Zwei Männer aus Asperg (Kreis Ludwigsburg) hatten keine Lust mehr auf den regionalen Wein und machten sich daran, ein „Bier für die Heimat“ zu brauen. Das kommt so gut an, dass es sich im lokalen Supermarkt besser verkauft als die großen Marken.
Eine Zeit lang sprossen überall kleine Brauereien, sogenannte Mikrobrauereien, aus dem Boden. Kreative Biere, die anders schmecken als das, was im TV beworben wird, herzustellen, das waren in Mode. Laut der „Bierkonsum Trendstudie 2025“ produzierten die Mikrobrauereien vor fünf Jahren eine Rekordmenge von 222 466 Hektolitern. Seitdem ist sie rückläufig. Zum einen dürfte das damit zusammenhängen, dass die Deutschen insgesamt weniger Bier trinken. Zum anderen machen große Brauereien längst mit. Ihr Sortiment geht weit über Pils, Export und Weizenbier hinaus.
„In anderen europäischen Ländern hat sich das anders entwickelt“, sagt Clemens Thüsing, „bei uns ist der Trend eher wieder vorbei.“ Der 52-Jährige ist 2019 auf den Zug aufgesprungen – und das „Esele“, das er gemeinsam mit Michael Dahm braut, hat sich gehalten. Nach dem Wegzug der Rossknecht-Brauerei, die nun in Stuttgart beheimatet ist, ist die Brauerei in Asperg die größte noch verbleibende im Landkreis.
Der Startpunk: auf dem Stadtfest gab es nur regionalen Wein, kein Bier
Auf dem hart umkämpften Biermarkt ist das eine beachtliche Leistung. Die Kisten, die mit 35 Euro durchaus einen stolzen Preis haben – die Macher verdienen trotzdem kaum daran –, werden zu bestimmten Terminen direkt aus einer kleinen Halle im Asperger Industriegebiet verkauft. Das Bier steht zudem bei insgesamt sieben Gastronomien in Asperg auf der Karte, eine Skihütte in Österreich führt es und VfB-Fans könnten es vom Imbiss „Zur Finca“ in Cannstatt kennen, der an Spieltagen hochfrequentiert ist. Fast von Anfang angeboten wurde das Esele im Rewe-Markt in Asperg, dort verkauft es sich sogar besser als die großen Marken. Es muss schmecken.
Wobei die Thüsing und Dahm auch eine gute Geschichte rund um ihr Bräu, eine wie gemacht für Marketingzwecke, erzählen können. Die geht so: Im Jahr 2019 feierte Asperg 1200-jähriges Stadtjubiläum. Bei der Auftaktveranstaltung gab es nur regionalen Wein, aber kein Bier. Thüsing, ein gelernter Brauer, und Dahm, der stellvertretende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, den in Asperg (fast) jeder kennt, hatten den Wein irgendwann am Abend satt. Es war klar: ein Bier für die Heimat muss her. Später, im Feuerwehrhaus, wurde die Idee mit Bürgermeister Christian Eiberger weitergesponnen. Man einigte sich. „Wobei wir das ernster genommen haben als der Bürgermeister“, sagt Thüsing.
Wie der Esel aufs Bier kam
Thüsing und sein Braukumpan Dahm machten sich jedenfalls ans Werk. Ein leichtes Pils wollten sie kreieren, eher fruchtig als bitter, in jedem Fall süffig. Dass Thüsing in der Brauerei-Zulieferindustrie arbeitet und dementsprechend Kontakte hat, half bei der Suche nach einer Brauerei. In Westfalen fanden sie mit der Pott’s Brauerei eine, die es ihnen erlaubte die Anlage zu nutzen. Selbst eine zu bauen, kam bei den geringen Mengen – heute sind es zwischen 250 und 300 Hektoliter im Jahr – nicht in Frage. Hopfen wird in der Region nicht angebaut, das Malz kommt auch nicht von hier. Die regionale Komponente im Esele ist das Wasser aus der Asperger Altachquelle. Die speist übrigens auch das Freibad. Und wenn man drin schwimmen kann, kann man’s auch trinken. Das stimmt jedenfalls fürs Asperger Nass.
Der Namen des Bieres geht auf eine Asperger Sage zurück, in der ein Esel, der es sich im Rathaus hinter einem Kamin gemütlich gemacht hatte, für den Teufel gehalten wurde. Seither werden die Asperger auch „Esel“ genannt.
Das Bier mit dem Stadttier als Logo schmeckte den Aspergern, als es erstmals angeboten wurde, so gut, dass die ersten 1500 Liter nach ungefähr drei Stunden weg waren. Also brauten Thüsing und Dahm neues – und haben auch nicht mehr damit aufgehört. Profis vom VfB Stuttgart waren inzwischen bei ihnen in der Halle, um das Esele zu verköstigen. Mit der Familie Ottenbacher, die das Sternehotel Adler betreibt, kooperierten sie für ein Jubiläumsbier zum 125. „Das war sowas wie der endgültige Durchbruch“, sagt Clemens Thüsing.
Expandieren? Nein, Danke!
Die Palette haben die Asperger erweitert, vier Mal im Jahr wird gebraut. 30 bis 40 andere Biere verköstigt das Duo vorher, um eine Idee vom eigenen Bräu zu bekommen. Im Frühjahr wird Sud für ein Märzen aufgesetzt, im Sommer für Pils, im Herbst gibt’s ein Export und ein Festbier im Winter. Hefeweizen haben sie auch schon abgefüllt, und selbst an ein Pale Ale haben sie sich gewagt. „Da haben wir lange gezögert“, sagt Thüsing. Die Deutschen seien in der Mehrzahl „konservative Biertrinker“. Aber auch der neue Stil habe „gut eingeschlagen“.
Warum also die Brauerei nicht noch größer aufziehen? Clemens Thüsing winkt ab, da gebe es keine Ambitionen. „Wir müssten jemand einstellen, dann müssten wir auch richtig Geld verdienen. Und das macht dann keinen Spaß mehr.“
Infos
Bier
Wann das Esele in der Halle, Neckarstraße 3 in Asperg, verkauft wird, geben die Macher immer auf ihrer Internetseite bekannt: www.esele-asperg.de. Dort sind auch alle Läden und Gastronomien aufgelistet, die das lokale Bier im Sortiment haben.
Tasting
Im Rahmen des Spätlingsmarkts im Ludwigsburger Kreishaus, bietet Clemens Thüsing, der auch Diplom-Biersommelier ist, ein Tasting an. Bei der Verkostung am Mittwoch, 8. November, bringt er Biere aus Sachsen, Italien, Frankreich, Ungarn und Israel mit. Interessierte sollten sich vorab anmelden. Das ist telefonisch unter der Nummer 07141/144 42071 möglich. Der Unkostenbeitrag pro Person beträgt 20 Euro.