Ein Alpine-Mitarbeiter urteilt hart über den Standort Fasanenhof. Foto: Archiv Steinert

Das Gewerbegebiet in Stuttgart-Fasanenhof ist ein Nadelöhr. Zu Stoßzeiten ist vor allem rund um den Kreisel kein Fortkommen. Nun machen Gerüchte die Runde, dass sich Firmen überlegen, ihre Zelte abzubrechen. Was steckt dahinter?

Fasanenhof - Das Verkehrschaos rund um Stuttgart ist groß. Einer der Hotspots der täglichen Blechlawinen ist das Gewerbegebiet Fasanenhof. Dort wollen morgens rund 6000 Autos reinfahren und abends wieder raus. Der neuralgische Punkt, an dem sich alles staut, ist der Kreisel. Ihn so zu erweitern, damit der Verkehr besser fließt, wird wohl noch Jahre dauern. Nun machen Gerüchte die Runde, dass einigen Firmen im Fasanenhof die Geduldsfäden reißen und sie mit dem Wegzug liebäugeln. Das hieße: Gewerbesteuer ade.

Die Firma Alpine Electronics GmbH zieht gegen Jahresende von der Straße Vor dem Lauch im Gewerbegebiet Fasanenhof weg. Der bekannte Hersteller von Car-Audio- und Navigationssystemen hat für seine rund 200 Mitarbeiter einen neuen Sitz im sogenannten Gate Neun am Fasanenweg 9 in Leinfelden-Unteraichen gefunden. Laut Auskunft der japanischen Firma, deren Deutschland-Zentrale im Bayerischen Oberschleißheim bei München liegt, soll der Umzug im November stattfinden. Allerdings sei das Verkehrsproblem nicht der ausschlaggebende Grund.

Was ist der Grund für den Umzug?

„Es handelt sich um ein Gebäude aus den 1990er Jahren, das generalsaniert wird“, sagt Alexander Rutsch, ein Sprecher der Immobilienberaterfirma Colliers International Deutschland, welche Alpine das neue Domizil vermittelt hat. Der Eigentümer des Gebäudes, in dem Alpine 3100 Quadratmeter mietet, ist die Thalos AG mit Büros in Tübingen und Stuttgart.

Der Grund für den Umzug, sagt ein Mitarbeiter der Alpine-Administration, sei technischer Natur: „Das Gebäude im Fasanenhof ist alt und hat seine beste Zeit hinter sich.“ Es gibt aber für die 200 Mitarbeiter einen weiteren Grund, sich auf den neuen Standort zu freuen: die Verbesserung der Verkehrssituation. „Die Verkehrsführung im Fasanenhof ist eine Katastrophe. Während der früheren CDU-Regierung sind Baugenehmigungen, unter anderem an den Energieversorger EnBW erteilt worden, ohne dass man sich Gedanken über die Infrastruktur gemacht hat.“

Harte Worte über den Verkehr im Gewerbegebiet

Es sei doch klar, sagt der Alpine-Mitarbeiter, dass Pendler zu den dort ansässigen Firmen kommen würden. Trotzdem gebe es im öffentlichen Nahverkehr keine Anbindung an den Reutlinger Raum. Angesichts der Blechlawinen kommt er in Fahrt: „Ich hoffe, dass der Fasanenhof den Bach runtergeht“, sagt er. Die Spekulanten setzten darauf, dass die Mieten weiterstiegen: „12,50 Euro zahlt man pro Quadratmeter für einen Neubau, mit dem Ergebnis, dass man täglich im Stau steckt. Da kann ich doch gleich auf die Schwäbische Alb ziehen.“

Das Stuttgarter Verkehrsproblem, urteilt er, sei hausgemacht. Es sei schon seit Langem klar, dass sich immer mehr Gewerbe rund um die Landeshauptstadt ansiedele. Damit verbunden seien logischerweise auch Pendlerströme. Im Synergiepark in Möhringen und Vaihingen habe man dennoch dieselben Fehler gemacht wie im Fasanenhof. Dort ziehe alles hin, „und in den Stoßzeiten kommt man weder rein noch raus“.

Keine Frage, im Unteraichener Gewerbegebiet gibt es in Sachen Verkehr deutlich weniger Ärger. „Das ist auf jeden Fall eine Verbesserung“, sagt der Alpine-Mitarbeiter.

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