Der Nabu hatte dagegen geklagt, dass ein maroder Steg neu gebaut wird. Foto: Kratz

Der Naturschutzbund zieht seine Klage gegen einen neuen Steg über die Magstadter Straße zurück. Der Rechtsstreit hat den Bau um ein Jahr verzögert.

Büsnau - Das Jahr 2014 ist verschenkt. Eigentlich hätten die Bauarbeiter in den nächsten paar Wochen anrücken sollen, um die Brücke über die Magstadter Straße neu zu errichten. Das Regierungspräsidium (RP) hatte die Holzkonstruktion gesperrt, weil sie marode ist. Doch hatte der Naturschutzbund Nabu gegen das Bauvorhaben im März 2013 Klage eingereicht. Am gestrigen Montag, also mehr als ein Jahr später, haben die Verantwortlichen die Klage zurückgezogen.

Die Begründung mutet abstrus an. Der Nabu geht davon aus, dass er den Rechtsstreit gewonnen hätte. Und eben deshalb will er nicht mehr vor Gericht ziehen. Das Resultat dürfte vor allem die Radfahrer und Fußgänger ärgern, die von Büsnau kommend in Richtung Bärensee unterwegs sind. Sie müssen weitere zwölf Monate die viel befahrene Straße, auf der die Autos nicht selten recht schnell unterwegs sind, auf Stoßstangenhöhe kreuzen. Vor 2015 wird nicht gebaut.

„Aufgrund eines Vorstandsbeschlusses habe ich die Anwaltskanzlei beauftragt, die Klage zurückzuziehen“, sagt Hans-Peter Kleemann, der Vorsitzende des Nabu Stuttgart. Den Naturschützern ist ursprünglich sauer aufgestoßen, dass die Holzkonstruktion durch ein Bauwerk aus Stahlbeton ersetzt werden sollte. Das hätte größere Eingriffe in das sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet bedeutet, für das verschärfte Umweltschutzauflagen gelten. Stattdessen, so der Nabu, sollte im Mahdental saniert werden.

Die Brücke war bereits 2010 gesperrt worden

„Wenn wir die Klage aber nicht zurückziehen, könnte es sein, dass die Brücke gar nicht gebaut wird“, sagt Kleemann. Das RP habe deutlich gemacht, dass es auf Stahlbeton besteht. Besser so als gar nicht, meint nun Kleemann. Die Einsicht kam ihm bei einem Vor-Ort-Termin, bei dem er eine Schulklasse beobachtet hat, die mit ihren Rädern just an jener Stelle unterwegs war. „Das ist richtig gefährlich“, sagt er. Dass dies so bleibt, „können wir nicht verantworten“, sagt der Nabu-Vorsitzende.

Das verlorene Jahr, nun ja, das müsse sich der Nabu ankreiden lassen. Schwerer wiege aber, „dass die Brücke zum Zeitpunkt unserer Klage schon drei Jahre gesperrt war“, sagt Kleemann. Und außerdem habe ein Gutachten aus dem Jahr 2010 ergeben, dass sie nur für Reiter zu gefährlich sei. „Für Fußgänger und Radfahrer hätte man sie nicht sperren müssen.“

Das bestätigt Nadine Hilber, die Sprecherin der Behörde. „Wir wollten aber auf der sicheren Seite sein“, sagt sie. Als man sich für einen Neubau entschieden habe, konnte man nicht wissen, dass sich das Verfahren in die Länge ziehen würde. Und auch das Beharren auf einer Stahlbetonkonstruktion bestätigt sie. Im Mahdental ist es feucht, weshalb Holz schneller als sonst fault. „Wir bauen ja nicht nach Lust und Laune“, sagt sie.

Zwar hat sie schon davon gehört, dass die Klage zurückgezogen wurde. „Aber für uns wird das dann eine Tatsache, wenn wir eine Nachricht vom Verwaltungsgericht bekommen“, sagt Hilber. Dann werden der Bauwerksentwurf ausgearbeitet und die Ausschreibungen vorbereitet. Das wird seine Zeit dauern, bis Anfang Mai wird das nicht mehr zu schaffen sein. Das Zeitfenster ist klein. Weil es in der Gegend kreucht und fleucht, können die Bagger nicht rund ums Jahr anrücken. Das nächste Fenster öffnet sich erst im Mai 2015.

„Im Nachhinein kann man immer sagen, es hätte geschmeidiger laufen können“, sagt Hilber. „Aber es war das gute Recht des Nabu, zu klagen.“ Hätten die Umweltschützer aber bereits im Oktober vom Gerichtsgang Abstand genommen, wäre der Zeitplan nicht durcheinander geraten. „Bis dahin hätten wir es wissen müssen.“

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