Das Archivfoto aus der Zeit vor der Coronapandemie zeigt Flüchtlingskinder vor dem Ankunftszentrum in der Heidelberger im Patrick-Henry-Village. (Archivbild) Foto: dpa/Uwe Anspach

Die Bürger haben abgestimmt: Das Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Heidelberg wird nicht auf ein Gelände zwischen dem Autobahnkreuz Heidelberg und einer Bahntrasse verlagert.

Heidelberg - Das Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Heidelberg soll nach dem Willen der Bürger nicht auf ein Gelände zwischen dem Autobahnkreuz Heidelberg und einer Bahntrasse verlagert werden. Das Bündnis für Ankunftszentrum, Flüchtlinge und Flächenerhalt (BAFF) setzte sich am Sonntag mit einem Bürgerentscheid durch. 70,33 Prozent der Abstimmenden votierten gegen die Verlagerung des Ankunftszentrums auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche „Wolfsgärten“ in einem Gewerbegebiet. Weil mit 30 496 Stimmen die nötige Mindestzahl von 21 800 überschritten wurde, hat das Ergebnis die Wirkung eines Gemeinderatsbeschlusses und kann innerhalb von drei Jahren nur durch einen neuen Bürgerentscheid abgeändert werden.

Die Entscheidung sei eindeutig, sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) bei der Verkündung des Ergebnisses: „Es findet damit keine Verlagerung in die „Wolfsgärten“ statt.“ Er sehe aber weiter einen klaren Auftrag, dem Land einen Standort anzubieten.

Standort US-Siedlung war ursprünglich nur Notlösung

Die bisherige zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete im Areal der ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village (PHV) hatte die Stadt dem Land vor sechs Jahren nur vorübergehend bereitgestellt. Sie will dort einen neuen Stadtteil mit 10 000 Bewohnern als ökologisches Leuchtturmprojekt entwickeln. Aus Sicht von Stadt und Land wären die „Wolfsgärten“ ein geeigneter alternativer Standort gewesen.

Das BAFF lehnte diese Lösung aus ökologischen, finanziellen und sozialen Gründen ab und initiierte ein erfolgreiches Bürgerbegehren, dem nun der Bürgerentscheid folgte. Das Bündnis favorisiert die Integration des Ankunftszentrums in den innovativen Stadtteil PHV. Dorothee Hildebrandt vom BAFF dankte den Bürgern für die klare Position. Wahlberechtigt waren 109 000 Heidelberger ab 16 Jahren.

660 Personen sind derzeit im Ankunftszentrum

„Wir erkennen natürlich den Willen der Bürgerinnen und Bürger vorbehaltlos und vollumfänglich an“, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. „Wir stehen weiter zu der Zusage, das Patrick-Henry-Village zu räumen, um die Entwicklung des neuen Heidelberger Stadtteils dort zu ermöglichen.“ Allerdings gebe es im Moment keinen Plan B. Nun müsse ein neuer Standort in der Region gefunden werden, wobei schon vor der Entscheidung für die „Wolfsgärten“ landesweit sehr lange und intensiv nach geeigneten Flächen gesucht worden war. Das Ministerium setze auf den großen Konsens im Gemeinderat und bei den Heidelberger Bürgern, das Ankunftszentrum in der Stadt am Neckar behalten zu wollen.

Derzeit sind rund 660 Männer, Frauen und Kinder im Ankunftszentrum untergebracht. Dort sind sie registriert und gesundheitlich untersucht worden und stellen ihren Asylantrag. Danach werden die Menschen auf die Stadt- und Landkreise verteilt. Bislang bietet das Zentrum Platz für bis zu 3500 Bewohner und 500 Mitarbeiter. Das Land als Finanzier stellt 100 Millionen Euro für einen Neubau bereit.

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