Bürgerservice, Bauhof, Betreuung, Bauprojekte: Der parteilose Korntal-Münchinger Bürgermeister Alexander Noak, 45, hat so einige Baustellen zu bewältigen. Und dann sind da noch seine Herzensthemen, die der im Mai gewählte Rathauschef anpacken will.
Als Bürgermeister ist Alexander Noak noch nicht lang im Amt, doch geschafft hat er schon einiges. Was die Bürger davon haben, erzählt er im Interview – und auch, wie es um den Ökopark steht.
Herr Noak, ist der Job des Bürgermeisters nach wie vor Ihr Traumjob?
Ich war fast sechs Jahre lang Erster Beigeordneter, mein Vater war 16 Jahre lang Bürgermeister in Sersheim. Deshalb habe ich ziemlich gut einschätzen können, was auf mich zukommt. Von daher: ja. Der Job macht mir viel Freude, weil ich bestätigt bekomme, dass ich sehr kreativ sein darf, sein kann; dass ich Dinge bewegen und gestalten und eigene Ideen einbringen kann, die ich mit dem Verwaltungsteam und Gemeinderat umsetze.
Wandel gibt es schon in der Verwaltung.
Mir war von Anfang an klar, dass ich verwaltungsintern drei Themen bearbeiten will. Das ist die Basis, um der Fülle der Aufgaben gerecht zu werden. Und auch bevor ich meine Herzensthemen angehen kann, brauche ich eine starke, funktionierende Verwaltung. Bei der internen Kommunikation haben wir uns neue Regeln gegeben, wie ein Mail-Knigge. Wir müssen darauf achten, dass Mails nicht Überhand nehmen, sondern wir auch in den direkten Dialog einsteigen. Das spart meist Zeit und lässt Dinge effektiver besprechen. Außerdem haben wir uns über ein kollektives Verantwortungsbewusstsein unterhalten: Dass man Dinge, Aufgaben wirklich übergibt und sie nicht an der Schwelle seines Zuständigkeitsbereichs streng nach Organigramm abgibt. Die Arbeit des Verwaltungsteams ist schon effektiver und agiler.
Helfen soll auch die neue Organisationsstruktur. Ein technischer Beigeordneter, Ihr Stellvertreter, ist bereits gewählt.
Kai Langenecker beginnt im März. Er kümmert sich um die Stadtentwicklung, Bauthemen und entlastet mich bei repräsentativen Tätigkeiten. In den Fachbereichen bündeln wir Zuständigkeiten und reduzieren Schnittstellen. Damit beheben wir unsere Schwächen, weil wir effektiver gestalten können. Die Änderungen betreffen zum Beispiel das Baurecht und die Wirtschaftsförderung, die mehr Kapazitäten erhalten. Wir stärken den Umwelt- und Klimaschutz, aber auch den Bauhof, das zentrale Gebäudemanagement und die Jugend. Außerdem schaffen wir die Stelle eines Grünflächenmanagers. Das Aufgaben- und Projektmanagement mit einer neuen Software ist erwähntes drittes Thema.
Die Wirtschaftlichkeit des Bauhofs soll schon lang verbessert werden.
Der Bauhof wird jetzt wirklich grundlegend von links auf rechts gedreht. Wir erheben gerade alle nötigen Daten. Ein Grünflächenkataster wird angelegt oder erfasst, welche Tätigkeiten wie viele Arbeitsstunden brauchen. Daraus leiten wir ab, was wir selbst machen, was wir vergeben oder ob das Personal reicht. Außerdem wird der Bauhof künftig anders organisiert. Unter der Leitung wird es zwei Stränge geben – Gärtnerei und Technik mit je einem Teamleiter. Aufträge erteilt dem Bauhof vor allem der Grünflächenmanager, der im Tiefbau sitzt und den Überblick hat. So ist der Bauhof ein klassischer Hilfsbetrieb.
Was haben die Bürgerinnen und Bürger konkret von den Veränderungen?
Spürbar wird das im Bereich der Arbeiten des Bauhofs. Das Grünflächenmanagement zusammen mit dem Bauhof soll bewirken, dass der Bürger ein optisch gepflegteres und schöneres Korntal-Münchingen vorfindet. Über nicht gepflegtes Grün gibt es zu Recht Beschwerden, auch darüber, dass es zu lange dauert, bis Baugenehmigungen erteilt sind. Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz können wir künftig zügig umsetzen.
Wie geht es beim Bürgerservice weiter?
Uns schwebt eine Front- und Backoffice-Lösung vor: Der Bürger hat in beiden großen Stadtteilen eine zentrale Anlaufstelle, wo er ohne Termin kleine Anliegen direkt erledigen kann. Dauert die Angelegenheit länger, vereinbart er mit dem Backoffice einen Termin. Er erfährt dann zum Beispiel auch gleich, was er alles mitbringen muss.
Ist der Personalmangel behoben?
