Innenarchitektin Jutta Blocher von Blocher Partners aus Stuttgart hat dieses schlicht lässige Interieur entworfen. Weitere ausgezeichnete Projekte aus dem Buch gibt’s in der Bildergalerie. Foto: /Patricia Parinejad

Der Bund deutscher Innenarchitekten zeichnet gelungene neue Häuser und nachhaltige Umbauten von Büros, Wohngebäuden und Hotels aus. Grandiose Projekte aus Stuttgart und der Region sind auch darunter – zu entdecken im „Handbuch Innenarchitektur“.

Innenarchitektinnen und -architekten haben das Wohlbefinden der Menschen in ihren Räumen im Blick. Sie sind Experten für Licht, Farbe, Klima, Form und Materialien. Von privaten Wohnhäusern, Szene-Gastronomie, Hotel-Design, Arbeitswelten, Bauten der Gesundheit bis hin zu öffentlichen Bauaufgaben nehmen sie sich allen Planungsbereichen an.

Doch die Zeiten wandeln sich – neue Aufgaben kommen hinzu. So muss sich auch diese Branche mit den Themen Klimawandel, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Nachhaltiger Umbau

Deshalb kann auch eine Jubiläumsausgabe zum 70-jährigen Bestehen des Bundes deutscher Innenarchitektinnen und Innenarchitekten (bdia) nicht ohne einen Blick nach vorne auskommen. „Im 70. Jubiläumsjahr unseres Verbands zeigen die 25 Projekte, dass gelungene Innenräume aus der Expertise erfahrener Innenarchitektinnen und Innenarchitekten resultieren. Ob bei Umbau, Anbau, Modernisierungen, Ergänzungen oder Neugestaltungen im Bestand: Durch eine nachhaltige Planung, eine bewusste Auswahl von Werkstoffen und die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Nutzer entstehen Räume mit Qualität“, sagt Pia A. Döll, bdia Präsidentin.

Das Bauen im Bestand ist freilich eine der Kernkompetenzen der Innenarchitektinnen und Innenarchitekten. Das zeigt beispielhaft die Umnutzung eines Weizensilos in Düsseldorf, das zu einer Praxis für Radiologie umgewandelt wurde. Auch die öffentlichen Räume im Max-Planck-Institut in Hamburg wurden umgestaltet, ebenso wie das Full Moon Group Headquarter in Stuttgart, das die Innenarchitektin Sandra Salici vom Studio Salici in Weinstadt plante.

Sehenswert ist überdies ein Bauernhof aus dem Jahr 1924 in Rauenzell in Mittelfranken revitalisiert. Und Innenarchitekt Jan Leithäuser hat sich der Sanierung eines ehemaligen Sommerhauses in Frankfurt am Main angenommen.

Trotzdem sind auch Neubauten unter den ausgezeichneten Objekten, darunter ein privates Ferienhaus an einem nicht genauer benannten See – mit Bootshaus-Charakter, geplant von der Innenarchitektin Jutta Blocher von Büro Blocher Partners in Stuttgart. Das Büro ist auch mit einem Umbau vertreten – Innenarchitektin Anja Pangerl hat ein ehemaliges Verwaltungsgebäude in das Designhotel Emilu umgestaltet, das sich nicht nur für Hotelgäste öffnet, sondern auch als Tagescafé für die Bewohner der Stadt öffnet.

Unterteilt sind die ausgezeichneten Bauten und Objekte des bdia in die Kategorien Health (Gesundheitswesen), Hospitality (Gastgewerbe), Living (Wohnen), Office (Büro), Public (öffentlicher Raum) und Retail (Einzelhandel). Diese große Bandbreite an Räumen mit unterschiedlicher Nutzung bieten schon durch die vielen Fotografien, aber auch durch die beschreibenden Texte einen guten Überblick über die ästhetischen Möglichkeiten der aktuellen Innenarchitektur sowie über die Aspekte nachhaltigen Gestaltens.

Nachhaltig ist etwas, wenn es langlebig ist

„Etwas ist dann nachhaltig, wenn es langlebig ist“, schreibt Döll im Vorwort. „In vielen Lebensbereichen setzt sich der Anspruch durch, etwas von Dauer anzulegen. Das zeigt sich auch in der Innenarchitektur sowie beim Bauen im Allgemeinen. Umbau, Anbau, Modernisierungen, Ergänzungen oder Neugestaltungen: Nachhaltige Planung, Materialien und Produkte sind im Bewusstsein von uns allen angekommen.“

Die Projekte im Buch zeigen dies an vielen Stellen plastisch auf, allerdings könnte der Nachhaltigkeitsaspekt bei manchen Objekten – besonders den Neubauten – noch differenzierter dargestellt werden, da dieses Buch nicht nur Leute vom Fach, sondern auch Laien interessieren dürfte – und zumal auch der Trend der Nachhaltigkeit vermutlich ein langlebiger sein wird.

Info

Das Buch
bdia Bund deutscher Innenarchitekten e.V. (H.): bdia Handbuch Innenarchitektur 2022/23. Callwey-Verlag, 224 Seiten, über 350 Abbildungen, Pläne und Skizzen. 39,95 Euro. www.callwey.de