Die Planung für den Bürgerpark in Weinstadt verzögert sich. Foto:  

Die Planung für den Bürgerpark in Weinstadt verzögert sich. Der Grund: Das Mammutprojekt wird mehr als eine Million teurer – es ist nicht die erste Kostensteigerung.

Weinstadt - Der Bürgerpark Grüne Mitte ist ein Prestigeprojekt für Weinstadt. Für die Umsetzung des Millionenvorhabens ist es der Stadt gelungen, in das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen zu werden. Fördergelder in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro winken dadurch – vorausgesetzt, das Projekt wird wie geplant in den kommenden beiden Jahren vollends fertiggestellt. Doch die weitere Planung ist ins Stocken geraten. Nach gut zweistündiger fruchtloser Diskussion über den Entwurf für den zweiten Bauabschnitt hat der Gemeinderat den Tagesordnungspunkt jüngst vertagt.

Es wird noch teurer

Der Auslöser: Der Bürgerpark, der zwischen den Stadtteilen Endersbach und Beutelsbach entsteht, verursacht erneut Mehrkosten. Schon der erste Bauabschnitt kam die Kommune mit insgesamt fast zwei Millionen Euro wegen Preissteigerungen in der Baubranche knapp 600 000 Euro teurer als erwartet. Der Start des Vorhabens stand deswegen auf der Kippe. Mit Müh und Not hatte es die damalige Leiterin des Stadtplanungsamts, Amrit Schliesing, geschafft, dem Gemeinderat trotzdem seine Zustimmung abzuringen. Inzwischen ist nach etwa einjähriger Bauzeit der erste Teilbereich mit Grillwiese, Gemeinschaftsgarten, Naschgarten und Spielflächen fertig und auch der Bau des Jugendspielbereichs mit Anlagen für die beiden Trendsportarten Parkour und Streetworkout soll bald abgeschlossen sein. Bis zum Sommer 2020 soll außerdem das Forum als zentrales Bürgerhaus im Park stehen.

Im zweiten Bauabschnitt ist vorgesehen, den Schweizerbach zu renaturieren und ihn mit der Anlage von Sitzstufen am Ufer in einem Teilbereich erlebbarer zu machen. Des Weiteren sehen die Pläne vor, den bestehenden Uferweg zu erneuern und besser auszubauen, sowie einen Auftaktplatz am Parkeingang von Beutelsbach anzulegen. Der Stein des Anstoßes für den Gemeinderat: Nicht nur erneute Baukostensteigerungen von 600 000 Euro führen wiederum zu Mehrkosten, sondern auch ein Brückenneubau mit weiteren 500 000 Euro zusätzlich, sodass sich damit die Gesamtkosten auf 7,4 Millionen Euro belaufen würden.

Brücke war nicht enthalten

Im Siegerentwurf des Planungsbüros A24 von 2014 war die neue Brücke enthalten. Den Vorentwurf beschloss der Gemeinderat indes ohne sie. Somit ist sie weder in der bisherigen Kostenschätzung drin gewesen, noch bei der Beantragung des Zuschusses. Die Schuld hierfür suchte man seitens des Gemeinderats beim Planungsbüro. „Da müssen Sie sich schon an die eigene Nase fassen“, wies der A24-Geschäftsführer Steffan Robel indes die Kritik von sich. Schließlich sei es eine politische Entscheidung gewesen, den Brückenneubau aus der Planung herauszunehmen.

Derweil will die Stadtverwaltung nicht auf die neue Brücke verzichten. Mehrere Gründe sprechen laut dem Stadtplanungsamtsleiter Reinhard Schlegel dafür. So stört die Bestandsbrücke durch ihre gewölbte Bauweise aufgrund darunterliegender Rohrleitungen, die ohnehin in den kommenden Jahren ertüchtigt werden müssten, die Sichtachse von Beutelsbach zum Park. Zudem ließen sich im Entwurf mit einer ebenerdigen Brücke 24 Stellplätze auf dem Auftaktplatz unterbringen – sieben mehr als auf dem bestehenden Parkplatz. Auch sollen für ein grüneres Eingangsbild zum Bürgerpark Bäume den Platz zieren, statt des bisher von Verkehrsinfrastruktur geprägten Anblicks.

Das Planungsbüro soll eine Lösung finden

Eine Anhebung des Platzes oder ein ersatzloser Abriss der Bestandsbrücke als Alternativlösungen seien hingegen nicht zielführend, urteilte Schlegel. Zum einen, weil dadurch nicht so viele Stellplätze angelegt werden könnten, zum anderen, da die Brücke als Haupterschließung für viele Wohneinheiten und Gewerbe notwendig sei. Diese Vorteile konnte auch der Gemeinderat nicht gänzlich von der Hand weisen. Die halbe Million für die neue Brücke wollte man aber nicht schlucken und drang auf Einsparmöglichkeiten. Nun soll A24 hierfür eine Lösung finden und Alternativen für einen ansprechenden Parkeingang mit der Bestandsbrücke entwickeln.

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