Im Bürgerservice ja, insgesamt beschäftigt uns der Fachkräftemangel in allen Bereichen der Verwaltung aber wirklich sehr. Leider lehnte der Gemeinderat unsere gewünschte Stelle eines Recruiters ab. Das erschwert es uns, das vom Gremium genehmigte Personal zu bekommen. Das Einzige, das uns hilft und woran wir sehr arbeiten, ist, dass wir eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit haben und dadurch ein gutes Image als moderner, mitarbeiterfreundlicher und wertschätzender Arbeitgeber, bei dem Arbeiten Spaß macht. Es hat auch ungewollte Vorteile, dass wir Stellen nicht besetzen können: Wir haben jedes Jahr rund zwei Millionen Euro weniger Personalausgaben als geplant. Bauprojekte setzen wir langsamer um und sparen so auch im Unterhalt. Unter anderem dadurch haben wir einen sehr guten Stand an liquiden Mitteln und können unsere historischen Großbauprojekte finanzieren. Im Jahr 2028 müssen wir Schulden aufnehmen, denn dann sind die Rücklagen aufgebraucht.
Apropos Großbauprojekte: Haben Sie drei Kreuze gemacht, als der Gemeinderat die Mehrzweckhalle abgesegnet hat?
Ja (lacht). Mir ist wichtig, dass wir alle nötigen Infos zusammentragen, uns gut beraten und dann aber auch Entscheidungen treffen.
Das betrifft auch den regionalen Gewerbeschwerpunkt. Wie ist der Stand?
Wir haben mit allen Beteiligten erörtert, was wir unter den aktuellen Vorzeichen – gestiegene Zinsen und Einbruch im Immobiliensektor – von unserem innovativen, nachhaltigen Ansatz verwirklichen können. Nun müssen wir beraten, ob das dem entspricht, was wir uns vorstellen. Mit Porsche ist die Zusammenarbeit sehr gut, und ich stehe voll und ganz hinter unseren hehren Zielen und dem nachhaltigen Konzept. Wir werden kein 0815-Gebiet entwickeln. Öffentlich ist das Thema am 5. Dezember im Gemeinderat.
Aus Ihrer Sicht braucht die Stadt unbedingt höhere Gewerbesteuereinnahmen , um ihre Finanzkraft zu sichern.
Sparen allein reicht nicht, also müssen wir die Einnahmeseite mit mehr potenten Gewerbetreibenden stärken. Wir müssen die vorhandenen Potenziale nutzen, etwa nördlich der Kornwestheimer Straße und auf dem Greutter-Aichelin-Areal. Dieses Gebiet sollten wir unbedingt entwickeln und neu ordnen. Nun geht es darum, mit allen Beteiligten einschließlich dem Projektentwickler Vermehrt ein Konzept zu entwickeln, das alle mittragen. Wir sind auf einem guten Weg. Dass der Gemeinderat die ursprünglich vom Investor angestrebte dichte Wohnbebauung für mehr als 1000 Menschen ablehnt, ist die richtige Entscheidung. Mit dem Wachstum, das wir in der Vergangenheit unwiderrufbar angestoßen haben, hat die Stadt genug Aufgaben mitbekommen.
Gibt es weitere Herausforderungen?
Die Kinderbetreuung und die Flüchtlingsunterbringung sind Pflichtaufgaben, die uns ständig und massiv fordern. Die Ärzteversorgung ist ebenfalls ein großes Thema. Es ist wichtig, diese für die Zukunft zu sichern oder sogar auszubauen. Toll wäre zum Beispiel ein zweiter Kinderarzt. Aktuell sprechen wir mit Investoren und Ärzten, um festzustellen, ob genug mitmachen würden, um ein Gesundheitszentrum zu realisieren.
Sie erwähnten Ihre Herzensthemen.
Einmal die Stärkung der Ortszentren mit Einzelhandel, Kleingewerbe, Cafés und Bars, damit die Stadt lebendig und lebenswert wird. Zweitens will ich die Stadtteile mit einer attraktiven Fuß- und Radverbindung inklusive Beleuchtung, Bänken und Erlebnispfad stärken, parallel als Anliegerstraße geführt, auf der ein Bus fährt. Das möchte ich prüfen. Beim Klima- und Umweltschutz will ich schnell sichtbare Ergebnisse erzielen und die Zusammenarbeit mit den Natur- und Umweltschutzverbänden intensivieren.
Der Mann im Chefsessel
Die Vita
Alexander Noak, 45, lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Vaihingen/Enz. Dort war er Stellvertreter und kaufmännischer Leiter zweier städtischer Eigenbetriebe, ehe er in Lauffen/Neckar Kämmerer wurde. Seit 2017 war der Verwaltungswirt Erster Beigeordneter in Korntal-Münchingen. Er klettert gern und besteigt Berge.
Die Erwartungen
Ob die Menschen in der Stadt höhere Erwartungen an ihn stellen? „Ich spüre schon, dass ich schneller Veränderungen und Ergebnisse erarbeite, als es ein Bürgermeister von außen getan hätte. Es war Teil meines Wahlkampfes zu sagen, ich kenne die Verwaltung, die Stadt, die Bedürfnisse und weiß daher genau, wo ich den Hebel ansetzen muss. Die Bevölkerung darf zu Recht von mir erwarten, dass ich mich stramm an die Umsetzung mache.“