskreuzung in Stuttgart-Möhringen entstehen 3900 Büros. Was bedeutet das für den Verkehr auf den umliegenden Straßen? Der Bürgerverein Fasanenhof jedenfalls rechnet mit noch mehr Problemen.

Möhringen/Fasanenhof - Mit großer Skepsis schauen die Menschen auf dem Fasanenhof auf die geplante Neubebauung an der Plieninger Straße 140. Sie befürchten, dass dann noch mehr Autos durch ihr Wohngebiet rollen, um auf die Nord-Süd-Straße und in Richtung Autobahn zu kommen. Denn auf dem Grundstück zwischen dem Pressehaus und der Landhauskreuzung könnten Büros für etwa 3900 Menschen entstehen. „Schon jetzt ist der Durchgangsverkehr in den Stoßzeiten ein riesiges Problem“, sagt Günther Joachimsthaler, der Vorsitzende des Bürgervereins Fasanenhof. Besonders schlimm sei es, wenn auf der A8 wieder mal Stau sei und die Pendler sich eine Ausweichroute suchten. Dann würden auch viele Laster durch das Wohngebiet fahren. „Die haben unsere neuen Kreisverkehre schon ganz kaputt gemacht“, sagt Joachimsthaler.

Auch Fachverwaltung rechnet mit Auswirkungen auf den Verkehr

Derzeit steht auf dem Grundstück Plieninger Straße 140 ein markantes Bürogebäude mit orangefarbener Fassade. Der größte Teil des Geländes ist jedoch ein Parkplatz. Aus Sicht der Fachverwaltung und auch des Eigentümers ist das keine gute Nutzung für ein so wertvolles Areal. Letzterer ist ein Unternehmen aus Luxemburg. Dieses hat die Firma Hines Immobilien mit der Neuordnung und Aktivierung des Geländes beauftragt. Geplant ist ein Gebäudeensemble für einen Nutzungsmix aus Büros, gewerblichem Wohnen und gastronomischen Angeboten. Damit die Fläche für alles reicht, werden die Stellplätze in einer Tiefgarage oder einem Parkhaus konzentriert und die Gebäude deutlich höher gebaut.

Um einen möglichst guten Entwurf zu bekommen, schrieb der Eigentümer 2018 einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Sieben Büros, teils aus dem Ausland, beteiligten sich. Der erste Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft aus Pickard Chilton (Conneticut/USA) mit der Architekten-Partnerschaft Stuttgart (ARP) und Glück Landschaftsarchitektur Stuttgart. Der Entwurf sieht zwei gekrümmte Baubereiche vor, die sich gegenüber liegen. Dazwischen verläuft ein Grünstreifen.

Die Stadt hat ein Verkehrsgutachten erstellen lassen

Auch der Fachverwaltung ist bewusst, dass der mit dem Bau von knapp 4000 neuen Büros entstehende zusätzliche Verkehr ein Problem werden könnte. „Zweifelsohne sind damit Auswirkungen auf den Verkehr im näheren und weiteren Umfeld verbunden“, heißt es dazu in der aktuellen Gemeinderatsvorlage.

Die Stadtverwaltung hat vom Luxemburger Eigentümer ein Verkehrsgutachten erarbeiten lassen. „Dieser hat festgestellt, dass die betroffenen Knotenpunkte im Bestand sowie im Planfall als noch leistungsfähig anzusehen sind“, heißt es in der Vorlage. Weitere Untersuchungen sollen folgen und das Verkehrskonzept konkretisiert werden. Zu diesem gehöre auch ein betriebliches Mobilitätskonzept. Das bedeutet vor allem, dass die Firmen, die in die neuen Gebäude einziehen, ihren Mitarbeitern die Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad schmackhaft machen sollen. So könnten die Straßen entlastet werden.

Fakt ist, dass nicht alle neuen Arbeitsplätze gleichzeitig fertig werden. Das Gelände wird sukzessive neu bebaut. Allerdings möchte der Eigentümer mit den ersten Etappen beginnen, bevor der neue Bebauungsplan überhaupt steht. „Hierzu sind wahrscheinlich Befreiungen erforderlich“, heißt es dazu in der Vorlage.

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